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5.0 von 5 Sternen Liebeserklärung an die Saga, die Fans und den Macher, 19. September 2011
Von 
Rezension bezieht sich auf: Fanboys - Steelbook [Blu-ray] (Limited Steelbook Edition) (Blu-ray)
Alexandre O. Phillipes "The People vs. George Lucas", gebündelt mit Kyle Newmans "Fanboys" - Geniales Bündel - eine Liebeserklärung an die Saga, die Fans und den Macher

Ich möchte mich hier überwiegend auf die im Steelbook enthaltene Bonus Disc mit der Doku "The people vs. George Lucas" beziehen.

George Lucas hat mit "Krieg der Sterne" unbestritten etwas ganz außergewöhnliches geschaffen. Als Fan seit über dreißig Jahren verfalle auch ich gerne von Zeit zu Zeit dem "Merchandise-Rausch", kaufe Bücher, Comics und auch das ein oder andere Spielzeug, oder reise zu den Star Wars Drehorten. Dennoch stehe auch ich dem Phänomen Star Wars nicht unkritisch gegenüber, heiße nicht alles gut was den Stempel G.L. trägt und empfinde ambivalente Gefühle ob denn der hundertste Aufguß der Filme, das tausendste Comic zu Clone Wars und das millionste Spielzeug zur Saga noch meinen "Horizont" erweitert oder einfach nur produziert wird um den milliardsten Dollar in die Kassen von George Lucas zu spülen.

Natürlich ist es schwer, mir heute, nach über drei Jahrzehnten "das" wieder zu geben, was mir damals die Filme, die ich mit Kinderaugen im Kino sah, bedeuteten. Versuche ich also nur einfach mir einen Teil der Kindheit zu bewahren, oder falle ich auch nur auf den besten Merchandise-Trick hinein, den die Welt je gesehen hat?

Genau dieses Thema schien auch die Macher von 'The People vs. George Lucas' zu beschäftigen.

Ersteinmal ist zu sagen, das die Liebe zu Star Wars, die Liebe zum Detail, bereits im Intro der BluRay Disc, vor dem Beginn der eigentlichen Dokumentation, zu erkennen ist. Zum Lied 'Dear George Lucas' wird ein derart liebevolles Video, zusammengestellt aus dutzenden Fan-Film Kreationen, präsentiert, das allein für sich schon sehenswert ist.

In der Dokumentation selbst kommen zahlreiche Fans, immer wieder in unterhaltsamer Form unterbrochen oder unterstützt von Ausschnitten aus Fan-Filmen zum Thema, aber hier und da auch einmal Größen wie z.B. der Produzent der ersten beiden Star Wars Filme, Gary Kurtz zu Wort, die Ihre Hassliebe zum Phänomen Star Wars und George Lucas beschreiben.

Wie ein roter Faden zieht sich die Genese der gesamten Star Wars Saga durch die Dokumentation. Angefangen mit den alten, klassischen Filmen, die den Fans der 'ersten Stunde', wie sie sich heute nennen, das gaben, was sie in ihren kühnsten Träumen noch nie zu Träumen gewagt hatten und bis dato, in den ausgehenden 1970er Jahren, auch noch nie, auch nicht in annähernd ähnlicher Form, auf der großen Leinwand gesehen hatten. Spätestens mit 'Die Rückkehr der Jedi Ritter' machten sich jedoch erste Kritiken breit, dass die Trilogie nun als abgeschlossen, als zumindest vorerst beendet gelten sollte. Das Phänomen sollte jedoch selbst nicht durch das Ausbleiben neuer Filme, schließlich sogar dem Fehlen neuen Spielzeugs, Comics, Büchern usw. in den Köpfen aussterben. Die Fans produzierten eigene Fanfilme, Geschichten und selbstgemachte Comics, bis dann in den angehenden 1990er Jahren der Star Wars Funke wieder aufloderte. Mit der Wiederveröffentlichung der alten (nun teilweise abgeänderten) drei Filme und der neuen Trilogie, den sogenannten Prequels, also Filmen die vor dem bisher Gesehenen spielen sollten, begann dann aber auch der augenscheinliche Sündenfall des Schöpfers von Star Wars. Wie sollte es George Lucas aber auch allen recht machen? Wie sollte er neue Fan-Generationen begeistern und gleichzeitig die alten Fans, die bereits die gesamte Saga im 'Kopfkino' über zwanzig Jahre lang unzählige Male gesehen hatten, und nun auf eine 1zu1 Umsetzung der ganz persönlichen, individuellen Version im Kino hofften, zufrieden stellen? Jar Jar Binks und die zahlreichen digitalen Änderungen an den alten, klassischen Filmen sind nur zwei Punkte, die die Fan-Schar polarisiert, hin und hergerissen zwischen Verehrung von G.L. und Enttäuschung, dass einem das, was man 30 Jahre zuvor als Jugendlicher in einer 'weit, weit entfernten Galaxie' erlebt hatte, als Erwachsenem nicht wiedergegeben werden konnte.

Eine der Kernfragen von 'The people vs. George Lucas' ist, ob George Lucas das Recht hat, mit seiner 'Erfindung' Star Wars zu spielen, das Recht hat, sie zu verändern, auch wenn zahlreiche Fans 'laut aufschreien und plötzlich verstummen', oder ob er die Pflicht hat, lediglich die Originale, so wie sie den ersten Zuschauern damals präsentiert worden waren, zu veröffentlichen. Der beliebteste Vergleich wäre hierzu: 'Was wenn Leonardo Da Vinci nach Jahren an die Mona Lisa erneut herangegangen wäre....'

Die Dokumentation schafft es clever an dieses Thema heranzugehen, ohne all zu kritisch mit Lucas, oder auch den Fans, die sich teilweise recht ordentlich und unterhaltsam echauffieren, ins Gefecht zu gehen. Alexandre O. Phillipe (Buch und Regie) schafft es Emotionen aufzubauen, ohne zu sehr auf den klassischen Stereotypen von Star Wars Fans, die zu Star Wars Hassern wurden, herumzureiten.

Als gegen Ende des 93 minütigen Filmes dann doch, letztendlich recht heftig auf den Erschaffer von 'Krieg der Sterne' (verbal) eingeprügelt wird (George Lucas raped our childhood), schafft aber auch hier die Dokumentation elegant die Kurve, in der doch noch kurz vor Schluss, typisch amerikanisch, aber emotional genial, einige Liebeserklärungen an die Saga und George Lucas abgegeben werden.

Kurzum, eine wirklich gelungene, teilweise urkomische, dennoch (für Fans) durchaus ernste Dokumentation, der es gelingt verschiedene Ansichten von Anhängern des 'Krieg der Sterne' darzustellen. Es werden nicht nur die typischen Stereotype bedient und die Fans nicht als sogenannte 'Geeks' entlarvt. Auch wird die Person George Lucas kontrovers, aber nicht einmal mehr nur schwarz-weiß als Über-Schöpfer der genial(st)en Science Fiction Serie oder böser 'Killer' von millionenfachen Kindheitsträumen durch den Release der 'Special Editions' behandelt.

Für mich eine Liebeserklärung an das gesamte Phänomen, die Fans und den Macher.

Erwähnenswert ist noch die gute Qualität des Bildmaterials auf den BluRay Discs, das mich vollkommen überzeugt hat. Die Interviews scheinen komplett in Full HD gedreht und die vielen Fan-Film-Schnipsel, die ja teilweise nur in grottenschlechter Qualität existieren, wurden sehr geschickt eingeflochten und stören das Gesamtbild der Produktion in keinster Weise, sondern erzeugen eher ein Retro-Feeling wo es erwünscht ist.

Zu der gelungenen Produktion 'Fanboys' von Kyle Newman, die ebenfalls in genialem 1080 Full HD in der Steelbook-Edition enthalten ist (eigentlich ist es ja andersherum, und 'People vs. George Lucas' ist mit Fanboys gebündelt) brauche ich ja kaum etwas zu sagen, außer, dass sie meinen Geschmack voll getroffen hat.

Fazit:
Ein Set, das übrigens bei beiden Produktionen mit reichlich zusätzlichem Material ausgestattet ist, um das Fans (und auch welche die keine mehr sind) eigentlich nicht herumkommen. Ein geniales Bündel, in jeder Beziehung.
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