Kundenrezension

3 von 19 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Psychedelisch-abgedrehte Endzeitstimmung, 12. März 2010
Rezension bezieht sich auf: Axolotl Roadkill (Taschenbuch)
"Axolotl Roadkill" ist nicht vergleichbar mit einem klassischen Roman, denn er hat keine Handlung in dem Sinne. Eher ist er ein Patchwork aus Situationen, Dialogen, Mails oder SMS-Schnipseln. Dabei wechselt auch der Stil permanent, was bei mir persönlich so eine ganz spezielle Unruhe gestiftet hat. Platt-plumpe Teeniesprache (in der es klassischerweise oft um Musik geht) wird da blitzschnell abgelöst von durchaus als philosophisch betitelbaren Abschnitten.

Das ganze Buch mit Inhalt und Sprache hat diesen destruktiven und hoffnungslosen Beigeschmack, schwirrt permanent durch sämtliche Gefühlslagen, handelt ganz nebenbei erschreckende Szenen ab (wie den Tod ihrer Mutter) und Miftis Phantasmen gehen fließend in die Realität über. Es ist schwer zu beschreiben ohne es zu rezitieren.
Zeitweise hatte ich das Gefühl, die Autoren konnte die Texte nur im Stoned-Zustand niederschreiben - so wirr, abschreckend und trotzdem irgendwie faszinierend beschreibt sie Miftis Welt.

- Punktabzug gibts für die Lesegeschwindigkeit, mit der ich mich über die Seiten gerobbt habe. Es ist manchmal echt etwas anstrengend und gerade die einsilbigen Teenie-Sätze muss man Wort für Wort lesen, damit man den Inhalt mit nimmt.

Alles in allem Geschmackssache, ich fand es eigenwillig aber gut.

PS: Betrachten Sie "Axolotl Roadkill" bitte als Kunstwerk und nicht als Gegenstand auf dem Literaturmarkt, bei dem es um das Recht des Geldscheffelns geht. Ein Kunstwerk kann etwas Vorhandenes nehmen, verändern und zu etwas Neuem zusammen fügen. Dass rein rechtlich nicht so einfach verfahren werden kann, ist klar (darum wird sich auch gekümmert) aber die Quintessenz, das Buch nämlich, bleibt ein Kunstwerk und allein danach sollte es beurteilt werden.
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Kommentare


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1-9 von 9 Diskussionsbeiträgen
Ersteintrag: 12.03.2010 19:31:30 GMT+01:00
Es geht gerade darum, dass es eben kein Kunstwerk ist. Sondern ein "Gegenstand der Literatur", vielmehr ein Gegenstand des Literaturbetriebes! Ein gehyptes Buch, das mit einem Kunstwerk eben gar nichts zu tun hat, sondern mit der Verhaberung von Verlagen, Kritikern, Dramaturgen, Rezensienten .....

Veröffentlicht am 12.03.2010 23:10:43 GMT+01:00
Doc Petersen meint:
[Die meisten Kunden meinen, dass dieser Beitrag nicht zur Diskussion gehört. Beitrag dennoch anzeigen. Alle nicht nützlichen Einträge anzeigen.]

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 13.03.2010 16:53:17 GMT+01:00
Zuletzt vom Autor geändert am 13.03.2010 16:53:48 GMT+01:00
Cocody meint:
@ Doc Petersen: Na klar, wer nicht Ihrer Meinung ist, muss natürlich zu einer Verschwörung gehören ... Kann es vielleicht sein, dass sich in den Negativ-Bewertungen einfach die Ansichten derjenigen widerspiegeln, die das Buch gelesen haben? Im Übrigen verwechseln Sie da was ganz Gravierendes: Eine differenzierte Bewertung muss noch lange nicht dazu führen, dass man Axolotl Roadkill gut findet - eher könnte das Gegenteil der Fall sein. Ich persönlich kann jedenfalls sehr gut verstehen, dass oberlehrerhafte Sätze wie "Betrachten Sie Axolotl Roadkill bitte als Kunstwerk" wie in der obigen Rezension als wenig hilfreich betrachtet werden.

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 15.03.2010 10:31:05 GMT+01:00
Kater Schnurz meint:
Wenn Ihnen meine Rezension nicht gefällt, Cocody, dann ist das okay - ich hab Sie ja auch nicht nur für Sie geschrieben, sondern für interessierte Kunden, die einfach nur wissen wollen, worum es in dem Buch geht.

Meine Aufforderung, das Buch als Kunstwerk zu betrachten, sollte auch nicht oberlehrerhaft wirken. Falls das so rüber kommt, tut mir das leid. Ich möchte die Leute nur dazu auffordern, sich mit dem zu beschäftigen, was in dem Buch drin steht und nicht darum, was zur Zeit in der Presse darüber geschrieben wird. Wenn Frau Hegemann von Anfang an Airens Strobo als Quelle angegeben hätte, wäre dieser Trubel nie entstanden und das Buch wäre völlig in Ordnung gewesen. Nur da sie es nicht getan hat, entsteht dieser Rummel. Der Inhalt wäre jedoch in beiden Fällen derselbe gewesen oder sehen Sie das anders?

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 15.03.2010 19:48:14 GMT+01:00
Zuletzt vom Autor geändert am 15.03.2010 19:50:23 GMT+01:00
Cocody meint:
Hallo, Kater Schnurz,

tut mir leid, dass es hier zu einem Missverständnis kam. Ich habe nicht gesagt, dass mir Ihre Rezension nicht gefällt. Ich habe nur geschrieben, dass ich gut verstehen kann, wenn manche sie als "wenig hilfreich" betrachten. Nehmen Sie's nicht persönlich, mein Kommentar bezog sich ja nicht auf Ihre Rezension, sondern auf den Kommentar von Doc Petersen. Der hat mich wegen seiner abstrusen Verschwörungstheorie verärgert.

Ihre Renzension habe ich nicht einmal negativ bewertet, ich habe nur versucht zu argumentieren, warum andere sie als nicht hilfreich empfinden können. Sie haben zu Recht Ihre Meinung - die teile ich zwar nicht, ich finde es aber dennoch richtig, dass Sie sie kundgeben (wenn ich auch andererseits den bereits angesprochenen Satz unglücklich finde - aber ich kann damit gut leben).

Aber darauf möchte ich dann doch noch kurz eingehen: Wenn die Hegemann Ihr Buch beim Verlag abgeliefert hätte mit einer sechsseitigen Quellenangabe und dem Hinweis, da könnte sogar noch mehr von irgendwoher übernommen worden sein - glauben Sie denn im Ernst, der Verlag hätte das unter diesen Umständen veröffentlicht? Ich kann mir das nicht vorstellen, so dreist ist nicht einmal der Ullstein-Verlag. Und das hätte im Übrigen auch niemand lesen wollen. Warum sollte sich denn jemand für die Patchworkübungen eines Teenagers interessieren?

Wir werden uns da sicher nicht einig. Aber selbst wenn ich versuche, Axolotl Roadkill so zu nehmen wie es ist - es also als Kunstwerk zu betrachten, wie Sie fordern - und von der Plagiatsdebatte völlig abzusehen, ist es in meinen Augen immer noch kein gutes Buch. Es sagt mir nichts, es bringt mir nichts, es hat mich nicht unterhalten und mir keine neuen Erkenntnisse, Einblicke, Emotionen vermittelt, und wenn es nicht relativ kurz wäre, würde es jetzt viertelgelesen in meinem Bücherschrank in der Abteilung "kann meinetwegen verschimmeln" stehen. Wo es jetzt auch steht. Aber eben komplett gelesen.

Freundliche Grüße
Cocody

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 15.03.2010 22:26:15 GMT+01:00
Kater Schnurz meint:
Vielen Dank für die ehrliche und sachliche Meinung, Cocody. Was den Hegemann-Roman angeht, stimme ich Ihnen zu, da sind wir vermutlich einfach unterschiedlicher Auffassung. Belassen wir es dabei.

Nur was den "unglücklichen Satz" aus meiner Rezension angeht (wenn ich ihn mal so bezeichnen darf), da macht mich etwas stutzig: Dass meine Buchkritik als wenig hilfreich erachtet wird, liegt also wahrscheinlich an der altklugen Aufforderung im letzten Absatz, Axolotl als Kunstwerk zu betrachten. Das hieße ja, er wäre nützlicher, wenn ich besagte Passage entfernte.
Ohne diesen Satz wäre meine Rezension also wahrscheinlicher hilfreich?
Das wäre womöglich der erste Fall, bei dem eine Buchkritik mehr Aussagekraft erhält, indem man etwas aus ihr entfernt.

Verstehen Sie mich nicht falsch, aber in der Hinsicht kann ich Doc Petersons Einwand verstehen: Was genau bewerten die Nutzer genau, wenn sie eine Rezension beurteilen? Tatsächlichen Informationsgehalt oder nur die Kompatibilität mit der eigenen Meinung?
Eine ketzerische Theorie, ich weiß. Womöglich ist vielen Usern jetzt Unrecht getan - sie basiert ja auch darauf, dass sich alle Negativ-Bewerter nur an dem "unglücklichen Satz" stoßen wie oben von Ihnen vermutet.

Aber damit will ich eigentlich niemanden langweilen. Wer hier irgendwelche Beiträge bewertet, soll das gern tun - mir hätte nur ein Feedback ganz gut gefallen, was mir sagt, welche brauchbaren Informationen noch fehlen, damit man mit der Rezension etwas anfangen kann.

Viele Grüße auch von meiner Seite
Kater Schnurz

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 16.03.2010 13:38:05 GMT+01:00
Zuletzt vom Autor geändert am 16.03.2010 13:39:17 GMT+01:00
Cocody meint:
Hi, Kater,

ja, weniger kann manchmal mehr sein! Aber Spaß beiseite, warum Leser eine Rezension im Einzelnen hilfreich bewerten oder nicht, weiß ich auch nicht. Viele denken womöglich gar nicht so präzise darüber nach wie wir jetzt. Sicher haben Sie recht, es spielt gerade bei einem so polarisierenden Buch wie diesem eine Rolle, ob der Rezensent dieselbe Meinung vertritt. An organisierte Flashmobs glaube ich aber dennoch nicht.

Ich kann nur sagen, dass ich über den angesprochenen Satz gestolpert bin. Der dient bei Ihnen vor allem als Argument, warum Hegemann in diesem Fall abschreiben durfte. Aber warum ich Axolotl Roadkill jetzt eigentlich als Kunstwerk betrachten soll - diese Antwort bleiben Sie aus meiner Sicht schuldig. Das ist schade. Denn wenn Sie das Buch gut fanden und diese doch ganz schön weit gehende Forderung aufstellen (denn ist es nicht das Recht jeden Lesers, ein Buch so zu betrachten, wie es ihm beliebt? Das macht den Satz so "oberlehrerhaft"), müssten Sie eigentlich auch eine gute Begründung dafür liefern. Wenn die dann noch eine gewisse Überzeugungskraft hat, wird's wirklich interessant. Aber einfach die Position einzunehmen, ein Buch sei eben per se ein Kunstwerk - da haben Sie es sich ein bisschen sehr leicht gemacht, finde ich.

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 16.03.2010 15:30:52 GMT+01:00
Kater Schnurz meint:
Touché

Da haben Sie in der Tat Recht. Danke für den Hinweis.

Nur leid kann ich, befürchte ich, einfach keine Begründung liefern. Literatur ist nun einmal in meinen Augen - genau wie Musik, Bildhauerei etc. - eine Kunstform und darf schöpferisch tätig sein, egal, wo es überall seine Wurzel schlägt. Was zählt, ist das Endergebnis. Ganz sicher, ob wir die ersten Menschen auf dem Planeten sind, die diesen oder jenen Satz zum ersten Mal denken oder schreiben, können wir uns ja ohnehin nicht sein. Und wodurch wir zu unseren Sätzen und Gedanken inspiriert worden sind, können wir hinterher nicht einmal mehr mit Sicherheit sagen.

Sicher ist der Roman beides: Kunstwerk und auch Objekt auf dem Markt, der an einen Verlag, finanzielle Mittel und Gesetze gebunden ist... und vielleicht kann man ihn auch noch als etwas ganz anderes sehen. Mir gings nur darum, dass man an ihm (neben diesen ganzen nervenaufreibenden Debatten) auch mal die künstlerisch-schöpferische Seite betrachtet.
(damit will ich nicht sagen, dass Abschreiben und Nicht-angeben-der-Quellen in Ordnung ist)

Vielleicht geht das als Begründung oder wenigstens Rechtfertigung durch. Wenn nicht, dann kann ich eben keine liefern und es handelt sich schlicht um eine weitere Meinungsverschiedenheit. Damit kann ich auch leben.

Viele Grüße
Kater (klein Beigebender weil an die Wand Gespielter) Schnurz

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 16.03.2010 16:14:00 GMT+01:00
Deswegen sollten wir den Kunstbegriff in unserer Westlichen, allzu postmodernen Welt einmal gründlich überdenken und so modifizieren, das Machwerke wie Axolotl Roadkill danach nicht mehr von Hinz und Kunz als "Kunst" bezeichnet werden können.
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