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25 von 40 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen urmeter des modernen schreibens und denkens, 12. September 2002
Rezension bezieht sich auf: Minima Moralia: Reflexionen aus dem beschädigten Leben. Sonderausgabe (Broschiert)
adorno, zunächst behütet aufgewachsen, lernte das grauen erst ausserhalb des heimischen, friedlichen, musikerfüllten wohnzimmers kennen: zunächst in der schule, gehetzt und geprügelt als klassenprimus, sodann als jude - in den zeiten des auschwitz-erfindenden deutschlands. was ihm als verachtung durch die horde der mittelmäßigen als gymnasialschüler schon zu nahe gegangen war, erreichte durch die ideologischen konstruktionen des nationalsozialismus fast unerahnbare ausmaße - und doch meinte adorno, dies habe ihn schon nicht mehr überrascht, nach allem, was er als milieu-sturz in jugendjahren in den lehranstalten verdauen mußte. das ende seines lebens ähnelte traurigerweise dem beginn und der mitte seines horden-flüchtigen strampelns: die zur brüllenden masse sich kumulierende 68'er studentenschaft verstieß erneut gegen adornos stilempfinden, - und obwohl schon längst im sarg, wird ihm aus dieser richtung, welche elitäres verhalten niemals akzeptieren wollte, verachtung nachgeworfen - indem man in ihm nicht den denker zu erkennen behauptet, der wahrlich nutzbringendes zu tage gefördert habe. er hat. nicht nur stilistisch mit seinen "minima moralia". nicht nur mit dem denkerischen und schriftstellerischen imperativ, dass nur mehr essayistisch nach stichworten zu arbeiten sei, da die großen mega-philosophien ja doch immer wieder zusammenbrächen oder durch den arbeitsprozess der dialektik lautlos versickerten; sondern drittens mit der heutzutage immer deutlicher in ihrem gewicht werdenden einsicht, dass systemhöriges denken, egal innerhalb welcher nationen durchgepaukt, fast zwangsläufig zu katastrophen führen muß. es ist ein etwas verwirrender aber einprägsamer zufall, dass der adorno-geburtstag, der 11. september, als "9-11" nun hinterrücks zum mahnmal dafür geworden ist, dass ideologische aufgehetztheit nur eine schreckliche kette von eskalationen nach sich zieht. die bescheidenheit adornoschen denkens, die einzig sprachlich in kleinen kunstvollen schritten zu überzeugen suchte - sie wäre in einer welt der immer grober werdenden gewaltausübungen eine trostreiche besinnungshilfe - und das kleine büchlein eine wundervoll niveauvolle brücke dahin ...
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1-1 von 1 Diskussionsbeiträgen
Ersteintrag: 20.10.2009 22:16:40 GMT+02:00
Condottiere meint:
Naja. "Jude" war Adorno höchstens nach nationalsozialistischer Definition. Seine Mutter war eine italienische Opernsängerin, und Adorno war katholisch getauft und erzogen worden. Heute hat man sich die Dinge so zurechtgelegt, daß Adorno der Denker gewesen sei, Horkheimer dagegen der Wissenschafts-Manager, dessen Aufgabe in erster Linie darin bestanden habe, dem jüngeren, leicht weltfremden Genie Adorno den Rücken freizuhalten. Ein Blick in die Schriften Horkheimers reicht aus, um diesen Eindruck zu widerlegen. Horkheimer war nicht nur der klarere Kopf, sondern auch der bessere Schriftsteller.
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