Kundenrezension

17 von 21 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Krasse Idee, etwas spannungslose Umsetzung, 26. Oktober 2013
Rezension bezieht sich auf: Bienensterben (Broschiert)
Achtung, dieser Roman hat’s faustdick hinter den Ohren, äh, Seiten! "Bienensterben" ist die unartige Hänsel-und-Gretel-Rache an einer durch und durch schlechten Erwachsenenwelt. Tote Eltern werden hier nicht betrauert, sondern von den Schwestern Nelly, 12, und Marnie, 15, im Garten verscharrt. Denn geliebt wurden Mummy und Daddy beide nicht, und das aus gutem Grund.

Man sollte nicht gerade ein Wurstbrot essen, wenn man die ersten Romanseiten liest, denn es wird unappetitlich: “Gene fiel regelrecht das Fleisch von den Knochen, und an manchen Stellen ist er gerissen wie Papier.” Es ist Weihnachten in Glasgow. Nelly und Marnie sind gerade dabei den toten Vater aus dem Schlafzimmer in den Garten zu hieven. Sie betten ihn unter Lavendel, nicht aus Sentimentalität, sondern damit es nicht so stinkt. Die Leiche der Mutter hängt eh schon im Schuppen, aus Einfachheit wird sie in den Kohlekasten gestopft. Wer sein Kinderleben lang nur Lieblosigkeit zwischen Fixerspritzen, Dreck und Gewalt erfahren hat, der verroht auch selbst zum asozialen Fremdkörper. Wenn auch auf sehr unterschiedliche Art und Weise. Während Nelly sich in einen keuschen Schutzpanzer aus weltfremder Bette-Davis-Biederkeit schmeißt, gibt Marnie die abgebrühte Großmaul-Bitch aus der Sozialsiedlung. Aber wer oder was hat die Eltern umgebracht?

Die Szenerie ist so irre und superhart, dass man weiterlesen MUSS. Doch leider jagt Lisa O’Donnell ihr explosives Pulverfass mit viel zu kurzer Lunte in die Luft. Anstatt dem Leser die Informationen häppchenweise zum Fraß vorzuwerfen, auf eine Irrfahrt mit weißen Kanninchen zu schicken, plappern die Schwestern Nelly und Marnie, die hier abwechselnd erzählen, die meisten Geheimnisse, die den Leser so brennend interessieren, schnell aus. Lisa O’Donnell entscheidet sich dafür, aus dem Thrillerstoff mit Hammer-Schocker-Potential ein soziales Außenseiterdrama zu machen, das zwar immer noch durch galleschwarzen Humor und frechem Rotzgören-Charme besticht, aber leider auch Chancen vergibt. Für den Leser sind die Mädchen wie ein offenes Buch. Nur die anderen werden getäuscht. Der Plot konzentriert sich also darauf, wie sie sich dabei schlagen, Behörden und Geldeintreibern vorzugaukeln, die Eltern wären nur mal eben verreist. Vor allem Nachbar Lennie, ein alter Schwuler, den alle für einen Kinderschänder halten, ist misstrauisch, aber auch mitfühlend. Er bietet den Schwestern zum ersten Mal in ihrem Leben so etwas wie eine Familie.

Der Ausgangspunkt der Geschichte haut einen so aus den Latschen, dass er schwer zu toppen ist. Es fühlt sich an, als ob die Autorin einen Kickstart hinlegt und dann mit angezogener Handbremse weiterfährt. Man hätte sicher noch mehr rausholen können, um die Spannung zu steigern. Trotzdem respektiere ich O’Donnells Entscheidung, einen anderen Weg gegangen zu sein, mit einem stärkeren Fokus auf ein jenseits von Gut und Böse angesiedelten Empowerment-Märchens über ein unverwüstliches Schwesternduo, das alles, was es nicht umbringt, nur noch stärker macht.
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