Kundenrezension

5 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen "Must-read" - polemisches Atheistisches Manifest mit Witz, 3. August 2009
Rezension bezieht sich auf: The God Delusion (Taschenbuch)
Ein umstrittenes Buch (die Diskussion hier ist ein deutliches Zeichen) - doch vor allem ein rational-wissenschaftliches Buch mit Zorn im Leib.

Richard Dawkins ist Evolutionsbiologe und Religionskritiker in Oxford. Dieses Buch schrieb er auch vor dem Hintergrund der sich immer aggressiver gebärdenden "christlichen" Rechten in den USA des George W. Bush: staatliche Gelder werden abgezockt, Wissenschaft behindert, Ärzte erschossen ...

Ja, auch Dawkins hat etwas, wofür er streitet: Vernunft, Rationalismus, Wissenschaft. Das schließt für ihn ein, Religion als negativ zu betrachten, auf jeden Fall, wenn sie intolerant ist, den Diskurs verweigert und einen allmächtigen Gott predigt. Diese christlich-monotheistische Auffassung von Gott setzt er voraus, legt dies aber zuvor offen im Buch dar.

Dawkins sähe eine Erklärung à la "Gottes Wirken" als bequeme Ausrede für mangelnde Forschung. Wenn Wissenschaft es nun einmal einfacher erklären kann, dann ist sie doch vorzuziehen (er zitiert ihn nicht, doch das ist Ockhams "Rasiermesser"). Gottes Existenz ist nur äußerst unwahrscheinlich und natürlich nicht zu beweisen, aber sollte auch nicht mehr angenommen werden (steht so drin im Buch).

Der Inhalt ist bereits zusammengefasst worden. Richard Dawkins' Stil kann in seiner Bissigkeit und Schärfe mit seinem Freund selig, Douglas Adams, weitgehend mithalten. Es ist mit englischem "wit" und hoher Intelligenz geschrieben. Dies heißt allerdings auch, dass auf Empfindlichkeiten keine sonderliche Rücksicht genommen wird.

Einfühlungsvermögen und Gefühl sind Dawkins' Stärke nicht - darum kann das Buch wohl auch keine große missionarische Wirkung entfalten, höchstens Atheisten den Rücken stärken. Das dürfte in den USA eher nötig sein: einen Atheisten will laut Umfragen dort quasi niemand im Weißen Haus. Auch Obama wurde bei seinem Eintritt in die Politik plötzlich zum Kirchgänger.

Hier in Europa herrscht eher eine Art Schwundstufenreligion vor - Dawkins zählt dagegen gnadenlos auf, was Christentum und die beiden anderen Mittelmeermonotheismen eigentlich an skurril anmutenden Glaubenssätzen haben. Sie wurden zwar in den Hintergrund gedrückt, doch würden eigentlich dazu gehören (Jungfrauengeburt etc.). Ja, sie können sogar in unserer Zeit zur Rechtfertigung von Unmenschlichkeit dienen:
Ein mich erschreckendes Beispiel war eine Studie mit über 1000 israelischen Kindern (S. 289-292): Joshuas Dahinmetzeln der Jerichoer samt Vieh wurde von zwei Dritteln ausdrücklich gutgeheißen (arme Palästinenser). Ersetzte man Joshua durch einen "General Lin" im "alten China", war es nur noch jedes vierzehnte Kind einer Kontrollgruppe.

Kritisieren kann man schon auch hier einiges: Dawkins gebärdet sich als Bewusstseinsschaffer für Atheisten, wie es andere für Homosexuelle gewesen seien - das ist in Deutschland schwer nachvollziehbar, wo der Sonntagvormittag allem Möglichen dient, aber nicht dem Kirchgang. Seine ätzende Polemik attackiert religiöse Menschen in eine Verteidigungsstellung hinein, was kaum etwas bringt. Ein Kapitel zu Buddhismus und anderen Religionsformen jenseits eines allmächtigen Gottes wäre das 'Sahnehäubchen' gewesen. Die letzten 20, 30 Seiten zu Wahrnehmungsgrenzen lassen ebenfalls etwas nach.

Und wenn Religion nun einen Evolutionsvorteil hätte, etwa dadurch, dass gruppenkooperatives Verhalten besser funktioniert (Dawkins führt u.a. die "In-Group" Juden an), so käme Dawkins' Buch nach seiner eigenen Logik schwerlich dagegen an, dann müsste er Atheisten eigentlich eher das Kinderkriegen und Zusammenhalten predigen.

Mehr als einen Stern Abzug kann das aber kaum bedeuten: "The God Delusion" sollte genauso gelesen werden wie die Bibel, der Koran oder das Kommunistische Manifest.
Ein guter Kandidat also für das 'Atheistische Manifest' und gut zu lesen.
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Kommentare


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1-4 von 4 Diskussionsbeiträgen
Ersteintrag: 04.08.2009 19:47:09 GMT+02:00
Zuletzt vom Autor geändert am 04.08.2009 19:49:36 GMT+02:00
kpoac meint:
Man muss nicht mit allem übereinstimmen, um einen Text ansprechend und hilfreich zu finden. Letzeres gilt für Ihren auf jeden Fall.
(Antwort an anderer Stelle)
mfg

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 05.08.2009 10:25:53 GMT+02:00
Genau,
wenn ich ein Buch zu dem Zeitpunkt schon gelesen haben sollte, kann eine Rezension eine andere Lesart aufzeigen oder auf Stärken/Schwächen hinweisen, die mir womöglich selbst entgangen sind. Wenn noch nicht (das wäre bei mir leider dann doch der Regelfall), kann eine Rezension mir helfen, das wenige Vorurteil, was ich zu dem Buch habe, zu erweitern, um zu wissen, ob ich's bestelle oder eher nicht. Jedenfalls, wenn die Rezension genau ein Spiegelbild meiner existierenden Meinung ist, kann sie dennoch gut sein, doch für mich hilfreich war sie dann kaum.

P.S. Gefunden. :-)

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 11.08.2009 20:54:34 GMT+02:00
kpoac meint:
Serenus,
noch ein Hinweis aus einem Buch von Martin Walser. Im Prinzip: kreatives Lesen vs. Interpretation / Wiedergabe

Hier aus der Rez ein Ausszug:

"Vielleicht ist es schon fatal, ein Buch nur zu lesen, um es zu interpretieren oder zu beurteilen. Man bringt das Buch in eine Verhörsituation. Ich glaube, ein Verhörender macht keine Erfahrung. Er sammelt Punkte für ein Urteil. Das ist zwar eine sich besonders professionell vorkommende Art zu lesen. Mir kommt sie aber eher dürftig vor. Je weniger zielgierig man liest, desto eher stellt sich eine Erfahrung ein." So Walser und damit lässt sich wie folgt feststellen: Der Tiefstpunkt der Leseerfahrung ist erreicht im Urteil von gut oder schlecht. Wer als Leser auf ein Buch oder einen Text nur mit Lob oder Tadel reagieren kann, demonstriert damit sein Klammern an unselige Schulverhältnisse. Er ist sein eigenes Opfer, lebenslang.

alles lesen Sie unter
http://www.amazon.de/review/R3O5I7RV5TX9FE/ref=cm_cr_rdp_perm

Mit Lust und Spaß zu lesen

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 02.11.2009 10:56:43 GMT+01:00
Das hier entdecke ich gerade.
Die Rezensionssternchen führen ja zu fünf möglichen Schubladen, müssen sie vermutlich auch systembedingt.
Wenn da der Text darunter es etwas wieder öffnen kann, gut. Und dass ein "Rezensentenblick" beim Lesen bereits die Lesefreude gefährdet, habe ich auch schon ein-, zweimal gemerkt - wie ein Richter zu urteilen, mag kurzfristig erfreuen, indes, der Genuss des Buchs ist wertvoller als das.
Doch so präzise wie Walser hätte ich es selbst in Dekaden nicht ausdrücken können.
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