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5.0 von 5 Sternen "Natur, die voll ist zahlloser Ursachen, die niemals in Erfahrung traten." (Leonardo da Vinci), 8. März 2009
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Rezension bezieht sich auf: Eine Kindheitserinnerung des Leonardo da Vinci (Taschenbuch)
Zu Beginn seiner Metaphysik stellte Aristoteles bereits das natürliche Streben des Menschen nach Wissen und mit diesem die Bedeutung der sinnlichen Wahrnehmung fest. Da Vinci ist der Prototyp dieses wissensdurstigen und sinnliche Erfahrung suchenden Menschen. Mit ihm wandelte sich in der Renaissance das Diktum der religiösen Vorherrschaft in die Vorherrschaft der antiken Philosophie und Kunst. Der Drang nach Wissen und Erkenntnis erwachte in Leonardo im Zuge seiner Lebensgeschichte, die Freud (1856-1939) einzigartig und einmalig in dieser psychoanalytischen Studie entfaltet. Wenngleich da Vinci Meisterwerke der Malerei hinterlassen hat, so sind seine Forschungen und Entdeckungen von großer Bedeutung. Insbesondere die Erkundigungen über den Vogelflug sind überaus bedeutsam.

Unehelich geboren, der Liebe des Vaters in frühen Jahren entzogen, der Mutter zugewandt und doch fehlte das Gefühl von Liebe. Liebe konnte nur wachsen unter der Freigabe der Vernunft. Jede Beziehung wurde in den Prüfalgorithmus einer Vernunft gelegt und nur durch ihn in ihrer Sinnlichkeit freigegeben. Sein Leben aus der Sicht Freuds wird an einem Ereignis zur Bedeutung. In seinen Werken bezieht er nur einmal Stellung zu seiner Kindheit und berichtet von einem "Fluge eines Geiers", der (er selbst war im Säuglingsalter) auf ihn hinabstürzte, der mit dem Schwanz seinen Mund öffnete und dann gegen die Lippen stieß. Eine Kindheitserinnerung, die befremdet wegen des Inhalts und wegen der Lebenszeit, in die sie hineingelegt wird. Unschwer ist Freuds Deutung eines Sexualaktes, der Fellatio, zu erkennen und Freud nimmt so die Spur auf, um dieser Erinnerung eine Bedeutung zu geben.

Die ägyptische Mythologie wird fälschlicherweise (Übersetzungsfehler; es ist kein Geier, sondern ein Milan) bemüht, bringt aber einige Einsichten. Die Erinnerung ins Säuglingsalter zu legen, heißt, das Gestilltwerden in den Vordergrund zu stellen und damit verbunden ein Saugen und als Idee eben ein Lächeln der Mutter. Seine Liebe zu Vögeln und zu dem Vogelflug blieb, "weil er schon in der Wiege von einem Vogelflug heimgesucht worden war". Insgesamt prägt dieses Erlebnis stark die homoerotischen Neigungen des Lebens. Zum Weibe fand Leonardo erst wieder, als er die fünfzig Jahre und mehr erreichte. Hier wird das erinnerte Lächeln seiner stillenden Mutter entfaltet im Lächeln der Mona Lisa, der Anna Selbdrittt und vieler anderen Bilder, die dieses bis dahin rätselhafte Lächeln aufnehmen. Vergessen wir nicht, dass alles, zumindest vieles, an allem Leben Zufall ist.

Fazit:
Mag die Aufteilung von der prägenden Zufälligkeit der Kindheit und den Notwendigkeiten des Alters nicht geklärt sein, so scheint hier doch deutlich, das Zufall die unbekannte Rolle spielt, die auch Hamlet reichte zu mahnen, dass es mehr Dinge im Himmel und auf Erden gibt, als Schulweisheit sich träumen lässt. Zu wenig Respekt vor der Natur, so Freud, zeigt der Mensch, die mit Leonardos Worten "voll ist zahlloser Ursachen, die niemals in die Erfahrung traten".
Literatur als Zusammenspiel geheimer Wege zu sehen, heißt, sich von den Bildern Frank Zöllners und den Ideen der Kontingenz Richard Rortys bei Freud (Studienausgabe Bd. 10) einzufinden.
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1-1 von 1 Diskussionsbeiträgen
Ersteintrag: 10.03.2009 17:54:33 GMT+01:00
Zuletzt vom Autor geändert am 11.03.2009 07:36:41 GMT+01:00
kpoac meint:
Hinweis:
Die Philosophenschule von Athen, eines der großen Bilder Raffaels, zeigt eine besondere Zuneigung zu Leonardo da Vinci. Das Zentrum des Bildes bilden die bedeutendsten, alle vorherigen und folgenden Philosophen überragenden Klassiker – Platon und Aristoteles: Platon, der in dieser Darstellung die Gesichtszüge des Wissenschaftlers und Künstlers Leonardo da Vinci hat, mit der "Liebe"-Farbe Rot über violettem Untergewand, weist in den Sphärenhimmel hinauf, der im Timaios beschrieben wird, den er senkrecht unter dem Arm hält; der jüngere Platonschüler Aristoteles, Elementen-farbig in himmelblaues Tuch über erdhaftem Braun gekleidet, weist auf den Betrachter, gemäß der "Ethik", die er von vorne waagrecht auf seine Hüfte stützt. Beide sind im Gespräch einander zugewandt. (nach H. Zimmermann)

Für mich eines der bedeutenden Bilder der Renaissance (1510) in der Stanza della Segnatura des Vatikan, welches auch zeigt, wie das Denken der Griechen, dargestellt als Bild, wieder Einzug gehalten hat. Und so ist der begründete Satz in der Rezension entstanden:
Da Vinci ist der Prototyp dieses wissensdurstigen und sinnliche Erfahrung suchenden Menschen. Mit ihm wandelte sich in der Renaissance das Diktum der religiösen Vorherrschaft in die Vorherrschaft der antiken Philosophie und Kunst. Platon mit den Gesichtszügen von Leonardo darzustellen, ist eine Hommage an den Künstler und Wissenschaftler, aber auch eine unerwartete Gleichstellung mit dem bedeutendsten Philsosphen Platon.
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