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Kundenrezension

8 von 10 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
1.0 von 5 Sternen Buddenbrooks 2.0 ?, 1. Februar 2013
Rezension bezieht sich auf: Die Buddenbrooks (DVD)
Die Neuverfilmung eines Roman-Klassikers hat es naturgemäß nicht leicht vor der Kritik zu bestehen. Wer sich wie Dr. Heinrich Breloer mit Fernseh-Doku-Dramen wie DIE MANNS (2001) zu Recht einen Ruf als Thomas-Mann-Kenner erarbeitet hat und dann damit hausieren geht, muss sich der Kritik vorbehaltlos stellen und sich vor allem an seinen Aussagen messen lassen. Es ist außerdem eine schwierige Gratwanderung einen Roman in einen Film zu übersetzen. Man muss Dinge umarbeiten, Stellen auslassen, einen filmischen Erzählrhythmus entwickeln, kurz, es muss Änderungen geben und das ist auch richtig so. Wenn man nun einen in Deutschland angeblich so beliebten Amphibien-Film dreht, d.h. eine kürzere Kinofassung und einen längeren Fernseh-Zweiteiler gleichzeitig, sollte man sich gut überlegen, wo man die Schwerpunkte setzt. Es ist dabei grundsätzlich richtig den Fokus auf wenige oder auch auf nur eine Person zu richten. Das hat Heinrich Breloer getan indem er Tony, gespielt von Jessica Schwarz im Maria-Schell-Gedächtnis-Modus, in den Mittelpunkt seiner Version rückt. Außerdem fungiert Sohn Thomas als Hauptfigur, ambitioniert verkörpert von Mark Waschke. Das größte Pfund bleibt jedoch die Besetzung von Armin Müller-Stahl als Patriarch. Der Schauspiel-Star schafft es mühelos den Film in seinen Szenen zu dominieren und verleiht der Produktion noch einen Hauch Klasse. Spätestens nach seinem Abgang wird es allerdings unerträglich. Nicht das sich nicht von Anfang an Bedenken einschleichen würden, ob der Postkarten-Idylle und den allzu formelhaften Szenen, die man so oder so ähnlich bereits in einigen anderen Filmen gesehen hat. Es führt gar soweit, das man genau bestimmen kann, wo der Regisseur sich hier bedient hat. Als Beispiel sei die dazu erfundene Ball-Szene genannt, welche offensichtlich bei DER LEOPARD (Luchino Visconti, 1963) entliehen ist. Der Regisseur hat ohne Frage die richtigen Vorbilder. So etwas kann gelingen, wenn es nicht so selbstzweckhaft wirken würde. Dabei stösst während des gesamten Filmes in erster Linie die Kamera-Arbeit des sonst so versierten Gernot Roll (RADETZKYMARSCH, 1994) sauer auf. Die Einstellungen wirken dermaßen glatt und poliert, das man ständig meint, sich in eine ARD-Schmonzette verirrt zu haben. Dramaturgisch gesehen liegt ebenfalls einiges im Argen. Immer wieder pendelt der Film zwischen aufgeblasenen Schicksals-Szenarien, nur um sich dann gleich wieder in gepflegter Belangloskeit zu verlieren. Manche Figuren wirken gar albern überzogen, wie der unselige Justus von Dohnányi als Bendix Grünlich und auch Iris Berben als Bethsy Buddenbrook bewegt sich hart an der Grenze. Hier wird es fast peinlich. Auch Hauptfigur Tony ist in ihren Handlungen oft nur schwer nachzuvollziehen. Selbst August Diehl in der Rolle des unglücklichen Christian Buddenbrook verliert den Kampf gegen das Drehbuch. Ein Film muss in erster Linie für sich bestehen und sollte nicht voraussetzen, das jeder Zuschauer die Roman-Vorlage genau kennt. Auf dieser Ebene versagen die Macher auf ganzer Linie. In der Hoffnung auf einen ausgewogeneren Rhythmus in der Langfassung, kämpft der Film mit denselben Problemen, nur das er einem hier noch mehr Zeit raubt. Was bleibt ist eine seelenlose, zudem verschwenderisch teure Hochglanz-Produktion voller Postkartenansichten auf Soap-Niveau, angerichtet mit einer Kitsch-Soundtrack-Sauce die dem Komponisten um die Ohren gehauen gehört. Der hin und wieder bemühte Vergleich zum Werk DER TOD IN VENEDIG (1971) Luchino Visconti's ist eine bodenlose Frechheit angesichts dieser armseligen Nummernrevue. Hier hat sich einer gründlich verhoben. Für einen Fernsehfilm der Woche mag das genügen, für einen gelungenen Kino-Abend mitnichten.

Fazit:

Dr. Breloer: "Hoppla, jetzt drehen wir einen Klassiker! Vertraut mir, ich kenn' mich aus mit Thomas Mann."

T. Mann: "Schuster, bleib bei deinen Leisten!"
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