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Kundenrezension

438 von 513 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
1.0 von 5 Sternen Twighlight - Gibt es denn keine Vampire mehr mit Eiern in der Hose?, 3. November 2009
Rezension bezieht sich auf: Biss zum Morgengrauen: Twilight Roman (Taschenbuch)
Die letzte Seite des Buches ist gelesen - und mich hat das Grauen gepackt. Allerdings nicht wegen des schriftstellerischen Könnens der Autorin oder der kommerziell genialen Idee, eine Highschool Romanze mit einem Vampirroman zu verbinden, sondern wegen der geglätteten Figuren, der unsäglich flachen Charakter und der platten Dialoge.
Ich lese gerne Belletristik und oft auch die richtig schlechten Wälzer, aber ein dermaßen uninspiriertes Werk mit langatmigen Passagen und eine durchsichtigere Motivstruktur ist mir noch nie untergekommen.

Twilight erzählt die Geschichte der Bella Swan. Unbarmherzig prügelt sich dieser Name ins Hirn des Lesers. Die Namensbedeutung Bella Swan konterkariert die Selbsteinschätzung der siebzehnjährigen Emo-Teenagerin einfach zu deutlich. Nein, vollkommen klar: Sie ist nicht das hässliche Entlein, für das sie sich hält. Sie ist sogar so schön, dass sich nach ihrem Umzug gleich alle in sie verknallen. Auch der über hundertjährige Edward, eine bis zur Unkenntlichkeit kastrierte Vampirfigur (nachher dazu mehr) ' dessen Äußeres an Michel Angelos David erinnert ' außer dass Edward im Sonnenlicht glitzert wie "Mein kleines Pony".
Glitzervampire! Als ich diese Passage las, wünschte ich mir den metaphorischen Holzhammer zurück, um mir die soeben gelesene Dummheit aus meinem Hirn zu schlagen!
Nein, Edward ist kein Monster ' er saugt den Duft der Jungfrau zwar ein ' labt sich aber lieber am Berglöwen.* Um die besondere Ästhetik und Transzendenz des Vampirs noch hervorzuheben, packt Stephenie Meyer ihr ganzes mythologisches Verständnis aus: gefühlte 3 Millionen Mal stolpert man über den Vergleich Edwards mit einem Engel. Wie soll der Vampir denn da noch böse und unheilig sein? Wie soll man da die Passagen, in denen er über seine fürchterlichen Kräfte spricht, noch unheimlich finden können?
Ja, und weil er dann auch noch guter Amerikaner ist, spielt er mit seinen Superkräften noch `ne Runde Baseball... .Edward ' gebildet, musikalisch, hält seine dunklen Gelüste durch Selbstdisziplin zurück und hält dabei selbst höchste moralische Standards ein.

Ganz unwohl fühlt man sich dabei, wenn man den Text dabei als Analogie begreift, doch bitte keinen Sex vor der Ehe zu haben. Der Biss des Vampirs als Symbol für die Defloration ist seit Bram Stoker schließlich etabliert ' und Edward, ganz Gentlemen, weigert sich standhaft. Bella zu beißen**. Diese gerade mal siebzehn, labert von ewiger Liebe und will sich ihr ganzes Leben dem Hinterwäldlervampir hingeben ' der seit 100 Jahren zur Highschool geht.

Dass Edward ein Vampir ist, gerät vollkommen zur Farce. Nichts mehr bleibt vom eigentlichen Mythos der blutsaugenden Untoten zurück: Weder die Auswahl eines möglichst leckeren Opfers, noch die Verführungskunst als Waffe werden thematisiert. Auch gibt es keinen passenden Vampirjäger, der unfähige Indianersohn und dessen im Rollstuhl sitzender Vater Bill jedenfalls haben einen Nichtangriffspakt geschlossen. Nun, dem aufmerksamen Leser wird nicht entgangen sein, dass Bill ein Werwolf ist, so wie der die Nüstern bläht, wenn der schnieke Edward mal wieder mit Bella den Abwasch macht oder ihr zärtlich ein Küsschen aufdrückt ' zu mehr reicht es ja nicht. Man bleibt moralisch einwandfrei.
Kurz, ob Edward und seine Sippe Vampire oder Außerirdische wären oder einer religiösen Sekte angehörten, ist vollkommen irrelevant für die Geschichte. Der Vampirmythos wird nicht genutzt, sondern nur zur Genreabgrenzung gebraucht ' sonst bleibt er völlig außen vor. Selbst 'das Fremde' oder 'das Unheimliche' kommen nur in homöopathischen Dosen vor.
Ich jedenfalls kann nicht verstehen, was man an dem Buch spannend und aufregend finden kann ' selbst wenn man es mit dem Unterhaltungswert der Bedienungsanleitung eines DVD- Players vergleicht.

Der innere Konflikt Bellas und Edwards ' oder der seiner Sippe kommt im Buch ebenfalls zu kurz, stattdessen wird hopplahopp doch ein wilder urtümlicher Vampir ausgepackt ' der Hunter ' der aus reinem Übermut Bella niederquälen will. Endlich doch: Eine echte düstere Figur ' mit einem Auftritt, der leider zu kurz und zu schnell beendet wird. So wird auch diese Chance verschenkt, Edward auf einen Rachefeldzug zu schicken ' und aus ihm einen Vampir zu machen. Ein generelles Problem: Stephenie Meyer lässt keine Figur wirklich in einen Konflikt fallen ' jedes Mal, wenn eine Katastrophe drohen könnte, weicht der Charakter seltsam aus und freundet sich wieder neu mit seiner Umwelt an. Ob es sich um die Teenagerjungs Tyler und Mike handelt, die um Bellas Gunst buhlen, oder die Pseudogang mit Vergewaltigungsabsichten***, nichts kühlt das Gemüt eines angesäuerten Vampirs so gut, wie seiner Bella beim Cola saufen zuzusehen.

Nachdem der Inhalt ziemlich austauschbar ist, so kann man ja noch auf eine poetische Sprache, witzige Dialoge oder überraschende Sequenztwists hoffen. Aber der Leser der Rezension wird es schon vermuten: auch hier wird man gnadenlos enttäuscht. Das Buch kann man getrost auf dem Klo lesen ' und sich dabei auf Wesentlicheres konzentrieren. Die Autorin nutzt einen begrenzten Wortschatz, so dass man gelegentlich den Eindruck bekommt, eine Passage doppelt zu lesen. Die Dialoge sind weder pointiert, noch charakterisieren sie, was sie charakterisieren sollen: Den Ausnahmeintellekt Bellas und Edwards. Stattdessen plätschern sie vor sich hin ' wie der stockende Harnfluss eines Prostatakranken. Von sprachlicher Potenz kann also keine Rede sein.

Ich bin wirklich erstaunt, weshalb Twilight so erfolgreich ist, als Groschenroman für 2 Euro in einer Baumarkt -Grabbelkiste kann ich mir das Buch besser vorstellen als in der Hugendubelauslage ' auf allen Regalbrettern.
Tatsächlich muss diese vereinfachte Romeo und Julia Geschichte, auf die sich der Text runterbrechen lässt, mit der selbstzweifelnden Figur Bella Swan genug Identifikationspotenzial haben, um ehemalige Harry Potter- Leserinnen und - Leser zu fesseln.
Ich persönlich jedenfalls schüttle mich vor Abscheu vor diesem Werk und verfluche mein Interesse an moderner Popkultur, welches mich dazu gebracht hat, diesen Text zu lesen.
________________
* Ja, Berglöwen ' selten und vom Aussterben bedroht. Aber Edward süffelt ja nur dort Blut, wo es einen 'Überschuss an natürlichen Jägern gibt'. Mein biologisches Verständnis über Jäger und Beuteverhältnisse, widerspricht dem komplett. Es kann nirgendwo auf dem Planeten einen Überschuss an natürlichen Beutegreifern geben ' die verhungern dann nämlich. Aber der gequirlte Blödsinn ist ja egal. Edward tut jedenfalls so der Natur nicht weh ' der Gute.

** Was da wohl Graf Krolok aus dem 'Tanz der Vampire' sagen würde? Wahrscheinlich ließe der seinen schwulen Sohn Herbert auf Edward los ' und verleibte sich mit seiner Sippe die naive Bella fröhlich selbst ein.

***
Die fehlten ja noch! Wieso muss immer dieses Vergewaltigungsfass aufgemacht werden. In jedem blöden neueren Vampirroman passiert so was ' bzw. es passiert ja eben doch nicht. Wär' ja viel zu schrecklich, genauso wie die Sache des Menschen Aussaugens ' nehmen wir lieber vom Aussterben bedrohte Tiere, oder die Vampire beißen sich selbst.
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1-10 von 80 Diskussionsbeiträgen
Ersteintrag: 07.11.2009 19:10:53 GMT+01:00
Zuletzt vom Autor geändert am 07.11.2009 19:11:12 GMT+01:00
Aemilia meint:
Sehr geehrter Herr Flüss,
Ihre Rezession hat mich vor entäuschenden Fehlkäufen bewahrt und mir noch dazu wirklich herzhaften Lachanfall beschert.
Vielen Dank

Veröffentlicht am 09.11.2009 19:02:37 GMT+01:00
[Vom Autor gelöscht am 09.11.2009 19:10:36 GMT+01:00]

Veröffentlicht am 09.11.2009 20:32:14 GMT+01:00
N. Hinkel meint:
Haha die rezension ließt sich einfach herrlich, auch wenn ich alle 4 teile (sehr gerne) gelesen hab und sie wieder lesen würde ;) Aber bei dem hier hat es mich einfach weggeschmissen, weil doch ein bisschen warheit dahinter steckt...für mich bekommt das buch trotzdem 5 Sterne ;=

Veröffentlicht am 11.11.2009 09:52:21 GMT+01:00
D. Lisa meint:
treffender, sarkastischer und besser kann man twilight nicht zusammenfassen! Einzig die Anspielung auf frühere Harry-Potter-LeserInnen ist mir (persönlich) ein Dorn im Auge ;)

Veröffentlicht am 11.11.2009 13:48:58 GMT+01:00
M., Katja meint:
Ist das geil!!! Ich hab mich weggeschmissen :D!!!

Ein Lob an diese tolle Rezension. Ich habe nur den 1. Film gesehen, werde mir aber wohl trotzdem noch die Bücher vornehmen, vorausgesetzt, ich schaffe es laut dieser Rezension bis zum 2. Buch *g*! Der Film lässt es aber auch schon etwas erahnen, dass die ganze Geschichte wohl etwas aalglatt und platt geschrieben sein könnte...

Ich muss aber sagen, wenn ich diese Reznesion lese und das Buch wirklich so schlecht ist, dann hat Harry Potter wirklich ein höheres Niveau, denn diese Bücher sind wirklich gut (vor allem der 3. und 4. Teil)!

Veröffentlicht am 11.11.2009 14:36:16 GMT+01:00
Zuletzt vom Autor geändert am 11.11.2009 14:40:07 GMT+01:00
Sheherezade meint:
Herrliche Rezension, wohl die witzigste, die ich je gelesen habe (abgesehen vom Seitenhieb auf Harry Potter-Leser ;)! Ich habe das Buch noch nie gelesen und habe es eigentlich auch nicht vor - aber natürlich nicht (nur) wegen der Rezension.
Vielen Dank für diese amüsante Bewertung!
Ahja, P.S.: Der schwule Sohn von Graf von Krolock im Musical "Tanz der Vampire" heißt Herbert und nicht Hans. Nur so am Rande... ;-)

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 18.11.2009 17:33:48 GMT+01:00
Fabian Fluess meint:
Ja, richtig! Herbert - ich habs korrigiert ;) Danke sehr

Veröffentlicht am 22.11.2009 19:05:10 GMT+01:00
Zuletzt vom Autor geändert am 22.11.2009 19:07:39 GMT+01:00
Tindomerel meint:
Danke und Amen!

Sehr gute Rezension, sehr witzig und eloquent geschrieben (ich wette, in dieseer Rezension sind mehr verschiedenene Wörter enthalten als in der gesamten Twilight-"Saga") und vor allem alles, was einen an diesem Buch nervt, auf den Punkt gebracht (außer der zweimillionvierhundertfünfundneunzigtausendfachen Wiederholung der Phrase "Edward war soooo schööööön *Herzchenaugen*"). Vor allem, dass Bella so eindeutig Self-Insert ist - mir persönlich wäre es extrem peinlich, ein Buch zu veröffentlichen, aus dem man derartig ungeschminkt meine geheimen Wünsche herauslesen kann.

Gratulation zu dieser sehr gelungenen Rezension! Einsam verbleiben wir im Kampfe gegen die schlechte Literatur...

Nur die Anspielung auf Harry Potter nehme ich dir ein bisschen übel. Rowling hat auf einer Seite mehr Plot, besseren Stil und interessantere Charaktere als Meyer in vier Bänden. Wobei das natürlich auch keine große Kunst ist.

Veröffentlicht am 24.11.2009 09:31:13 GMT+01:00
S. Isabelle meint:
Gut geschriebene Rezension, die mich aber nicht davon abhalten wird das Buch torzdem zu lesen ich hab jetzt die ersten beiden Filme gesehen und war torz aller skepsis doch sehr begeistert danach und natürlich möchte ich ach die Bücher gelesen haben.
Ich denke gerade bei Büchern kommt es sehr auf die einzelnen Geschmäcker an, das ist so als würde man Rezensionen zu Lebensmitteln schreiben, der eine isst gerne Spinat, der andere hasst ihn eben.

Veröffentlicht am 24.11.2009 16:15:47 GMT+01:00
Einfach nur treffend !!!
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