Kundenrezension

15 von 16 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Zeitgenössisch ja, authentisch meistens nein., 4. Juni 2012
Rezension bezieht sich auf: Heute hier, morgen dort - Salut an Hannes Wader (Audio CD)
Ich war sehr gespannt, als diese Platte angekündigt wurde. Hatte ich doch bisher ein Problem mit deutschsprachiger Popmusik im weitesten Sinne (mit wenigen Ausnahmen, zu denen Wader gehört). Ich pflegte das bisher auf die Texte zurückzuführen, die bei Wader oft einfach überragend sind. Deshalb freute ich mich besonders, diese Lieder mal von ein paar anderen Stimmen gesungen zu hören. Die Samples hier klangen sehr vielversprechend, und während andere Wader-Fans bereits enttäuschte Schnuten zogen, hielt ich mich für besonders aufgeschlossen und tolerant.

Nun habe ich das Werk in ganzer Länge hierliegen. Viele Stücke wurden sehr hübsch zeitgemäß nacharrangiert und sauber gespielt. Die Arrangements klingen in den meisten Fällen richtig geil. Die Songauswahl ist mit vielen relativ unbekannten Nummern sehr persönlich und scheint dem Geschmack der Interpreten zu folgen. Bei einigen Aufnahmen kann man auch mit Recht von einem Cover sprechen:

Johannes Strate macht aus "Unterwegs nach Süden" eine Hymne mit Orgel, Bläsern und schwerem Balladenschlagzeug, die sehr vielversprechend anfängt und in seltsamem Lässigkeitskitsch endet. Pohlmann holt aus "Charley" den Lindenberg raus, das heißt macht einen Blues daraus und verwirft die Originalmelodie. "Kokain" wird von Apfel S. völlig aufgelöst, ist musikalisch gar nicht wiederzuerkennen und und siedelt sich irgendwo als Hintergrundgeblubber zu einem elektronischen Track an. Slime verpunken das vielleicht bekannteste Lied Waders "Heute hier, morgen dort" sehr überzeugend.

Die anderen Interpreten setzen auf den Wiedererkennungswert der bekannten Melodien und Arrangements. Sehr schön gelingen dabei Alin Coens "Abschied" und Bosses vom Kitschanflug des Wader-Originals befreite Version von "Die Möwe". Dota und die Stadtpiraten interpretieren mit bewußtem Abstand das entzückende Liebeslied "Im Garten". Anna Deppenbusch ändert in "Nach Hamburg" die Namen der Protagonisten, um am Ende nicht mit einer Frau rumknutschen zu müssen, läßt aber Sonja Ziemann und Rudolf Prack unkommentiert stehen wie zwei Geister aus einer anderen Zeit.

Die meisten Interpretationen scheitern an den Sängern und Sängerinnen, die es einfach nicht hinbekommen, authentisch rüberzukommen. Davon, daß viele nicht nur intonationsunsicher, sondern auch noch verhalten singen und ihre Stimmen kaum unterscheidbar sind, mal abgesehen. Das ist genau die Art Gesang, wegen derer ich deutsche Popmusik eigentlich nicht ausstehen kann. Man muß einen Pohlmann scheitern hören, um zu begreifen, wie gekonnt Wader seine verschachtelten Sätze phrasiert. Die Leute singen in sich rein, als ob ihr Gesang nichts mit dem Text zu tun hätte. Da ich, zumal bei Wader-Liedern, sehr gesangsfixiert bin, wertet das für mich die gesamte Platte enorm ab.

Am negativsten fällt Max Prosa auf, der das "Lied vom kleinen Mädchen" orgiginalgetreu nachzuspielen scheint und dabei sowohl an der Gitarre als auch im Gesang alles verhuscht, als hätte man ihn dazu gezwungen, dieses Lied aufzunehmen.

Wirklich Spaß macht nur Slimes Punkversion von "Heute hier, morgen dort". Den Leuten glaube ich, was sie singen. Auch Alin Coen klingt überzeugend, auch wenn sie sonst zur Überzuckerung tendiert. Bosses "Möwe" ist gut zu hören, Dota auch noch. Alles Andere ist für mich nahezu unerträglich.
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Von 1 Kunden verfolgt

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1-4 von 4 Diskussionsbeiträgen
Ersteintrag: 27.12.2013 21:19:29 GMT+01:00
Hubert412 meint:
Extrem fundiert und cool gerschrieben! Danke! "Man muß erst POHLMANN scheitern hören, um zu verstehen..." So herrlich! Große deutsche Schreibkunst!

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 27.12.2013 22:19:45 GMT+01:00
Knorpel Weise meint:
Herzlichen Dank für Ihr Lob! Der Schreiberling hat den Beifall ebenso nötig wie der Musiker auf der Bühne. :)

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 28.12.2013 13:25:56 GMT+01:00
Zuletzt vom Autor geändert am 28.12.2013 13:27:35 GMT+01:00
Hubert412 meint:
Gern geschehen! Hast du verdient! Möchte den Hintergrund erklären, warum ich auf diese Rezi gestoßen bin.
Es kommt heute soviel Musik raus, man kann davon nur einen kleinsten Bruchteil erfassen. Aus beruflichen
Gründen suche ich aber immer mal nach hübschen Harmonien, griffigen Texten. Gesucht wird nach dem besonderen
Zauber, der damals von Virginia Jetzt! ausging...ihrem letzten Album "Blühende Landschaften"!

Da gibt es bei mir im Ort einen Elektromarkt mit dem obligatorischen Wühltisch, die CDs in ihm wurden, weil
der Korb immer voller wurde, umgepreist auf geringere Beträge, später ergänzt um ein Schild, auf dem stand
"3 Teile für 9 Euro". Das mag man als hoffnungslose Verramschung von Kunst & Musik kritisieren, für Leute
wie mich mit schmalem Geldbeutel aber eine Chance relativ viel neue Musik zu entdecken, zu probieren. Greift
man daneben, gibt es die praktische "Verkaufen"-Möglichkeit hier.

So wurde ich auf Max Prosa aufmerksam, landete dann auf deiner Rezi!
Ich kann von Max Prosa kein komplettes Album durchstehen, finde aber 2 Titel ziemliche Weltklasse! (das Debütalbum ist gemeint)
Gefunden wurde so auch Nils Frevert (Zettel auf dem Boden), der sehr schöne Musik "über die Schwere Leichtigkeit des Seins"
macht, welche man aber nicht mit Depressionen hören darf, sonst macht sich eine seltsame Sehnsucht nach dem Tode breit *g*
Frevert machte als Jungspund 4 Alben mit "Nationalgallerie", welche jetzt als komplette Werkschau mit DVD sogar im JAN 14
erscheinen wird.
Ferner wurde gefunden Rockhaus (Treibstoff) = gut
Flo Mega = naja, bleibt nicht so hängen
Pe Schorowsky = Onkelz halt, solide aber nicht mein Ding
Wingenfelder & Wingenfelder = ok
und eben auch POHLMANN = höre ich gerade, klingt ganz nett
Musik so zu entdecken...kann schon spannend sein.

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 28.12.2013 16:07:33 GMT+01:00
Knorpel Weise meint:
Liest sich auch interessant! :) Ich habe Prosa 2011 auf dem Degenhardt-Tribute live gesehen und fand ihn da schon nicht sehr überzeugend. Sein Debut ist auch mehrmals durch meine Ohren gegangen, aber allein "Radio Resistance" im Gehörgang haften geblieben. Mit seinem zweiten Album kann ich gar nichts anfangen. Wenn ich neue Musik kennenlernen will, bitte ich immer Freunde, mir CDs mitzubringen, von denen sie meinen, daß sie mir auf keinen Fall gefallen werden. :)
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