Kundenrezension

5.0 von 5 Sternen We don't own anything - we rent!, 20. September 2013
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Rezension bezieht sich auf: Rent (Collector's Edition, 2 DVDs, OmU) (DVD)
Die Miete, die das Leben und die Welt bedeutet.

La Bohème anno 1989, East Village New York, voller Farben, Leere, Trauer, Witz, Hoffnung, Verzweiflung, Furcht, Gesellschaftskritik, Tragik und Lebensfreude! Ein Portrait des Lebens von sieben hungrigen, erfolg- und orientierungslosen Künstlern, das ebenso unsicher ist wie die jährliche Miete (Rent)!

Fälschlicherweise oft auf seine Aidsthematik beschränkt, behandelt Rent zahlreiche Probleme, die unsere Zeit ausmachen; „living and dying in America at the end oft he Millenium“; Isolation und Einsamkeit, Liebe und Verlust, Zukunftsangst, Armut, Revolte, Drogenkonsum, Inspirationslosigkeit, Individualität, Sexualität, Bedeutungslosigkeit, Desintegration, die Miete, die das Leben ist… und die alle durch Freundschaft, Liebe und Respekt, wenn nicht gelöst, zumindest gelindert werden können.

Vor allem geht es um den Konflikt zwischen Angst und Liebe; die Frage, ob man lieben sollte, wenn man ohnehin verlieren wird – so wie die beiden unproduktiven Künstler und Wohnungsgenossen Marc und Roger, von denen erster von seiner flatterhaften Freundin Maureen und bald auch von seinen todkranken Freunden verlassen, einer Zukunft in Einsamkeit entgegen sieht; und zweiter nach seiner Vergangenheit als Junkie, der Infektion mit HIV und dem darauffolgendem Freitod seiner Freundin April, völlig vom Leben und allem was es ausmacht isoliert, in eine Mansarde zurückgezogen auf den erlösenden Tod wartet. Ihre Leben ändern sich schließlich am Weihnachtstag 1989, als der befreundete Philosophieprofessor Collins, sowie der schillernde Angel, ein transsexueller Street Drummer, und die Bartänzerin Mimi dazukommen. Mit ihnen, Maureen und ihrer Lebensgefährtin Joanne bilden sie bald eine Gruppe, in der sie Freundschaft, Respekt und Vertrauen finden, und das in einer Zeit der Isolierung, in der man niemandem trauen zu können scheint, nicht einmal dem eigenen Immunsystem. Gemeinsam erleben sie ein Jahr, in dem Trauer und Glück, Leben und Tod, Liebe und Verlust Hand in Hand gehen, denn die harmonische Gemeinschaft wird stets bedroht von Angst, Misstrauen, Eifersucht, Schmerz, Drogen und Krankheit, denn vier der sieben Charaktere leiden an AIDS und leben jeden Tag wie ihren letzten.

Trotz seiner ernsten Thematik, überwiegen in dem Musical schließlich die Hoffnung und Lebensfreude, oder eher ein gewisser Trotz gegenüber dem Schicksal, was das Ende entschuldigt, das ich zunächst ziemlich gemischte Gefühlen in mir hevrorrief, und das als eine der größten Abweichungen von der Grundlage „La Bohème“ zu vermerken ist. Jedoch, wie hätte man die lebensbejahende Aussage, die anstelle der hilflosen Schicksalsergebenheit getreten ist, unterstreichen können, hätte das Musical ebenfalls mit dem Schrei nach der toten Mimi geendet?

Die Aufmachung des Films, die Orte, die Kostüme, unterstützen die zwiespältige, emotionale Färbung; das East Village von New York ist grau und unfreundlich, zugleich aber auch bunt und schillernd, ebenso die durch die Miete bedrohte Wohnung, die zwar ein wenig karg und düster ist, doch zugleich unverkennbar die traute Behaglichkeit eines Zuhauses ausstrahlt.
Mit diesem Film liegt – ausnahmsweise – eine Musicalverfilmung vor, bei der nicht aus Vermarktungsgründen irgendwelchen Sternchen schnell ein paar Noten beigebracht, sondern die Rollen in den meisten Fällen an die Sänger der Originalbühnenbesetzung vergeben wurden, was positiv gegenüber Filmen wie „The Phantom oft he Opera“ oder „Les Miserables“ hervorsticht. Endlich kann man ein Musical auf der Mattscheibe genießen ohne sich über die Besetzung ereifern zu müssen und sich stattdessen von den wunderbaren Liedern berauschen lassen.

Ein Wertmutstropfen bleibt jedoch die Wahl der Szenen, die der Länge der Films zu Opfer gefallen herausgeschnitten wurden; „Halloween“ und allen voran natürlich „Goodbye Love“, eine der Schlüsselszenen des ganzes Stücks, die man sich auf keinen Fall entgehen lassen sollte!

Dennoch ist Rent ein sehr gelungener, farbenfroher Musicalfilm, der sowohl im komischen als auch im tragischen seinen Zuschauer bestens unterhält, und der nicht mehr loslässt. Er gibt einfühlsam das ebenso tragische wie magische Leben einer Gruppe ebenso schillernder wie liebenswerter Charaktere wieder, die mit den Problemen ihrer Zeit kämpfen müssen, herbe Verluste erleiden und sich dennoch nicht unterkriegen lassen. Die Geschichte lehrt die Wichtigkeit Angst zu besiegen und ein gefährdetes Leben oder Glück nur umso intensiver ausleben - „at least I have tangoed at all!“
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