67 von 73 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Schade, Schade,
26. März 2006
Rezension bezieht sich auf: Pat Garrett & Billy the Kid (Special Edition, 2 DVDs) [Special Edition] (DVD)
Einfach nur unglücklich!
Es scheint, als wollte der Verleih mit seiner Veröffentlichung den chaotischen Begleitumständen der Dreharbeiten zu diesem Film Tribut zollen. Dabei hätte es wirklich eine tolle DVD werden können!
Der Film wird in zwei Versionen gezeigt:
Einmal in einer im Jahr 1988 restaurierten Fassung, die sich bereits von der Kinoversion deutlich unterscheidet, und jetzt in einer neuen Version, die wiederum aus deutlichen Veränderungen im Vergleich zu der 1988er Fassung besteht.
In der neuen Version ist eine Szene mit Garrets Ehefrau eingefügt und die Szenen, wo sich Garrett mit mehreren Prostituierten vergnügt, erweitert worden. Dafür ist eine andere Szene entfernt und die berühmte Szene mit dem Floß woanders postiert worden. Auch der Schluß ist anders ausgefallen. Im Ganzen sind dies durchaus sinnvolle Änderungen.
Die Restaurateure waren der Auffassung, daß diese neue Version Peckinpahs Vorstellungen am Ehesten entsprach. Aber das kann man letzten Endes nicht beurteilen. Denn der Film litt von Anfang an unter den Streitereien zwischen Peckinpah und dem Studio sowie an der Tatsache, daß der Film in sehr kurzer Zeit zusammengeschnitten werden mußte, so daß die unbestreitbaren Schwächen des Films nicht mehr behoben werden konnten. Dies kann auch die jetzige Fassung nicht.
Im sehr anschaulichen Audiokommentar, der von Peckinpah-Experten gesprochen wird, wird dies auch zugestanden. In diesem Kommentar werden die ganzen Schwierigkeiten, die es in der Produktion und Postproduktion des Films gegeben hatte, eingehend geschildert. Es lohnt sich sehr, diesen Kommentar anzuhören (wie so häufig aber leider ohne Untertitel).
Die beiden Dokumentationen zum Film, die aus Erinnerungen von Kristopherson und einer engen Mitarbeiterin von Peckinpah bestehen, sind dabei eine gute Ergänzung. Hier wird noch einmal vor Augen geführt, wie verheerend die Dreharbeiten zum Teil verlaufen waren.
Es ist dabei erstaunlich, daß der Film trotz dieser Begleitumstände ein großartiges Werk geworden war. Hätte Peckinpah genug Zeit gehabt und dann auch mehr Sorgfalt bei den dramaturgischen Schwächen walten lassen (insbesondere bei der mißratenen Paco-Episode) wäre der Film wahrscheinlich sogar in den Olymp der großen Western-Klassiker aufgestiegen, und zwar in die Liga von DER SCHWARZE FALKE oder SPIEL MIR DAS LIED VOM TOD.
Insofern ist auch die vorliegende neu geschnittene Fassung nicht der endgültige Film - den wird es wohl nicht mehr geben.
Nur - und hier schließe ich mich der Kritik der Vorgänger an - hat der Verleih bei der Synchronisation wirklich Mist gebaut. Die 1988er-Version hat gar keine Synchronisation und die Synchronisation der neuen Version wiederum ist schlicht danebengeraten. Insbesondere die Szene, wo Kristopherson während seines Gefängnisausbruchs singt, hört sich in der deutschen Fassung furchtbar an. Und die neuen Szenen noch nicht einmal mit Untertiteln zu belegen, ist auch keine glückliche Leistung.
Ziemlich fahrlässig, das Ganze.
Als Manko ist übrigens auch zu werten, daß das Bild der 1988er-Version teilweise Brandlöcher und Kratzer enthält.
Außerdem wäre es der Vollständigkeit wegen auch sinnvoll gewesen, die Kinofassung mitzuveröffentlichen, da man dann letztendlich eine gute Vergleichsmöglichkeit mit allen bekannten Versionen gehabt hätte.
Im Ganzen ist einfach bedauerlich, daß einer der besten Peckinpah-Filme eine solch unglückliche Veröffentlichung hinsichtlich der Synchronisation erfahren mußte.
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
War diese Rezension für Sie hilfreich?