Kundenrezension

16 von 18 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ein Action-Film zum Mitmachen, 8. August 2012
= Spaßfaktor:5.0 von 5 Sternen 
Rezension bezieht sich auf: Max Payne 3 - [PC] (Computerspiel)
Max Payne ist zurück: Nach einer langen Pause, die auch an dem gealterten Protagonisten nicht spurlos vorüber gegangen ist, wird er durch seinen berüchtigten Gerechtigkeitssinn dazu gezwungen, sich aus der eigenen Lethargie zu reißen und in Brasilien einen Neuanfang zu wagen. Da der Rezensent den Mehrspielermodus des Spiels nicht nutzt, bezieht sich die folgende Besprechung allein auf den Einzelspielermodus und hier primär auf den Story-Modus.

GRAFIK:

Als angenehme Abwechslung zu halbgaren Konsolenports präsentiert sich "Max Payne 3" als Titel, der sowohl High-End Systeme fordert als auch durchschnittlicher Hardware noch ein ansehnliches Spektakel ermöglicht und damit den PC als Plattform ohne Abstriche bedient. Über die grafische Qualität im Vergleich zu Referenztiteln möchte ich mir kein Urteil erlauben, erkennbar ist jedoch, dass hier sehr sorgfältig gearbeitet wurde: Die Animationen wurden mit großer Sorgfalt erstellt und wirken dementsprechend durchweg realistisch, die Physikberechnungen leisten ganze Arbeit und die Schauplätze wirken glaubwürdig. Ob in einem exklusiven Nachtclub, dem Fußballstadion von Sao Paulo oder den Favelas: Die Entwickler leisten sich nicht nur keine grafischen Schnitzer wie schlechte Texturen oder großflächige Clipping-Fehler, die Schauplätze sind äußerst detailliert gestaltet und wirken so authentisch, dass es den geneigten Spieler nicht wundern würde, wenn er sich ins Flugzeug setzen und sämtliche Orte besichtigen könnte. Schnitzer, die der Immersion schaden würden, sucht man vergeblich.

SOUND:

Die Sorgfalt der Entwicklung erschöpft sich nicht in einer grandiosen grafischen Darstellung, auch die Soundkulisse stellt sich ganz in den Dienst der Immersion und wurde mit hoher Professionalität erstellt: Sowohl der Soundtrack als auch die Hintergrundgeräusche und Soundeffekte lassen keine Wünsche offen und der hohe Aufwand bei der Synchronisation wirft die Frage auf, ob Rockstar den deutschen Spielern mit einer Vertonung in deutscher Sprache wirklich einen Gefallen getan hätte: Die meisten deutschen Synchronisationen im Videospielbereich sind von minderer Qualität, während hier vom italo-amerikanischen Mafiosi bis zum brasilianischen Politiker die Synchronsprecher samt und sonders stilsicher agieren und den Figuren Leben einhauchen. Eine derart aufwändige Synchronisation mit professionellen Sprechern wäre ohne einen entsprechenden Aufpreis für die deutsche Version nicht zu realisieren und alles andere hätte die Atmosphäre dieses "Action-Films zum Mitspielen" erheblich beschädigt.

STEUERUNG:

Für Innovationen sorgt Rockstar Games bei der Inszenierung des Titels, spielerisch erwartet den geneigten Spieler jedoch bekanntes: Ein solides Deckungssystem, die für die Reihe typische Zeitlupe und die legendären halsbrecherischen Sprünge, "Shoot Dodges" genannt, sind keine neuen Elemente. Umso erfreulicher ist es, dass die Umsetzung sauber ist, zwar kann es ab und an vorkommen, dass die Kollisionsabfrage das rasche in Deckung gehen behindert, derartige Stellen sind jedoch die Ausnahme und an keiner Stelle ein spielentscheidendes Problem. Ferner merkt man der Steuerung an, dass sie von Grund auf für den PC entwickelt wurde: Tastatur und Maus erlauben die nötige Präzision ohne Abstriche, die Konsolenspieler hinnehmen müssen.
Abzüge gibt es allenfalls in der B-Note, Laserzielsysteme sehen hübsch aus und sind auch realistisch in Szene gesetzt, spielerisch jedoch belanglos und weitaus ineffizienter als der Zielpunkt im HUD. Da sich die Laserpointer jedoch abschalten lassen und man ihnen zudem zugestehen muss, dass sie im richtigen Leben auch nicht mit dem präzisen Zielpunkt eines HUD konkurrieren müssen, kann man diesen Schnitzer jedoch verzeihen, zumal dem Spieler kein Nachteil dadurch entsteht, sie nicht zu nutzen.

GAMEPLAY:

Max Payne 3 präsentiert sich in den Spielabschnitten als weitgehend konventioneller Third-Person Shooter, dies jedoch auf hohem Niveau. Die überzeugende KI und die umfangreichen Physikberechnungen zwingen zu taktisch klugem Vorgehen: Wer im falschen Moment den Kopf aus der Deckung hält oder sich zu lange hinter einer Deckung aufhält, die gerade von diversen Maschinenpistolen und Sturmgewehren zerlegt wird, findet sich ebenso schnell in ausweglosen Situationen wieder wie der Spieler, der Shoot Dodge Manöver dazu benutzt, einfach in den Raum hineinzuspringen, um anschließend von den Überlebenden unter Feuer genommen zu werden bis der alternde Ex-Polizist sich wieder aufgerappelt hat.
Hat man sich jedoch einmal eingespielt, fällt auf, wie sehr sich auch dieser Aspekt des Spiels in den Dienst der Gesamtinszenierung stellt: Nur hinter der Deckung zu kauern führt nicht zum Ziel, der Spieler muss vielmehr ein Gefühl dafür entwickeln, wann es an der Zeit ist, in bester Tradition des Action-Genres hervorzuspringen und die heranstürmenden Gegner mit einem ebenso halsbrecherischen wie spektakulären Manöver auszuschalten. Eine Simulation will das Spiel trotz allem Realismus in der Darstellung nicht sein.
Spielerisch unterstützt werden riskante Manöver dadurch, dass Max nach einem fatalen Treffer die Möglichkeit bekommt, innerhalb der nächsten Sekunden den Verantwortlichen Gegner zu erschießen, was ihn im Erfolgsfall eine Dosis Schmerzmittel sowie den Rest des Adrenalin-Balkens kostet und ihm im Gegenzug das Leben rettet. Ausbalanciert wird das System unter anderem dadurch, dass Max nach dieser Rettungsaktion am Boden liegt, wodurch sich sinnloses nach vorne stürmen nach wie vor von selbst verbietet.
Ein Speichersystem im klassischen Sinne sucht der Spieler zwar vergeblich, die zahlreichen und sinnvoll gesetzten Kontrollpunkte machen ein solches jedoch tatsächlich überflüssig und verhindern Frust durch unnötige Wiederholungen vor dem Problem, an dem man zuvor gescheitert ist.
Unverständlich bleibt die Designentscheidung, warum die zahlreichen Gegner Handgranaten benutzen können, Max jedoch nicht. Zwar sind derartige Zerstörungswerkzeuge auch nicht nötig, um erfolgreich zu sein, einen Abbruch hätten sie den Gefechten jedoch nicht getan. Immerhin setzen auch die Gegner Granaten nicht so inflationär ein, dass man deswegen ständig aus der Deckung springen müsste, auch arbeiten die Gegner mit Wurfgeschossen aller Art bei weitem nicht so präzise wie mit ihren Schusswaffen, so dass auch nicht jeder Angriff dieser Art zur Gefahr wird.
Weniger im Dienst der Inszenierung stehen die bisweilen selbst für das Action-Genre übertriebenen Gegnerhorden und "Zwischenbosse" in Form von gepanzerten Soldaten mit tragbaren Maschinengewehren, auch hätte das Spiel von ruhigeren Momenten außerhalb der Zwischensequenzen profitiert. Der Spieler wird zwar nicht zum Getriebenen - wenn ein Areal von Gegnern befreit ist, kann man sich dort auch in Ruhe umsehen - im Dienste des Spannungsaufbaus stehen diese "Ruhepausen" jedoch nicht, daher krankt das Spiel an einem genretypischen Fauxpas: Es ist so sehr mit Action angefüllt, dass die Spannung letztlich darunter leidet. Weniger wäre hier mehr gewesen.

Die Handlung des Spiels ist genretypisch eher einfach gehalten, beleidigt den Spieler jedoch auch nicht mit Logiklöchern und ähnlichen handwerklichen Fehlern wie hanebüchenen Wendungen. Die Action schert sich nicht um besonderen Realismus, die Charakterzeichnung und der Handlungsverlauf sind jedoch aus einem Guss und wirken weder bemüht noch aufgesetzt. Die Präsentation als Nacherzählung der Ereignisse durch Max wirkt glaubwürdig und lässt dem Protagonisten viel Raum, sowohl seine zynische Art auszuleben als auch authentisch zu zeigen, wie ungelenk er im direkten Umgang mit seinen Mitmenschen bisweilen ist. Max ist nicht der unnahbare, stets saubere und coole Action-Held, sondern hat zahlreiche Ecken und Kanten und alles andere als ein glückliches Leben geführt und das nimmt man ihm als Spieler ebenso ab wie man in einem Marcelo den etwas unterbelichteten reichen Lebemann sehen oder in Raul den kleinen Mann, der in viel zu große Ereignisse geraten ist, erkennen kann.

DRM:

Max Payne erfordert ein Social Club Konto, mit dem es verknüpft werden muss, ferner nimmt der Launcher Kontakt zu den Servern auf, wann immer er eine aktive Internetverbindung erkennt und nicht durch eine Firewall aktiv daran gehindert wird. Wann immer ein verfügbarer Patch erkannt wird, weigert sich der Launcher, das Spiel zu starten, bis der Patch heruntergeladen und installiert wurde. Zu den wenigen positiven Aspekten dessen gehört, dass es immerhin möglich ist, das Spiel auch dann uneingeschränkt zu starten und zu spielen, wenn der Rechner gerade nicht mit dem Internet verbunden ist, ein Online-Zwang besteht also nicht, auch wird keine Spiel-DVD benötigt.

UNTERSCHIEDE ZUR AMERIKANISCHEN VERSION:

Wer argwöhnisch darauf schielt, dass Max Payne 3 in Deutschland trotz mangelnder Jugendfreigabe geschnitten wurde, sei darauf hingewiesen, dass die einzige Änderung darin besteht, dass der Spieler keine Zivilisten töten kann. Das sollte nicht nur für die geistig reife Zielgruppe des Spiels kein Problem darstellen (es stellt sich eher die Frage, warum es überhaupt eine Version des Spiels geben muss, in der so etwas möglich ist) sondern passt auch zum Protagonisten: Max Payne ist hier in der Rolle des klassischen Action-Helden und ein solcher schießt schon aus Prinzip keine Unschuldigen über den Haufen.

FAZIT:

Gerade in Zeiten, in denen insbesondere der Markt für Gelegenheitsspieler wächst und der traditionellen Videospielindustrie bei stetig steigenden Produktionskosten am Gewinn frisst, ist Max Payne 3 ein deutliches Ausrufezeichen dafür, dass traditionelle Plattformen noch eine Menge Entwicklungspotential besitzen und auch ein eher konventionelles Spiel durch eine hervorragende Inszenierung zum Top-Titel avancieren kann.
Max Payne ist jedoch kein Spiel für jedermann: Auch abseits der fehlenden Jugendfreigabe richtet sich das Spiel an ein erwachsenes Publikum, das zudem das Spiel als ein Ganzes begreifen und genießen kann. Max Payne als gebrochener und doch rechtschaffener Action-Held entzieht sich vielen Heranwachsenden als Sympathieträger, auf der anderen Seite sind die langen Zwischensequenzen für reine Shooter-Enthusiasten ein Störfaktor: Wer sich primär auf die Spielszenen konzentrieren möchte, wird sich auf Dauer trotz fehlender Ladebildschirme von den langen Zwischensequenzen gestört fühlen. Immerhin wird mit den Arcade-Modi und den Sammelgegenständen in den Spielabschnitten auch diese Klientel durchaus bedient.
Wer eine gelungene Gesamtinszenierung zu schätzen weiß und mit einem gebrochenen Helden wie Max Payne sympathisieren kann, wird ein Spiel vorfinden, bei dem nicht gekleckert sondern geklotzt wurde, nicht nur bezüglich des Budgets sondern auch bei der durchweg professionellen Umsetzung. Auch wenn man sich über manche Details ärgern kann, auch wenn das Spiel an manchen Stelle noch etwas besser hätte sein können, so bleibt es doch Jammern auf hohem Niveau: Im Bereich der Inszenierung setzt Max Payne 3 Maßstäbe, an denen sich künftige Titel messen lassen müssen. Als Medien sind sich Film und Spiel ein weiteres Stück näher gekommen.
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