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Kundenrezension

17 von 17 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Venezianisch-persischer Karneval, 11. April 2014
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Rezension bezieht sich auf: L'incoronazione Di Dario (Audio CD)
Vivaldi stand als Opernkomponist immer ein wenig quer zur Zeitströmung. In seinen Bühnenwerken vermischte er unbekümmert Altmodisches mit Avantgardistischem, wofür ihn die akademischen Weisheitspächter hassten und sein Stammpublikum ihn liebte - und wofür auch wir heute ihn lieben. Für seinen Beitrag zur Karnevals-Stagione Anno 1717, "L'incoronazione di Dario", griff Vivaldi zu einem schon dreißig Jahre alten Libretto von Adriano Morselli, das mit seiner buntscheckigen Handlung in krasser Opposition zu den logischer aufgebauten, aber dramaturgisch überregulierten Reformlibretti Apostolo Zenos und seiner Mitstreiter in der "Accademia dell'Arcadia" steht. Die Geschichte ist im Grunde sehr einfach: Nach dem Tod des Perserkönigs Kyros (in der Historie: des Kambyses) soll unter den Anwärtern auf den Thron derjenige, der des Kyros Tochter Statira zu erobern weiß, mit Statiras Hand zugleich die Königswürde erlangen. (Laut Herodot sollte derjenige den Thron besteigen, dessen Pferd bei einem Treffen der Prätendenten bei Sonnenaufgang zuerst wieherte, wobei der Stallknecht des Dareios mit einer delikaten List dem Schicksal ein wenig nachhalf. Diese in der Oper ausgesparte, nicht ganz jugendfreie Episode lese man bei Bedarf in Buch III, Kapitel 84 bis 87 der "Historien" nach.)

Um diesen roten Faden schlingt sich ein Intrigengeflecht, das vor allem dazu dient, möglichst viele Gelegenheiten zum Ariensingen herausspringen zu lassen. Wieder hat Vivaldi sich Einiges einfallen lassen, um sein Publikum bei Laune zu halten. "L'incoronazione di Dario" ist venezianisches "teatro alla moda" in Reinkultur. Die mit vollen Händen ausgestreuten Arien zeigen nahezu sämtlich den typisch venezianischen Duktus ihrer Zeit: Eine häufig nach instrumentalen Vorstellungen entworfene Melodik, rhythmischen Vorwärtsdrang und eine oft merkwürdig labile Tonalität, die zwischen Dur und Moll schwankt wie eine Gondel im Sturm.

Die Ausführenden der vorliegenden Aufnahme haben an dieser Oper offensichtlich einen Riesenspaß, der sich auch auf den Hörer überträgt. Ottavio Dantone und seine Accademia Bizantina beweisen auf das Schönste, dass man Vivaldi nicht grob gegen den Strich bürsten muss, um ihn zu sprühendem Leben zu erwecken. "Se palpitarti in sen" etwa ist ein Musterbeispiel ätherisch leichten, funkelnden Musizierens. An der Spitze des gut disponierten Gesangsensembles ist die Statira von Sara Mingardo zu nennen, deren samtiger Luxus-Alt hier endlich wieder einmal in einer Hauptrolle zu genießen ist.

Der Aufnahme hört man nicht an, dass es sich um einen Konzertmitschnitt handelt (September 2013 in der Bremer "Glocke" aufgenommen), sie ginge ohne Weiteres auch als Studioproduktion durch: Klar, präsent, vollkommen nebengeräuschfrei. Im Beiheft finden sich ein viersprachiger Einführungstext (Französisch, Italienisch, Englisch, Deutsch) und ein dreisprachiger Abdruck des Librettos (nicht auf deutsch). Wenn man sich bei Naive jetzt noch dazu entschließen könnte, sich von den ewig klappernden und klemmenden "Jewel Cases" zu verabschieden und auf die ebenso schönen wie praktikablen Digipack-Faltkartons umzusteigen, wäre das Glück vollkommen.

Wer übrigens die ältere "Dario"-Gesamtaufnahme des Ensemble Baroque de Nice (Gilbert Bezzina) besitzt, muss diese nicht aus dem Regal verbannen. Damals, als die Renaissance der Vivaldi-Opern noch nicht abzusehen war, bedeutete diese Einspielung eine mutige diskographische Tat, und auch heute noch lohnt ein Vergleich der alten mit der neuen Aufnahme.
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1-9 von 9 Diskussionsbeiträgen
Ersteintrag: 16.04.2014 12:56:07 GMT+02:00
Danke, lieber Herr Fischer, für die schöne Rezension. Können Sie mir sagen, ob Franco Fagioli mit in der Besetzung dabei ist? Ich konnte es online nicht herausfinden! Beste Grüße

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 16.04.2014 17:59:16 GMT+02:00
Claus Fischer meint:
Bedaure, Franco Fagioli ist leider nicht mit von der Partie, wie Countertenöre hier überhaupt durch Abwesenheit glänzen. Der Besetzungszettel lautet wie folgt:

Dario - Anders Dahlin
Statira - Sara Mingardo
Argene - Delphine Galou
Niceno - Riccardo Novaro
Alinda - Roberta Mameli
Oronte - Lucia Cirillo
Arpago - Sofia Soloviy
Flora - Giuseppina Bridelli

Herzliche Grüße
CF

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 16.04.2014 18:21:44 GMT+02:00
besten Dank, bei newolde.com war irrtümlich gemeldet worden, Fagioli sänge den Oronte, hatte mich schon darauf gefreut, da das mein Lieblingscountertenor ist. Ich werde dann wohl bei meiner alten Aufnahme bleiben. herzliche Grüße!

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 07.08.2014 09:48:19 GMT+02:00
Zuletzt vom Autor geändert am 07.08.2014 10:58:18 GMT+02:00
Auch Dank von mir, dass Sie mich auf diese neue Produktion aufmerksam gemacht haben, lieber Fischer. Wäre sonst glatt an mir vorbei gerauscht.
Aber eine Frage: Kann es sein, dass die Aufnahme etwas topfig klingt? Oder liegt das nur an der mangelnden Qualität der Hörproben?

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 12.08.2014 23:28:39 GMT+02:00
Claus Fischer meint:
Das Vergnügen an Live-Aufnahmen wird ja des Öfteren durch ein leicht mulmiges oder, wie Sie sagen, "topfiges" Klangbild getrübt. An dieser hier habe ich jedoch nichts auszusetzen - sie klingt in meinen Ohren auch nicht schlechter als die Studioaufnahmen von Naive. :-) Auf Hörproben möchte ich mich diesbezüglich nicht verlassen, da hier die originalen Dateien häufig stark komprimiert (und dadurch mitunter auch kompromittiert) sind. Das ist zwar ein willkommener Service um bei einem unbekannten Werk hineinzuhören, ob einem die Musik als solche zusagen könnte, so dass man die Katze zumindest nicht im zugeschnürten Sack kaufen muss - aber über die technische Qualität einer Aufnahme täuscht man sich hier sehr leicht. Da habe ich schon manche Überraschung erleben müssen, im positiven wie im negativen Sinne. Kann also nur sagen: Vertrauen Sie mir...

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 13.08.2014 02:01:25 GMT+02:00
Was ich wie üblich von Herzen gerne tue! :-) Zumal ich die Erfahrung ebenfalls schon gemacht habe.

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 04.01.2015 15:57:29 GMT+01:00
[Vom Autor gelöscht am 04.01.2015 16:07:43 GMT+01:00]

Veröffentlicht am 04.01.2015 16:03:02 GMT+01:00
[Vom Autor gelöscht am 04.01.2015 16:05:11 GMT+01:00]

Veröffentlicht am 04.01.2015 18:09:32 GMT+01:00
Cyprinus meint:
Sehr geehrter Herr Fischer,

Sie verfügen über eine ungewöhnliche Empathie für die psychologisch höchst komplexe Musiksprache Vivaldis. Beweis hier: Ihre ausdrückliche Erwähnung der Arie "Se palpitarti in sen". Meine volle Anerkennung!

Bitte fassen Sie mein Votum nicht als arrogant auf. Aber ich weiß, wovon ich rede. 1967, als 16jähriger, begegnete ich der Musik des Venezianers erstmals. Sie hat mich wie keine andere zutiefst berührt, fasziniert und beschäftigt mich immer noch wie zu Beginn. Ich darf Ihnen daher mit einer begründeten Genugtuung mitteilen, dass ich als Musikliebhaber den Beginn der deutschen Rezension dieser Musik und ihre Entwicklung erlebt und bis heute verfolgt habe. Meine eigenen Ansichten über Mensch und Werk finde ich heute so vielfach bestätigt, wie die eingetretene große Resonanz auf sein Schaffen. Was Sie heute so excellent den Hörern mitteilen, ist auf diesem Hintergrund gleichfalls der Beweis für die Wichtigkeit dieser Musik. Herzliche Grüße
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Rezensentin / Rezensent


Ort: Lampertheim, Hessen

Top-Rezensenten Rang: 12.800