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39 von 39 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Grundriss einer neue Wirtschaftsordnung, 13. August 2012
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Rezension bezieht sich auf: Die Gemeinwohl-Ökonomie: Aktualisierte und erweiterte Neuausgabe (Broschiert)
Felbers Buch enthält den gegenwärtig vielleicht elaboriertesten Versuch, eine alternative Wirtschaftsordnung innerhalb einer freiheitlich, demokratischen, marktwirtschaftlich orientierten Gesellschaft zu entwerfen.

Große Unternehmen und Banken werden vergemeinschaftet (nicht verstaatlicht), d.h. Belegschaft und Gesellschaft werden unabhängig von der Eigentumsfrage an Unternehmensentscheidungen beteiligt. Regionale Wirtschaftskonvente besprechen Strategien und Konzepte, die alle Belange betroffener Menschen berücksichtigen. Kleine und Mittelständische Unternehmen bleiben in Privatbesitz bzw. selbstbestimmt.

Einkommensscheren, Erbschaften und Vermögen werden gedeckelt (Vorschläge des Autors: Einkommen bis zum 10fachen des Mindestlohns, Privatvermögen 10 Mio., Erbschaften 500.000). Das Wettbewerbsprinzip wird durch das Kooperationsprinzip ersetzt. Statt zu konkurrieren soll es zu einem Austausch von Know How, Technologie, gegenseitiger finanzieller Unterstützung usw. kommen. Das Prinzip Gewinnmaximierung wird durch das Prinzip Gemeinwohlorientierung ersetzt - gute Arbeitsbedingungen, ökologisches Wirtschaften, Beteiligungs- und Lohngerechtigkeit. Alles zusammen ergibt die Gemeinwohlbilanz.

Jedes zehnte Jahr ist arbeitsfrei. Die Arbeitszeit wird auf 30-33 Wochenstunden begrenzt. Wer nicht arbeiten will, wird trotzdem finanziell gestützt. Das Bildungssystem fokussiert besonders eine gute Persönlichkeitsentwicklung der Kinder bzw. Heranwachsenden ebenso wie Wissensvermittlung.

Auf den ersten Blick sieht das alles linker als links aus. Bei genauerem Hinsehen unterscheidet sich das Konzept jedoch in wesentlichen Positionen von den klassisch linken. Zum Einen hebt man sich sehr wohltuend vom Klassenkampfjargon ab. Bei Felber hat man den Eindruck, dass er nicht erzwingen, sondern begeistern, gewinnen und einbinden möchte. Obwohl Felberts Ansatz von Grund auf ethisch-moralisch ist, schwingt er nicht die Moralkeule.

Des Weiteren findet man bei ihm keine Staatsgläubigkeit, und schon gar keinen EU- oder gar Globalzentralismus. Sein Konzept ist Bottom up, basisdemokratisch. Auch bei der Durchsetzung denkt er nicht an Zwangsmaßnahmen von oben, sondern setzt auf Transparenz und Abstimmung durch den Käufer bzw. Konsumenten. Flankiert freilich durch ein steuerliches Anreizsystem, dass positive Gemeinwohlbilanzen eines Unternehmens belohnt und negative bestraft". Es ist auch durchdachter als linke Konzepte, weil es über bloße materielle Aspekte und Gerechtigkeitskriterien weit hinausgeht und v.a. das gesellschaftliche Miteinander in den Blick nimmt.

Auf die oft gestellte Frage, ob das vorgestellte Wirtschaftsmodell nicht zu Wachstumseinbußen und somit Verlust von Lebensqualität führt antwortet Felber:

Wenn die Flüsse, Seen, Felder wieder Erholungswert bieten; wenn die Wohnungen und Häuser infolge guter Dämmung , natürlicher Materialien und intelligenter Bauweise kein Öl und Gas benötigen (und die reichen Länder keine Ressourcenkriege führen); wenn die Möbel nach Naturholz duften und Augen und bloßen Füßen schmeicheln; wenn die Lebensmittel nähren und mit Energie erfüllen; wenn alle wichtigen Tagesziele zu Fuß oder mit komfortablem öffentlichem Verkehr erreichbar sind; wenn das Arbeitsklima stressfrei, entspannt und und wertschätzend ist; wenn die Armut und das Betteln von den Straßen und öffentlichen Plätzen verschwindet; wenn alle im gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Leben mit gleichen Chancen und Rechten integriert sind; und wenn alle wissen, dass ihr Lebensstil Menschen in anderen Ländern der Erde und zukünftigen Generationen keine Existenz- und Entwicklungschancen raubt, dann lebt es sich schlicht und ergreifend besser."

Ist das Konzept sozialromantisch? Ein wenig ganz sicher! Den Leistungs- und Konkurrenzdruck aus einem Unternehmen heraus zu nehmen bedeutet noch längst nicht, dass die Arbeitsatmosphäre besser wäre. Und auch wenn der Autor mit der Vielzahl von wissenschaftlichen Untersuchungen argumentiert, die belegen, das Kreativität und Leistungsfähigkeit in einem kooperativen Klima besser ist als unter Konkurrenzdruck - die Erfahrung aus sozialistischen Betrieben, im Beamtenapparat, im sozialhelferischen Berufsfeld usw. zeigen, dass zwischen Lebensrealität und dem Versuchsaufbau" sozialwissenschaftlicher Experimente doch eine nicht unerhebliche Kluft besteht. Auch bedeutet mehr Einkommen nicht automatisch mehr Lebensglück. Etc. Etc.

Und dennoch - Felbers Entwurf hat Charme, ist ein wirklich bedeutsamer Beitrag zum gegenwärtigen Diskurs um das Themenfeld Wirtschafts- und Finanzordnung" und stellt eine gute Ausgangsbasis für weitere Überlegungen dar.
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1-2 von 2 Diskussionsbeiträgen
Ersteintrag: 26.02.2013 13:49:36 GMT+01:00
Petra Lindner meint:
Spielgeld - ein neues Wirtschaftssystem: Verstehen ist Wissen - das ermöglicht Veränderungen
Dieser Autor schreibt ähnlich. Der Unterschied ist im Wesentlichen, dass mit Transparenz - Offenlegung aller Konten - gearbeitet wird und somit Ehrlichkeit erreicht werden kann. Auch nennt dieser Autor explizit Kooperation als neue wichtige Umgangsform der Menschen untereinander...

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 30.09.2013 09:22:42 GMT+02:00
Zuletzt vom Autor geändert am 02.10.2013 17:06:53 GMT+02:00
Groobyan meint:
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