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2.0 von 5 Sternen Superhelden-Buchhändlerin, 11. Dezember 2013
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Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Sie kommen!: Ein Blog vom Ende der Welt (Taschenbuch)
VORSICHT! ENTHÄLT EINE MENGE SPOILER! WER NICHTS VOM WEITEREN INHALT DES BUCHES ERFAHREN WILL, SOLLTE NICHT WEITERLESEN!

FSK-Freigabe, wenn dieses Buch ein Film wäre:
- 12

Mögliche alternative Titel:
- Alle lieben Allison
- Opfern wir uns für Allison
- Allison findet das große Glück
- Superwoman-Bookseller
- Allison rettet alle

Am realistischsten ist und bleibt noch das Toiletten-Problem am Anfang des Buches, während Allison noch mit den anderen Protagonisten in der Buchhandlung festsitzt – zugleich ist dieses Problem auch der größte Horroreffekt im Buch, zumindest wohl für jene Leser, die ein Problem mit Fäkalien haben. Ansonsten reiht sich eine unrealistische Begebenheit an die andere, die es schwer erträglich machen, die Darstellung der Heldin irgendwie ernst zu nehmen. Man mag einwenden, daß es sich erstens um einen Roman und zweitens auch noch um einen Zombieroman handelt, so daß eine Verankerung der geschilderten Geschehnisse in der Realität sowieso nicht zu erwarten sei. Was die Idee der Auferstehung von Toten oder die einer Zombieapokalypse betrifft, ist dieser Einwand sicherlich richtig. Dennoch läßt sich m.E. auch gut die Ansicht vertreten, daß auch Romancharaktere psychologisch und sozial glaubhaft handeln müssen, nicht die Grenzen ihrer spezifischen menschlichen Leistungsfähigkeit übersteigen dürfen (zumindest nicht auf Dauer, so daß es zum Normalzustand wird, denn dann hat man eine Superhelden-Geschichte) und die Gesetze der Physik und biologische Gegebenheiten (hier sowohl bezogen auf Menschen wie auf Hunde) eingehalten werden sollten. Wenn dies nicht der Fall ist, wird es m.M. nach dem Leser unnötig erschwert, sich in die Protagonisten einzufühlen, vielmehr kann dies eventuell sogar zu einer Art Abwehr führen, insbesondere dann, wenn die Hauptcharaktere durch unrealistische Handlungen überstilisiert werden und so eher ikonenhaft (im Sinne eines Comics) wirken.
Dies beginnt schon relativ weit vorn im Buch, nämlich wenn Helden-Allison mit einer Axt gleich scharenweise Zombies umhackt. Wohlgemerkt, eine bis dahin untrainierte, diesbezüglich unausgebildete Buchhändlerin ohne jede Kampf- oder zumindest "Holzhackerfahrung". Jeder, der schon einmal Holz gehackt hat, weiß, daß es zumindest am Anfang gar nicht so einfach ist, einen Scheit zielgenau in der Mitte zu treffen (selbst bei der Benutzung eines Handbeils), und er weiß auch, wie anstrengend dies ist. Im vorliegenden Fall wird zudem eine Notfallaxt für den Brandfall verwendet, wie man sie aus amerikanischen Filmen kennt. Die Äxte der Feuerwehr in Deutschland wiegen je nach Ausführung ca. zwischen drei und fünf Kilogramm, und die Annahme ist wohl gerechtfertigt, daß die amerikanischen Äxte nicht unwesentlich leichter sind, da mit den Schneiden vor allem auch Stemmarbeiten durchgeführt werden sollen und die Axtköpfe dementsprechend massiv sein müssen. In einer Notwehrsituation mag das Adrenalin zwar dazu führen, daß auch eine solche Buchhändlerin eine derartige Axt gegen einen Angreifer erfolgreich einsetzen kann, doch in späteren Sequenzen des Buchs verwendet sie die Axt so beiläufig gegen Zombies, daß der Adrenalineffekt hier wohl kaum als Begründung für diese ganz erhebliche körperliche Leistungsfähigkeit (von der psychologischen Belastung ganz zu schweigen) herhalten kann. Warum ist die Autorin nicht lieber auf eine Machete oder einen Säbel (beides könnten Dekogegenstände – wenn auch keine Zierwaffen - im Buchladen gewesen sein) ausgewichen? Warum diese unsägliche Axt, die überdies gar nicht als Waffe konzipiert ist? Soll das ein besonders phallisches Symbol sein? Fragen über Fragen...
Auch empfinde ich es als unrealistisch, daß der Charakter Ned, ein körperlich leistungsfähiger Ex-Militär und zudem noch Ingenieur, es nicht schafft, sich aus einem Lagerraum für Sportgeräte einer Grundschule zu befreien, ja noch nicht einmal auf den ältesten Trick der Welt kommt und einen Herzanfall vortäuscht und statt dessen ergeben darauf wartet, daß ihn eine offensichtlich körperlich weit unterlegene junge Frau rettet, wobei er sich, wie manche wohl sagen würden, anstellt wie eine "Pussy" – passiv und heulend.
Noch hirniger ist die Aktion von Allison the Hero, als sie den Arzt Julian aus den Händen einer selbsternannten Miliz befreit, wofür er ihr gleich zu Füßen liegt, und noch beknackter, daß sie es schafft, diese Bürgerwehr (ausschließlich Männer, allesamt gut ausgerüstet und bewaffnet) mit primitivsten Mitteln und größtenteils im Alleingang auszuschalten (hier: Molotow-Cocktails, von deren Funktionsweise die Autorin jedoch offensichtlich keine Ahnung hat. So läßt sie Julian einige Schrauben usw. in die den Cocktail enthaltenen Flaschen stecken. Dies macht nur Sinn, wenn man davon ausgeht, daß so ein Teil eine Spreng- und Splitterwirkung ähnlich einer Handgranate hat. Das jedoch ist nicht der Fall, es gibt keine tatsächliche Sprengwirkung bei Molotow-Cocktails, so daß die Heldin an dieser Stelle des Buchs eigentlich hätte draufgehen müssen. Dies ist nur einer von weiteren Patzern bei der Recherche). Man fragt sich, ob diese Leute ihre Gewehre nur dabei haben, um etwas Krach zu machen, denn anscheinend sind sie, was das Zielen und Treffen angeht, allesamt inkompetent, von Zufallstreffern, die sich bei wildem Geballer von allein einstellen müssen, einmal abgesehen.
Eher spaßig ist es, daß ein Buchladen Notstromgeneratoren (hauptsächlich zum Betrieb der Überwachungskameras) besitzt, und zwar mit solchem Tankvolumen, daß die Stromversorgung auch über lange Zeit kein Problem darstellt.
Die Idee der Autorin, Allison durch zwei oder drei Wochen Fitneß- und Schießtraining zu einer weitgehend schmerzunempfindlichen Super-Heroine mutieren zu lassen, tut beinahe schon körperlich weh, weil dies die Heldin auch zu völlig schwachsinnigen Handlungen veranlaßt, so z.B. zu der, die Gruppe (die mal eben so ohne jeden Zombieangriff unter freiem Himmel kampiert) zu verlassen, obwohl sie vermutet, daß eine ihrer Rippen gebrochen sein könnte, was in der Realität durchaus tödlich enden kann (doch ach, ihr Herzelein schmerzet das Mägedelein gar so sehr, auf daß sie der Nähe der bösen Hexe fliehe, allein hinaus in die kalten Wälder, huhu. Benimmt sich wie eine Zwölfjährige, deren Schwarm mit einer anderen Eis ißt).

Zu den Zombies:
Die Darstellung der Zombies ist sowohl in Filmen wie auch in Büchern ein wesentlicher Bestandteil, und es scheiden sich die Geister schon allein an der Frage, ob Zombies schnell sein dürfen oder nicht.
Die Zombies hier sind keineswegs das, was man als "schnell" bezeichnen würde. Mal sind sie zwar mehr oder weniger verstümmelt oder auch "angewest", doch sind dies nur sehr oberflächlich beschriebene äußere Effekte, welche die Autorin offensichtlich nur der Vollständigkeit halber erwähnt (mit einer Ausnahme, die am Buchanfang auftritt und sich auf eine ehemalige Kundin des Buchladens bezieht).
Die Zombies sind in keiner Weise irgendwie bedrohlich, und dies ist eine sehr große Schwäche des Buches. Die Autorin schafft es auch nicht ansatzweise, diesbezüglich solche beklemmenden Gefühle hervorzurufen, wie es Romero (und später Snyder) in "Dawn of the Dead" im Film und Monchinski in "Eden" oder Russo in "Untot" und "Die Nacht der lebenden Toten" im Buch schaffen. Auch der zumindest erste Teil von "Tagebuch der Apokalypse" ist hier weit besser, und m.E. überhaupt nicht vergleichbar mit "Sie kommen", auch wenn einige andere Rezensenten dies offensichtlich anders sehen – womit "Sie kommen" aber nun wirklich nicht verglichen werden kann, ist "The Walking Dead". Einen solchen Vergleich kann man schon als Irreführung bezeichnen!
Nun ist es ziemlich schwierig, über etwas zu schreiben, das nicht vorhanden ist, in diesem Falle nämlich die Bedrohung durch die Untoten. Warum sind sie nicht bedrohlich? Versuch einer Erklärung:

- Eine untrainierte Buchhändlerin schafft es, ganze Horden von ihnen mit einer Axt aufzuhalten.
- Andere Protagonisten verwenden Golfschläger und schaffen es locker, sich die Zombies vom Hals zu halten (gegen lebende Menschen eingesetzt können diese Dinger tatsächlich eine tödliche Waffe sein, wie so viele Gegenstände. Bei Zombies muß jedoch bekanntermaßen das Gehirn zerstört werden, ein Schlag auf den Kopf reicht also nicht, der Schädel muß tatsächlich "geknackt" werden, damit eine mechanische Hirnschädigung möglich ist, denn daß Zombies eine Gehirnerschütterung bekommen können und deshalb umfallen, dürfte wohl als Novum angesehen werden und wird überdies auch nicht als Begründung angeführt – was natürlich auch für Baseballschläger usw. gilt).
- Der (unbewaffnete) Lebensmitteldieb Zack schafft es, vollgepackt mit schweren Kartons ewig durch eine zombiefizierte Zone zu laufen, ohne daß er auch nur einmal von den Untoten behelligt wird und ihnen erst dann zum Opfer fällt, nachdem die Heldin (die bei der Verfolgung von Zack samt Begleitung ebenfalls gänzlich unbehelligt bleibt) ihm die Füße abhackt.
- Zombieangriffe werden auf eine Art und Weise beschrieben, die an eine Beschreibung von Tontaubenschießen erinnert, selbst dann, wenn gar keine Schußwaffen benutzt werden.
- Menschen, die den Zombies zum Opfer fallen, sterben relativ kurz und schmerzlos. Alles sehr unblutig. Dabei muß eine gute Geschichte auch keineswegs unnötige Splattereien, die auf Ekeleffekte zielen, enthalten, wenn die Darstellung es auch so schafft, den Leser mitzittern zu lassen. Doch ist dies eben hier genau nicht der Fall. Diese Zombies könnte offensichtlich auch ein Grundschüler mit einer Kinderschere erledigen, sofern er einen Stuhl benutzt, um auf Kopfhöhe zu gelangen.
- Einzelne Zombies oder kleine Gruppen besitzen ein Bedrohungspotential, das selbst für einen Rentner mit künstlicher Hüfte unproblematisch erscheint.
- Zombiegruppen entwickeln nicht (was in anderen Romanen ein immer wieder interessanter Ansatz ist) eine Art gruppengetragene Jagdtaktik o.ä., sie sind einfach nur daherwankende Fleischklumpen, die darauf warten, daß man ihnen freiwillig ins Maul greift oder sie auf völlig einfache Art und Weise einen Kopf kürzer macht.
- Man weiß, daß zumindest der Heldin auch bei Zombie-Kontakt nichts passiert, da sie ja nachträglich in ihrem Blog davon berichtet.

Übrigens wird weder erklärt noch angedeutet, wie es überhaupt zu der Zombieapokalypse kam (dies findet sich erst in wenigen Worten ganz am Ende). Auch ist das "Setting" diesbezüglich äußerst seltsam. Zombiehorden überraschen Leute bei der Arbeit, in Büros, Buchläden, Universitäten, ohne zu erklären, woher diese Dinger plötzlich kommen. Denn es erscheint wohl eher ungewöhnlich, daß massenhaft tote Personen rumliegen, die dann ungehindert auferstehen und rumlaufen können. In den meisten anderen Filmen / Romanen wird hierzu ein unerklärliches, plötzlich auftretendes Massensterben der Bevölkerung bemüht, wobei die Leichen dann anschließend als Zombies wiederauferstehen und Jagd auf die Lebenden machen. Ein zugegeben ausgelutschtes, aber dennoch gut funktionierendes Erklärungsmuster, das immerhin noch besser ist als die hier von der Autorin praktizierte (frei nach Heidegger) "Geworfenheit in eine Situation", vor allem auch deshalb, weil hier wertvolles Potential der Geschichte verschenkt wurde.
Auch äußerst schwächlich ist die psychologische Darstellung der handelnden Personen, insbesondere der Heldin, was hier aber nicht besprochen werden kann, da dann das ganze Buch durchgehechelt werden müßte. Selbstverständlich erwartet man in einem Zombieroman keine tiefere psychologische Untersuchung der Charaktere, doch müssen die Personen irgendwie glaubhaft handeln, damit der Leser dies auch nachvollziehen kann. Dies ist leider kaum gegeben.
Warum z.B. Zack die Lebensmittel stiehlt, ob er damit andere versorgen oder sie in eine sichere Zuflucht bringen will, bleibt völlig unklar. Zack ist einfach nur ein Dieb, obwohl Diebstahl völlig unnötig ist, denn fast alles, was es so gibt, ist nun herrenlos und gehört dem, der es findet. Das Motiv für seine Diebstähle bleibt völlig unklar und der Diebstahl an sich erscheint deshalb einfach nur sinnlos.
(Am Rande kann angemerkt werden, daß auch hier das mehr als fragwürdige, als primitives Rachebedürfnis anzusehende Motiv des Bestrafens-durch-Gefressenwerden vorhanden ist, ebenso wie bei "Grippe" von Simmons, und hier wie dort ist es m.E. gleich verwerflich. Andererseits paßt dies recht gut zum Rest einer wie ich finde fragwürdigen Haltung der Heldin, die immer wieder vermittels der Gedanken, Handlungen und Gefühle der Charaktere durchschimmert. Dies bezieht sich insbesondere zum einen darauf, daß anscheinend niemand ein Problem damit hat, daß die Heldin dem Dieb die Füße abhackt, damit ihn die Zombies kriegen, ja, dieses Verhalten sogar noch gutheißen und die Täterin entschuldigen, ohne zu bedenken, daß der Dieb sich schon selbst damit bestraft hat, daß er durch sein Verhalten sich keiner Gruppe anschließen kann oder früher oder später aus dieser entfernt wird, was zwangsläufig dazu führt, daß er als einsamer Mensch irgendwo in einem Versteck als Zombiefutter enden wird. Statt dessen werden hier apologetisch barbarische Bestrafungsrituale früherer Zeiten bemüht. Zum anderen kommt deutlich zum Vorschein, daß die Autorin entweder nicht verstanden hat, was mit "survival of the fittest" eigentlich von Darwin gemeint wurde oder daß sie eine ganz eigene Auslegung davon in ihrem Werk transportiert, was man als eine Art primitv-psychologisierenden Biologismus bezeichnen könnte – das Überleben verdient nur, wer darum kämpft, "Kämpfernaturen" werden positiv dargestellt, und solche Personen, die führen könnten, dies aber nicht tun, werden als verächtlich dargestellt, so wie Neds Frau. Was hier transportiert wird, mit welcher Absicht und in welchem Bewußtsein auch immer, hebt den Gesamteindruck des Werks nicht gerade an).
Geradezu lächerlich erscheinen in psychologischer Hinsicht die "Gemahlinnen" und auch die Ehefrau von Ned, der natürlich auch nichts anderes zu tun hat, als sich wohlwollend um Allison zu kümmern, so wie beinahe alle vorkommenden Personen ihr gegenüber aufgeschlossen, freundlich, hilfsbereit usw. sind, ja sogar soweit gehen, sich für sie opfern zu wollen (Julian). Und das, obwohl ihr Verhalten oder ihre Person an sich dies keineswegs herausfordert, eher das Gegenteil. Nun ja, die Gemahlinnen – eine Gruppe von religionsfanatischen (nicht etwa fundamentalistischen!) Frauen, die versuchen, am Zufluchtsort mittels Unterwanderung die Macht zu übernehmen. Würden Fanatikerinnen (die in der Darstellung der Autorin allerdings eher wie eine Gruppe von Verrückten rüberkommt) solche subtilen Mittel tatsächlich in der Realität anwenden, wenn sie sich einer anderen und größeren Gruppe gegenüberstehen, die sie zu beherrschen wünschen und dies alles ohne einen organisatorischen Rahmen, in dem sie ihre Mitglieder (durch Wahlvorgänge, Leistung o.ä.) in Machtpositionen hieven können? Wohl kaum. Tatsächlich würden sie wohl schnell auf Widerstand stoßen, wenn die andere Gruppe im Grunde auf sich selbst zurückgeworfen wird, es um knappe Ressourcen geht, um das tägliche Überleben und eine beständige Bedrohung von außen (naja, hier kommt diese Bedrohung eher lahm rüber). Davon abgesehen würde sich natürlicherweise eine weitere Subgruppenbildung ergeben, so daß eine gezielte Unterwanderung völlig ins Leere laufen würde, da sich bis zu diesem Zeitpunkt außer eine kleine Führungsriege noch keine Gruppenstruktur gebildet hat (Führungsriege in Gestalt von Collin und seinem Neffen, wobei unklar bleibt, worauf sich ihr Führungsanspruch eigentlich stützt, sind wohl die geborenen Anführer, deren Macht von allen anderen fraglos anerkannt wird, wobei "die anderen" eine amorphe Masse von Flüchtigen ist, scheinbar ohne besondere Fähigkeiten und Ambitionen, ein Volksvieh, das der weise und ständig uniformierte und bewaffnete Herrscher Collin zu ihrem eigenen Besten verwalten muß; eine Art Lagerverwaltung oder sonst eine Organisationsstruktur gibt es nicht wirklich, schon gar keine Beteiligung. Ein solches Menschenbild ist dermaßen platt, daß man es unter der Tür durchschieben könnte. Außerdem völlig undifferenziert. So bedanken sich Bewohner der Arena bei Allison dafür, Zack den Dieb aus dem Weg geräumt zu haben – alle in der Arena Befindlichen sind also nur gut – mit Ausnahme der Gemahlinnen – obwohl sich auch unter ihnen rein statistisch weitere Diebinnen, Räuber, Vergewaltiger, Mörderinnen usw. befinden müssen, die aber alle anscheinend ihr destruktives Verhalten eingestellt zu haben scheinen. Ja, es gibt noch nicht einmal irgendwelche Streitereien um Ressourcen usw., hier wieder mit Ausnahme der Gemahlinnen). Die Gemahlinnen sind also die Bösen (übrigens auch Collins Ehefrau, obwohl sie gar nichts dazu tut, von der Heldin diesen Status verpaßt zu bekommen; was Religion betrifft, so gibt es bei der Autorin kein Dazwischen, entweder man ist verblödeter Naivling und / oder irre oder man hat damit gar nichts am Hut), und ihre Boshaftigkeit entsteht durch ihre absonderliche religiöse Fixierung, die sie zumindest später als regelrechte Irre erscheinen läßt, was insofern widersprüchlich ist, als daß Irre als solche recht schnell von anderen erkannt werden, weshalb es m.E. besser gewesen wäre, diese Gruppe mit mehr soziopathischen Zügen auszustatten und ihr Verhalten mehr über die Gruppendynamik bzw. die Gruppenentwicklung zu erklären (eventuell aber auch etwas viel verlangt, von einer Absolventin in "Creative Writing und Schauspiel" sozialpsychologische Kenntnisse zu erwarten; aber wofür gibt es andererseits Fachbücher?). Hier nun gehört auch das Verhalten von Neds Ehefrau hin, die sich den Gemahlinnen anschließt, was überhaupt nicht nachvollziehbar ist. Selbst wenn sie vor der Apokalypse eine Trennung von Ned erwogen haben mag, so läßt sich doch nicht nachvollziehen, wieso eine Frau, die bis dahin als geradezu mustergültige Mutter geschildert wird, ihre Kinder widerstandslos von dieser Irrengruppe entführen und sogar mit einer Waffe bedrohen läßt. Wieso läßt diese Frau, die vorher offensichtlich mit Religion nicht viel am Hut hatte, sich von diesen Weibern so einwickeln, obwohl es doch noch eine große Anzahl anderer Personen gegeben hätte, die als Bezugspersonen in dieser bedrohlichen Gesamtsituation hätten fungieren können? Wieso hat Ned, der gut mit Collin kann, ihr nicht eine sinnvolle Aufgabe zuweisen lassen, als er das Davondriften seiner Frau in die Arme der Sektiererinnen bemerkte? Wieso handeln all diese Personen dermaßen dämlich? Gibt es neben dem Zombievirus auch einen Verblödungsvirus? Und wieso steckt Ned den Tod und Verrat seiner Frau mal eben so im Vorbeigehen weg, wohingegen die Heldin den (eventuellen) Verlust ihrer Mutter zu allerlei bizarrem Verhalten hochstilisieren darf?
Doch gibt es noch weitere Blödsinnigkeiten.
Collin z.B., der einen Radiosender des Stadions wieder ans Laufen bekommen hat und als Ex-Militär als geradlinig, praktisch und vorausschauend denkender Anführertyp (im Zivilleben natürlich nichts Geringeres als Professor) dargestellt wird, hat nichts Besseres zu tun, als des Nachts eventuelle Zuhörer mit dem Vorlesen irgendwelcher Bücher zu unterhalten, eingerahmt in schwülstige Durchhalteparolen. Eine brauchbare Wegbeschreibung zur "Arena", also zum Zufluchtsort gibt er jedoch nicht, obwohl er die Leute auffordert, dorthin zu kommen, auch keine weiteren praktischen Tips (wo könnten noch Ressourcen zu finden sein usw.), ein offensichtlich widersinniges Verhalten, das nur als Begründung dazu dient, warum sich die Buchhändler-Heldin mit Abschluß in Literatur"wissenschaft" gerade ihn als zukünftigen Partner ausguckt.

Zudem gibt es einen Haufen an den Haaren herbeigezogenen, völlig unglaubwürdigen Zufällen, von denen die markantesten sind:

- Die Mutter der Heldin schafft es nicht nur, die erste Zeit zu überleben, sondern auch, mit ihr über den Blog Kontakt aufzunehmen, anschließend findet die Heldin in einer völlig chaotischen Stadt die Handtasche ihrer Mutter!
- Die Ehefrau von Collin, in den die Heldin sich verguckt hat, kommt zu einem unpassenden Zeitpunkt am Zufluchtsort an, hat also überlebt – im Gegensatz zu Millionen von anderen Leuten! Natürlich gibt es auch im echten Leben die seltsamsten Zufälle, doch dies wirkt allzu sehr konstruiert, um irgendwie glaubhaft zu sein. Es ist offensichtlich, daß die Ehefrau, die eigentlich nur vorhanden ist und kaum eine Rolle spielt, lediglich eingeführt wurde, um der Heldin erstens einen Grund zum Verlassen der Gruppe zu geben und zweitens als (nicht gelungener) Versuch angesehen werden kann, ihrem Charakter durch emotionale Zwiespältigkeit so etwas wie einen empfindsamen "Huch-ich.habe-Angst-vor-Verlust-und-Zurückweisung-Zug" zu verleihen, der jedoch eher auf emotionale Unreife hinweist als auf "eine starke Frau mit starkem Willen", wie hier sinngemäß ein anderer Rezensent schreibt.

Abschließend etwas zur (auch) enthaltenen Lovestory. Diese ist platt in ihrer Darstellung und erinnert eher an die emotionale Reife von Teenagern. Und falls jemand glaubt, wegen mangelnden Blutgematsches durch einige Sexszenen entschädigt zu werden, der irrt gewaltig.

Selbstverständlich muß in einem Roman, der dem phantastischen Genre zuzuordnen ist, dem Autor bzw. der Autorin eine gewisse künstlerische Freiheit zugestanden werden. Ein getreues Abbild einer möglichen Realität ist nicht möglich und wird auch gar nicht erwartet. Doch hier wurde das Maß eindeutig überschritten, hinzu kommen mehr als fragwürdige Gedankengänge der Protagonistin bzw. der Autorin. Dies ist besonders schade, da der Schreibstil an sich – im Gegensatz zu anderen Büchern des Genres – durchaus lesbar ist und an einigen Stellen tatsächlich glänzen kann (auch wenn die ständigen Anspielungen auf Filme nicht dazu gehören). Doch reicht es dennoch nicht für mehr als zwei Zombieköpfe.
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