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Kundenrezension

74 von 93 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Trostlos, 4. November 2013
Rezension bezieht sich auf: Stoner: Roman (Gebundene Ausgabe)
Vine Kundenrezension eines kostenfreien Produkts (Was ist das?)
Den überschwänglichen Lobeshymnen der meisten Leser kann ich mich leider nicht anschließen. Ich halte "Stoner" für kein überragendes Werk. Dabei hatte ich mich im Vorfeld sehr auf das Buch gefreut, da es thematisch genau meinen Geschmack zu treffen schien. Zudem mag ich kluge, unaufgeregt erzählte Geschichten, die mit ausgefeilten Charakterstudien einhergehen und dem Leser geistig etwas abverlangen. Genau das erhoffte ich mir auch von John Williams Roman.

Ich habe schon viele Bücher gelesen, die in den 60er Jahren entstanden sind, aber "Stoner" sticht daraus klar hervor. Zum einen zeichnet sich das Buch durch eine permanente Trostlosigkeit aus. Kaum erscheint am trüben Horizont von William Stoners Leben mal ein kleiner Lichtblick, ist er einige Seiten später auch schon wieder erloschen. Mit einer absolut unsympathischen Ehefrau gestraft, sitzt Stoner in der Falle und seine Familie mit ihm. Edith Stoner ist eine herrschsüchtige, lieblose und stets unzufriedene Frau, gegen die der gutmütige, friedfertige Stoner so gar nicht ankommt. Seiner Harmoniesucht opfert er sogar Tochter Grace. Er wacht aus seiner Lethargie auch dann nicht auf, als deren Leben in Schutt und Asche liegt. An Wortkargheit sind die Stoners übrigens kaum zu überbieten. John Williams beschreibt die größtenteils sehr merkwürdigen Verhaltensweisen von Edith und Grace nur, liefert aber keinerlei Deutungsmöglichkeiten, so dass beide sehr eindimensional und nicht wirklich glaubwürdig wirken. Die Stoner-Frauen scheinen sogar dem Autor ein Rätsel geblieben zu sein.

Stoner selbst trägt einiges zu seinem katastrophalen Familienleben bei, ist aber zu einer konstruktiven Reflexion nicht in der Lage, sondern beobachtet hauptsächlich, ohne Konsequenzen daraus zu ziehen. Reagiert er doch einmal, dann letztendlich mit Rückzug und Resignation. So verkommen seine Anständigkeit und sein Wille, anderen Menschen mit Respekt und Verständnis zu begegnen, zur leeren, verachtenswerten Hülse eines Schwächlings. Nur beruflich zeigt Stoner etwas Kampfgeist, allerdings nur, wenn er bis zum Äußersten getrieben wird. Sein Job als Assistenzprofessor für englische Literatur an der Universität von Missouri bedeutet ihm alles und gibt ihm den Halt, den er privat nicht findet. Diese Stellen sind lebendiger und haben mehr Dynamik, weil Stoner hier bestimmter und kompetenter auftritt.

Die Lebensgeschichte von William Stoner umspannt mehrere Jahrzehnte (1891-1956) in denen wichtige zeitgeschichtliche Ereignisse stattfanden. Doch das kleine Häufchen historischer Eckdaten, welche sich hauptsächlich auf die beiden Weltkriege beziehen, reichte nicht aus, um mir einen Eindruck des damals vorherrschenden Lebensgefühls zu vermitteln. Während ich Edith irgendwie immer ein wenig viktorianisch angehaucht fand, schien William Stoner schon mit Beginn seiner Studentenzeit in den 50ern zu leben. Die Handlung spielt sich größtenteils auf dem Universitätsgelände und in Stoners Wohnhaus ab. Um diesen fast klaustrophobisch anmutenden Mikrokosmos mit Leben zu füllen, hätte es mehr gebraucht, als die stereotypen Figuren, die John Williams Buch bevölkern. Keine von ihnen durchbricht je ihr angestammtes Verhaltensmuster. Stoner versucht es zwei, drei Mal, muss sich aber letztendlich geschlagen geben. Gordon Finch, der beste Freund Stoners, ist die einzige "normale" Person in dem Buch.

Ich bin nicht davon überzeugt, dass es nötig war, den Roman "wiederzuentdecken". Womöglich war es in diesem Fall berechtigt, dass sich die Leserschaft nicht allzu sehr um das Buch gerissen hat, als 1965 die amerikanische Originalausgabe erschien. Zugestehen muss ich John Williams allerdings, dass er einen wirklich schönen Schreibstil besaß. Ohne eine gute Geschichte ist das jedoch irrelevant. Auch wenn ich damit anecken mag: Ich sehe "Stoner" als ein in elegante Worte verpacktes, aber ansonsten nichtssagendes, von einem verhängnisvollen Fatalismus geprägtes Stück Literatur, das keinen nachhaltigen Eindruck bei mir hinterlassen hat.
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1-7 von 7 Diskussionsbeiträgen
Ersteintrag: 06.11.2013 00:39:22 GMT+01:00
H.Schwoch meint:
Die Handlung spielt übrigens u.a. auch auf der Farm von Stoners Eltern und in St. Louis.

Veröffentlicht am 13.12.2013 18:52:44 GMT+01:00
Mein Abscheu wird durch Euch vermehrt,
o glücklich der, den Ihr belehrt!

Veröffentlicht am 29.12.2013 17:57:01 GMT+01:00
Gaby meint:
Ich gratuliere Ihnen zu dieser ausgezeichneten Rezension und kann mich Ihrer Meinung voll anschließen. Auch ich war sehr gespannt auf dieses Buch und bin letztendlich, trotz des hervorragenden Sprachstils, enttäuscht. Es ist auch meiner Meinung nach wirklich ein von Fatalismus geprägtes Stück Literatur , das beim Lesen fast depressiv macht. Aus den meisten Büchern kann man für sein weiteres Leben etwas mitnehmen. An dieses will ich mich nicht einmal mehr erinnern.

Veröffentlicht am 06.02.2014 21:50:37 GMT+01:00
Zuletzt vom Autor geändert am 06.02.2014 21:51:08 GMT+01:00
Richard meint:
Fatalistisch?

Na ja, Literatur ist nicht dazu da, dem Leser für sein Geld einen-emotional-runterzuholen. Dafür gibt's den Schmonzes von Random House. Da steht dann im Klappentext welche Art von konfektioniertem Gefühl man sich für 9,99 EUR kaufen kann - bisschen Heul, bisschen Selbstmitleid, bisschen Wichs, bisschen Gedärm, bisschen Grusel, unsozeug.

"Stoner" ist so traurig, so schmerzhaft, so vergeblich, dass man sich fragt: Was will ich mit der kurzen Zeit meines Lebens anfangen und wem sag' ich: Verfatz Dich, ich mach's Dir nicht mehr. Erschütternd aber ist, wie sehr man an seinem Ort, in seinen Beziehungen gefangen ist und eben sein Leben nicht ändern kann. Na ja, außer man nimmt so etwas wie "Yes we can!" tatsächlich ernst. Noch'n Drink Babe?

Große Literatur!

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 14.03.2014 11:26:35 GMT+01:00
Zuletzt vom Autor geändert am 14.03.2014 11:27:09 GMT+01:00
aurian_28 meint:
Ich habe schon viel gelesen, sowohl Bücher als auch Rezensionen, große Literatur und Schund. Auffällig ist, daß sprachgewandtes Auftreten gepaart mit Ernsthaftigkeit, Trostlosigkeit und dem daherkommen möglichst kaputter Charaktere immer häufiger gleichgesetzt wird mit großer Literatur. Die darf anscheinend nicht unterhalten, nicht augenzwinkernd daher kommen und schon gar nicht ab und an zum Lachen verleiten.
Unterhaltung bedeutet nicht gleich Plattitüde und das hier eines der depremierendsten Werke, die ich je gelesen habe. Und auch ich werde mich nie wieder daran erinnern. Wenn ich an ruinierten und öden Leben entlang geführt werden möchte, muss ich nur täglich die Zeitung lesen.

Jemandem zu unterstellen, daß er sich besser Wichs und Grusel für 9,99 Euro gekauft hätte, weil er sein (in der Regel) ohnehin ernsthaft herausforderndes Leben nicht noch mit der Trostlosigkeit dieses langatmigen Werkes verbringen möchte, ist mehr als plump. Und ich bezweifle, daß jemand, der auf solche Plattitüden abheben muss, sprachliche Finessen eines Werkes erkennt. Merke: nur weil man am Ende gähnt und sich heruntergezogen fühlt, hat man keine große Kunst gelesen. Und niemand muss sich dafür rechtfertigen, daß er nicht 3 Abende lang pausenlos denken will: Ach wie furchtbar das Leben dieses Mannes ist, alle paar Seiten kommt tatsächlich eine noch schmerzvollere und ödere Erfahrung. Aber erhebend, wie die Trostlosigkeit in allen Facetten beschrieben wird und wenigstens kann ich herumerzählen, daß ich ein literarisch wertvolles Werk gelesen habe ....

Veröffentlicht am 17.03.2014 19:53:45 GMT+01:00
U.R. meint:
Eine sehr gelungene Rezension, die mir aus der Seele spricht. Ich fand das Buch auch trostlos und die Hauptperson ist gut beschrieben als letztlich verachtenswerter Schwächling, der sein Kind im Stich lässt. Dieses Buch hätte ruhig vergessen bleiben können, niemand braucht es.

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 08.05.2014 14:57:49 GMT+02:00
Richard meint:
H. Gardners Kriterien für eine Literaturkritik scheinen mir einfach unpassend. Was meint "Gardner" denn mit von "verhängnisvollem Fatalismus geprägtes Stück Literatur"? Für den Leser verhängnisvoll, für die Moral oder für die Welt? Ich kritisiere diese außerliterarische Dimension von persönlichem Unwillen gegenüber einem literarischen Werk, wie es "Stoner" darstellt. Wenn jemand keine Literatur lesen möchte, soll er sich eine konfektionierte Satisfaktionslösung kaufen, die ihm nützt. Das zu tun steht "Gardner" frei und ist gar nicht kritikfähig.

Auch Sie kritisieren die "Trostlosigkeit" in "Stoner" ja nicht als Literatur, sondern als Mangel an persönlicher Satisfaktion. Öffentlich darzustellen wie "ICH MICH fühle" aber ist ekelhaft und darauf antworte ich auf der mir als sprachlich passend erscheinenden Ebene: Gedärm, Wichs, Grusel, Schmonzes. Insofern sind diese Worte dann auch "sprachliche Finessen".
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