Kundenrezension

7 von 9 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Das ist die Mischung zwischen cool und malerisch, 17. November 2012
Rezension bezieht sich auf: 12 Neue 12 (Audio CD)
Den reichlich kryptischen Titel des neuen Albums von Peter Cornelius bekommt man freundlicherweise im offiziellen Pressetext zum Album ein weinig erläutert. Ich muß gestehen, als ich "12 neue 12" schon etliche Wochen vor der Veröffentlichung vorbestellte (als noch keine weitere Daten, Covermotiv, Tracklist etc. ersichtlich waren), hielt ich den Titel für einen Datenübertragungsfehler. Denkste, das muß so!
Wenn man also das Wörtchen >neue< einfach mal wegdenkt und die beiden zwölfen zusammenschiebt, dann ergibt sich aus den beiden äußeren Ziffern eine 12 und aus den beiden inneren eine 21, weil wir haben ja 2012 und es gibt wohl auch eine Zählweise nach der ist just dies neue Album das 21. in Peter Cornelius langer Karriere. Alles klar soweit. Wenn von dem Stoff noch was übrig ist, würde ich gerne mal probieren.

Dabei wäre mit "Besser spät als nie" ein Lied mit geeignetem Titel auf der Platte gewesen, der auch als Album-Überschrift tauglich gewesen wäre, denn seit dem letzten Album "Handschrift" sind inzwischen schon wieder gute vier Jahre verflogen.
Aber Peter Cornelius hetzt schon seit vielen Jahren nicht mehr. Er muss niemandem mehr irgendetwas beweisen. Und das hat seiner Musik unglaublich gut getan.
So geht das neue Album grundsätzlich konsequent den Weg weiter, den er eigentlich schon seit "Lieber heut als morgen" (1993) beschreitet und kreiert immer mehr einen neuen ganz eigenen Stil, der vorerst in seinen letzten beiden Produktionen "Wie ein junger Hund im hohen Gras" (2006) und dem bereits erwähnten "Handschrift" (2008) kulminierte.

Wie selbstverständlich kombiniert er Zartheit und Schroffheit. Die Art des Schreibens, die thematische Breite, die grundsätzlich emotionale Sicht auf die Dinge, lässt das Nachzeichnen eines roten Fadens bis zurück zu den Anfängen zu. Doch wo meinetwegen "Reif für die Insel" oder das ewig schöne "Segel im Wind" noch ein Soundkleid übergestreift bekamen, was sich an gängigen, zeitgemäßen Popstrukturen orientierte, wendet sich Cornelius heute vom Mainstream völlig ab. Das wird den Verkaufszahlen vermutlich nicht gut tun, die Radiosender werden da auch ihre Probleme haben, aber die Lieder gewinnen ungemein.
Denn so kommen absolut authentische, lebensechte Lieder aus den Boxen, die Wirklichkeiten spiegeln. Die nicht vom Popzwang weich gezeichnet eine Scheinschönheit erzeugen, sondern zum klingen bringen, dass erst mit etwas Dreck an den Füßen und einer Narbe hier und da glaubhafte Ästhetik entsteht, beständigere zudem.

Geradezu exemplarisch ragt "Zwischen Brooklyn und Manhattan Bridge" aus dem Dutzend neuer Lieder heraus. Lässig schroff rumpelt und rockt die Nummer vor sich hin und Cornelius fängt mit seinen nölend gesungenen Versen die Atmosphäre der Stadt ein. Keine Sightseeing-Atmosphäre, sondern die Lebenswirklichkeit von New York - schroff, aber herzlich, immer etwas zu viel Puls, aber grundoptimistisch. Mit Zeilen wie "Das hier ist alles, nur kein Kitsch" oder "Das ist die Mischung zwischen cool und malerisch" portraitiert er diese Stadt von innen, nicht in der Draufsicht als Tourist. Sicher auch eine Folge seiner generellen Zuneigung zu New York und der Tatsache, dass das ganze Album "12 neue 12" über weite Teile hier entstanden ist. Und beide Zeilen charakteresieren nicht nur diese Stadt, sondern sind darüber hinaus auch absolut programmatisch für das gesamte Album.

Was mit den letzten beiden Alben schon überdeutlich wurde, ist nun endgültig perfektioniert: Peter Cornelius passt in keine Schublade mehr. Ein ungefiltert rockender Liedermacher, der nach wie vor auch zartsanft Gefühle einfangen kann, sie aber nicht mit Violinen-Wänden zustellt oder gar mit billigen Keyboard-Flächen zukleistert. Da wäre beispielsweise "Bewährung" - eine sagenhafte kitschfreie Ballade, über die Gewissheit, dass Liebe keine Besitzansprüche am anderen Menschen duldet, "Selbstverständlich ist nur das Nichts!".

Mag der der Titel des Albums auch um ein paar Ecken zu viel gedacht sein, das Album selbst ist musikalisch und textlich ganz weit oben.
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Kommentare

Von 1 Kunden verfolgt

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1-4 von 4 Diskussionsbeiträgen
Ersteintrag: 17.11.2012 21:41:13 GMT+01:00
Helmut Friedl meint:
Er hat den Titel des Albums so erklärt. 12 neue 12 bedeutet 12 neue Lieder im Jahr 12 (2012). Hat nix mit dem 21. Album zu tun.

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 17.11.2012 22:30:20 GMT+01:00
Zuletzt vom Autor geändert am 17.11.2012 22:35:02 GMT+01:00
Diese Erklärung wäre dann zumindest nicht mehr ganz so wirr.
Im offiziellen Pressetext der Plattenfirma allerdings ist tatsächlich exakt die Titel-Erklärung, die ich in meinem Artikel etwas auf die Schippe genommen habe.
Ist letztlich auch egal, das Album ist großartig, selbst wenn er es "Bohneneintopf" genannt hätte. Grönemeyer nannte seine letzte Platte "Schiffsverkehr", da orakeln die Experten bis heute, was der Künstler der Welt damit wohl hat mitteilen wollen.

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 18.06.2013 15:09:16 GMT+02:00
Zuletzt vom Autor geändert am 18.06.2013 15:09:41 GMT+02:00
Genau, muss denn ein Titel, egal wie missverständlich oder kryptisch er ist, so genau zerlegt werden, entscheidend ist der Inhalt

Veröffentlicht am 05.02.2014 00:52:08 GMT+01:00
Quark meint:
Danke für Ihren Beitrag!
Bei 21 veröffentlichten Alben ist's aber verwunderlich und ärgerlich zugleich, daß amazon fast nichts von ihm anbietet, nicht einmal als mp3!
Grüße
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