Kundenrezension

17 von 18 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Alles was das Böse braucht... ist, dass gute Menschen nichts tun, 24. Februar 2011
Von Amazon bestätigter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Good [UK Import] (DVD)
Das obrige Zitat steht auf der Hülle des nur im englischen Original erhältlichen Films. Wie wahr.

Johann Halders "Verbrechen" ist, dass er der Versuchung, auch einmal Lob und Anerkennung zu erhalten, nicht wiederstehen konnte.
Der Film beginnt mit einem Blick auf seinen Alltag- kochen, putzen, Kinder bändigen, kranke Mutter versorgen, depressive Frau tolerieren, den Nörgeleien des Schwiegervaters standhalten, an der Uni lehren...ein ganz normales, nerviges Leben in dem das einzige Licht am Horizont in der Gestalt seines Freundes Maurice (Jason Isaacs)erscheint, eines jüdischen Analytikers, der alles tut was Halder verwehrt ist.

Mortensen (Halder) spielt diese Rolle sehr sanft, mit Humor und Demut, jede Geste, jede Bewegung stimmt.
Im Hörsaal erleben wir einen anderen Halder: Er zitiert Proust in fließendem, leidenschaftlichen Französisch, es ist offensichtlich wie sehr er seinen Stoff liebt. Leider ist es der Tag der Bücherverbrennung, und der Dekan informiert ihn, dass Proust nun auf dem Index steht. Ein weiterer Schlag für einen, der schon viel einstecken musste. Wen wundert es da, das er von den Avancen einer Studentin fasziniert ist? Und als die Nazis, denen er eigentlich mit Spott und einer gewissen Verachtung gegenübersteht, seinen Roman über Euthanasie aus Liebe! zur Propaganda nutzen wollen (was sie natürlich gut verpacken und verschleiern), wer kann nicht seine heimliche Genugtuung verstehen? Halder erliegt der Versuchung, langsam, mit Zweifeln und einer sehr nachvollziehbaren Unbeholfenheit.

Endlich ist er Jemand, wird hofiert und beachtet. Maurice und seine zunehmend schwierige Situation sind der einzige Schatten in dieser schönen neuen Welt. Und als der Freund ihn bittet, ihm aus dem Land zu helfen, zögert Halder. Zu lange, wie sich herausstellt. Doch als er herausfindet dass seine schöne, inzwischen schwangere Geliebte Maurice ausgeliefert hat, wacht er endlich auf. Im Konzentrationslager, in dem sich Maurice' Spur verliert, angesichts von unmenschlichen Bedingungen und Gewalt, einem Pandämonium in dem das Lagerorchester Mahler spielt, sagt Halder nur noch einen Satz: "It's real."

Ich hätte ihn während des Films schütteln mögen und empfinde heftiges Mitgefühl für diesen fiktiven Charakter- aber genau das ist der Punkt. Von aussen sieht man die Zusammenhänge, kann sagen: Warum hast du...? Aber in der Situation wären wir vermutlich genauso blind wie Halder es war. Bis zum bitteren Ende.

Ein Film, den man mehr als einmal sehen kann (und sollte), mit einem grandiosen Viggo Mortensen und einem intensiven Jason Isaacs. Das Englisch ist gut verständlich und es gibt auch englische Untertitel.
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1-1 von 1 Diskussionsbeiträgen
Ersteintrag: 05.08.2011 12:00:47 GMT+02:00
Fox meint:
Naja, Sie zeigen da ja schon etwas zu viel Verständnis für diesen Professor wie ich finde. Jeder (oder sagen wir die meisten) von uns haben ihren Alltags-Trott mit Familie/Kindern/kranken Verwandten usw. - und wenn da nun jeder sich ne Geliebte nehmen würde um dieser Situation zu entfliehen, na ich weiß nicht... Und Anerkennung sollte er als Prof. auch gehabt haben, alleine schon über seinen sozialen gesellschaftspolitischen Status. Sein persönliches Fehl-Verhalten ist zu verurteilen, er hat einfach kein Hintern in der Hose. Seine Anpassung an das NS-System mache ich diesem Charakter jedoch nicht zum Vorwurf, so würde fast jeder handeln und so handelt heute auch noch jeder, da braucht man sich nichts vorzumachen.
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