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Kundenrezension

25 von 37 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Opfer Amok laufender Tontechniker?, 4. Oktober 2012
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Glad Rag Doll (Audio CD)
Nun, dass ich keinerlei Geschmack und Stil habe, ist nicht neu. Dass ich von Musik erst recht nichts verstehe, auch nicht. Und das habe ich in dieser Woche wieder eindrucksvoll bewiesen, indem ich mir die ganz ganz nigelnagelneue CD von Diana Krall gekauft habe. Außerdem habe ich damit natürlich ein weiteres Mal bewiesen, dass ich ein in ferner Vergangenheit verhafteter Idiot bin, weil ich mir einen physischen Datenträger kaufe, anstatt mir (legal? illegal? egal!) einfach die notwendigen digitalen Daten herunterzuladen. Aber dann hätte ich natürlich auch auf das Coverbild verzichten müssen - allein über dieses könnte man seitenlang Kontroverses schreiben.

Immerhin aber bin ich konsequent. Seit “Stepping Out” habe ich jede CD gekauft und das bisher eigentlich nicht bereut. Diana Krall ist eine fantastische Jazz-Pianistin mit einer interessanten Stimme und das hat ihren bisherigen CDs immer eine attraktive Würze gegeben. Der Höhepunkt ihres Schaffens aber schien mir mit “The Girl In The Other Room” überschritten zu sein. Dieses Album, das erstmals eine Abkehr vom Reproduzieren uralter Standards hin zu herrlich arrangierten und unnachahmlich interpretierten Eigenkompositionen brachte, hat gezeigt, was man von dieser Künstlerin noch hätte erwarten können.

Und dann kam – nichts dergleichen mehr. Die aktuellen Tiefpunkte markieren die aufeinander folgenden CDs “Quiet Nights” und jetzt eben “Glad Rag Doll”. Ursprünglich hatte ich die ziemlich uninspiriert dahinsäuselnden Schnulzen-Standards auf “Quiet Nights” noch als Ausrutscher in den Extremkommerz verziehen, jetzt aber wird mir klar, dass dies nur ein Meilenstein auf dem konsequenten Weg in die falsche Richtung war.

Auf dem Debutalbum “Stepping Out” konnte man sich noch umfassend von Dianas virtuoser Beherrschung des Klaviers begeistern lassen, beispielsweise in dem Stück Jimmy, das dankenswerterweise gänzlich auf Gesang verzichtet. Im Lauf der Zeit aber begann der Gesang immer mehr das Klavierspiel zu dominieren, wobei eben auf “Quiet Nights”, als vorläufiger Schlusspunkt, nur mehr beliebiges Geklimper und bemühtes Hauchen und Säuseln zu hören war.

Deshalb war ich durchaus gespannt, was die neue CD so bieten würde, zumal der Feuilleton sich größtenteils im artigen Bückling übte und beispielsweise im Focus lobhudelte:

»[…] der Neuling ist alles andere als niedlich. Krall ist darauf verschmitzt wie selten, das aber mit einem gerüttelt Maß an klanglichem Ruch – was zum einen an der Songauswahl liegt. Vieles entspringt dem 1920ern und 30ern. Dazu gibt es unter anderem den Doc-Pomus-Klassiker “Lonely Avenue”, den Ray Charles 1956 zu einem Rhythm’n’Blues-Hit gemacht hatte, Kralls sehr zeitgemäße Version der alten Gene-Austin-Nummer “Let It Rain” oder ihr Remake der Ballade “Wide River To Cross”, die 2004 von dem in Nashville lebenden Songwriter-Gespann Buddy und Julie Miller geschrieben wurde. Es liegt aber auch und vor allem an den fantastischen Musikern, die Krall verpflichten konnte, allen voran der großartige Gitarrist Marc Ribot […] oder Schlagzeuger Jay Bellerose […]. Sie verwandeln „Glad Rag Doll“ in ein sehr intimes, wunderbar kraziges Stück Musik mit deutlichem Blues-Einschlag. Reinhören!«

Nun, am Reinhören hat es nicht gemangelt, ich habe mir auf Amazon drei Tracks (also die legal vorhörbaren 30-Sekunden-Schnipsel) angehört und war durchaus angetan, auch, weil ich dort ein authentisches (und wohl leicht verstimmtes) Piano aus dem frühen 20. Jahrhundert hörte, wie es in so manchem Saloon gestanden sein mag. Seit ich die CD besitze, weiß ich aber, dass dieses Piano viel zu selten wirklich zu hören ist und stattdessen wieder viel Gesang. Da helfen auch die “fantastischen Musiker” nicht viel, wenn das “wunderbar krazige Stück Musik” mit stellenweise planlos drauf los rumpelnder Percussion (→“You know – I know…”), weit aus dem Panorama fallenden Instrumenten (→“There Ain’t No Sweet Man…”) und einem bisweilen wie aus der Dose gepressten Klangbild (→“Loneley Avenue”) nervt. Dass viele Tracks letztlich – auch mit relativ gutem Equipment – klingen, als wären sie von einem gehörlosen Dreijährigen versehentlich mit seinem Fisher Price Kassettenrecorder aufgenommen worden, wird der zweifellos vorhandenen Klasse der beteiligten Musiker einfach nicht gerecht.

Zugegeben – diese Kritik entspringt primär meiner Aversion gegen die immer wieder anzutreffende Unsitte, im Jahr 2012 Aufnahmen mit “Stilmitteln” von vor 20 oder 50 Jahren (wie Ping-Pong-Stereo, künstlichen Verzerrungen und Klokabinen-Akustik) künstlerisch zu verunstalten.

Wenn man sich damit erst einmal arrangiert hat, dann klingt das neue Album immerhin sehr erfrischend anders. Nachdem ich mir für diesen Text die einzelnen Tracks noch einmal in ausreichender Lautstärke durch den Kopfhörer gejagt habe, möchte ich sogar fast so weit gehen, zu behaupten, ich hätte meinen Frieden mit diesem Werk geschlossen und würde den Kauf gar nicht (mehr) bereuen. Ist es nicht herrlich, was man sich mit etwas gutem Willen so alles herbeischreiben kann?

Den jenseits der Erwartung trifft den Biegsamen gelegentlich eine freudige Überraschung.
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