Kundenrezension

21 von 29 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Pulverisierung einer zwielichtigen Schauspiellegende, 28. Januar 2013
Rezension bezieht sich auf: Kindermund (Gebundene Ausgabe)
Bislang hatte ich - wie wohl die Mehrzahl der Menschen - Klaus Kinski als diabolisch blickenden Wüterich in Erinnerung, der sich über selbstverständliche Grenzen stets hinwegzusetzen pflegte; ein unberechenbarer, stets hochaggressiver Charakter. Allzugerne ist man bei einem solchen Typus geneigt, derlei Attitüden etwas leichtfertig seinem "Genie" zuzuschreiben und somit ein Stück weit zu entschuldigen, zu mildern. Ein "großer Künstler" eben - das so häufig verwendete Etikett, um Allüren selbst jener Ausprägung erklären zu können, erklären zu wollen.

Auf diese Weise konnte man, sofern diesem Mann gegenüber wohlwollend eingestellt, all die explosiven Ausbrüche, die er keineswegs nur in den Medien zelebrierte, entschuldigen. Dass es aber nichts zu entschuldigen gibt, weil er sich über weitaus(!) mehr Grenzen als jene des Anstands, des guten Geschmacks hinwegsetzte, dass er neben dem polternd-brüllenden Wüterich ein seelenmordendes Monster war, das nicht einmal vor der eigenen Tochter haltmachte, offenbart dieses Buch von Pola Kinski.

Absolut glaubwürdig und auf erstaunlich hohem literarischen Niveau berichtet seine Tochter in dem vorliegenden Band Entsetzliches, Unfassbares, das das ohnehin recht bemühte "Ist halt ein Künstler"-Geschwafel jäh und nachhaltig und erdrutschartig zerstört. Seite für Seite zieht Frau Kinski das legendenverklärende (und das wahre Ich verbergende) Laken zur Seite, um die unvorstellbare Wahrheit zu entblößen, ihren Vater als das zu präsentieren, was er wirklich war: Ein monströses Gebilde aus Selbstverliebtheit, aus Selbsthass, aus übersteigerter Egozentrik, vor allem jedoch ein Individuum bar JEGLICHER moralischer Schranken, die den meisten von uns wie selbstverständlich innewohnen.

Nun könnte man seiner Tochter unterstellen, lediglich aus Publicitygründen einen Skandal herbeigeschrieben zu haben, um endlich einmal aus dem Schatten des berühmten Erzeugers heraustreten zu können. Diese Rechnung jedoch kann nicht aufgehen. Niemals zuvor hat sie in welcher Hinsicht auch immer die Öffentlichkeit gesucht, hat sie ihren Namen vermarktet, sondern stets im nahezu Verborgenen agiert. Hinzu kommt, dass Mutter wie auch Schwester sich bereits eindeutig zur Sache äußerten, so dass an der Authentizität ihrer Schilderung kein wirklicher Zweifel bestehen kann.

Dieses Buch ist spannend, aufschlussreich, tragisch, traurig und verstörend infolge der Abgründe, in die man unweigerlich hineingezogen wird. Gewinner gibt es nicht. Der Täter ist tot, das Opfer zeitlebens traumatisiert. Bleibt zu hoffen, dass Frau Kinski diese späte Enthüllung dabei hilft, all das Entsetzliche doch noch ein Stück verarbeiten zu können.

Ich kenne die Dame nicht, wünsche es ihr jedoch stellvertretend für das weltweite Millionenheer aller Kinder, die sexuellen Missbrauch erleiden mussten und diesen auch als Erwachsene niemals ablegen können, sehr!
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Rezensentin / Rezensent

Ulrich Groh
(TOP 500 REZENSENT)    (REAL NAME)   

Ort: Mittelhessen

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