Kundenrezension

35 von 39 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen "Hätte ich. Wäre ich. Es gibt nicht Trostloseres als den Konjunktiv der Vergangenheit.", 22. Februar 2012
Rezension bezieht sich auf: Ich nannte ihn Krawatte (Gebundene Ausgabe)
"Wer in einem Lachen nichts anderes als ein Lachen hört, der ist taub." steht auf dem Buchrücken dieses bemerkenswerten Buches zu lesen.

Der junge Taguchi Hiro verlässt als Zwanzigjähriger sein Zimmer, in dem er seit fast zwei Jahren freiwillig eingeschlossen war, und setzt sich im nahegelegenen Park auf eine Bank. Was zunächst für den Leser seltsam scheint, ist ein in Japan weit verbreitetes Problem. "Hikikomori" werden diese Personen genannt. Menschen, die das Haus der Eltern nicht verlassen, und sich in ihrem Zimmer einschließen, weil sie auf dem Weg zum Erwachsenwerden dem Leistungs- und Anpassungsdruck der Gesellschaft nicht gewachsen sind. Diese Parkbank wird alsbald zur Bühne des Romans. Denn zu dem jungen Mann gesellt sich der Firmenangestellte Ohara Tetsu; in Anzug und Krawatte. Der 58jährige hat seine Arbeit verloren, hält aber für seine Ehefrau Kyoko die Illusion aufrecht. Er geht weiterhin tagtäglich aus dem Haus, um den Tag auf der Parkbank zu verbringen. So spinnt sich nach und nach ein Lebensfaden zwischen den beiden Gestalten, die aus dem System, dem Takt der Welt, gefallen sind. Anfänglich beredetes Schweigen weicht einer zögerlichen Annäherung, bis sie sich nach und nach ihr Leben anvertrauen.

>Ich nannte ihn Krawatte< thematisiert voller Ernsthaftigkeit die japanische Mentalität. Japanische Ausdrücke (die im Anhang erklärt werden) verstärken das "Kanjou", das Gefühl und die Fühligkeit, die man benötigt, um die Erzählung mit den 113 fragilen Kapiteln auf sich wirken zu lassen.
Der Roman wird von poetischer Traurigkeit getragen, und lässt dennoch Platz für die Schönheit des Lebens, die es zu sehen und wahrzunehmen gilt. Denn: "Sind wir nicht alle irgendwie da, um einander zu berühren?"

Behutsam verdichtet die Autorin Milena Michiko Flasar (Tochter einer Japanerin und eines Österreichers) in knapper Sprache das moderne Leben, in dem der Leistungsdruck innerhalb der Gesellschaft menschlichem Mitgefühl gegenüber steht. Die Handlung entwickelt sich leise und sachte, dabei liegt eine melancholische Sehnsucht nach einem Neuanfang über den Zeilen.

Der bemerkenswerte Roman um zwei Einzelgänger, die aus der Unbemerktheit wieder zurück ins Leben finden, hat mir ausnehmend gut gefallen.
Die Parkbank schließlich könnte überall stehen. Überall, wo man sich verstanden fühlt und Nähe zulassen kann. "Okaerinasai" - Willkommen daheim!
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