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26 von 27 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Klaviermusik in Vollendung, 9. Juni 2010
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Rezension bezieht sich auf: Annees de Pelerinage 1-3 (Audio CD)
Franz Liszt schrieb unzählige Klavierwerke, von denen aber besonders seine L'Années de Pèlerinage herausstechen. Sie stecken voll melodiösen Reichtum, nehmen teilweise den Impressionismus vorweg und spiegeln die Schaffensphasen Liszts deswegen wider, weil er sie weit voneinander getrennt komponiert hat.

In seinem ersten Wanderjahr begab sich der gebürtige Ungar in die Schweiz. Als erstes schildert er die Tellskapelle eindrucksvoll, um sich dann in herrlich pittoreske Landschaftsgemälde zu ergehen. Besonders beeindruckend ist, mit welcher Ausdruckstiefe Liszt es vermag, die ländliche Schönheit darzustellen. Nach einem Sturm kann sich der Hörer an der Beschaulichkeit des Obermanntales erfreuen. Diese Komposition ist durchzogen von einer melancholischen Zartheit, die es als Kern des ersten Années ausweist. Nach zwei weiteren pastoralen Eindrucksschilderungen endet das Stück im andächtigen Läuten der Genfer Glocken.

Sein zweites Wanderjahr führte Liszt nach Italien. Nicht flirrende Hitze und südländische Lebensart ist es, was der Komponist wiederzugeben trachtet; er konzentriert sich vielmehr auf Kunst und Kultur der Halbinsel. Beispielsweise vertont er drei Petrarca Gedichte meisterlich tief empfunden. Weiterhin gibt Liszt in verschwommenen impressionistischen Zügen drei berühmte Gemälde italienischer Künstler musikalisch wieder. Das Herz des zweiten Années aber ist die Sonata quasi Fantasia "Après un Lecture du Dante". Hier beschreitet der Ungar die ganzen Ausdruckswelten der Dichtkunst dieses in weiten Teilen der Welt verkannten Dichters.
Jahre nach Vollendung des zweiten Années ließ Liszt ein Supplement folgen, in dem er seine Reiseeindrücke aus Venedig schildert. Herrliche Klangfetzen, ausgelassene Tänze und tiefe Bewunderung kennzeichnen diese unbekümmerten, fröhlichen Stücke.

Im hohen Alter veröffentlichte Franz Liszt einen dritten Teil seiner Pilgerjahre. Hier konzentriert er sich weniger auf ein bestimmtes Reiseziel, sondern fasst seine Lebenseindrücke synästhetisch und eindrucksvoll zusammen. Man kann diese Komposition fast als eine Essenz seines Schaffens ansehen. Liszt beschreibt in sanften, ausdrucksstarken Bildern seine Erlebnisse und Impressionen bei der römischen Villa d'Este. Besonders Jeux d'Eau sind berühmt geworden. Ansonsten besteht dieser Zyklus noch aus einem genialen Trauermarsch und religiös verkappt abstrakten Stücken, die Liszts Reiseerfahrung metaphysisch deuten. Diese drei Stücke sind voller Andacht, Liebe und Wärme.

Der zu Unrecht ziemlich unbekannte Komponist Lazar Berman spielt diese Stücke technisch perfekt, voll tiefem Verständnis für den Komponisten und voller Gefühl. Sein Anschlag ist sehr angenehm. Die Aufnahme erfreut sich bester Tonqualität.

Fazit: Eine der Sternstunden der Klaviermusik auf Deutsche Grammophon!
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Von 1 Kunden verfolgt

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1-3 von 3 Diskussionsbeiträgen
Ersteintrag: 01.02.2013 18:11:49 GMT+01:00
In einer ausführlichen vergleichenden Besprechung in " Gramophone " bekam diese Interpretation durch Lazar Berman zusammen mit der durch Aldo Ciccolini die herausgehoben Spitzenempgehlung .
Dieser Meinung schliesse ich mich an .
Berman war einer der bedeutensten Liszt - Interpreten . Für mich waren seine Recitals ausschliesslich mit Kompositionen von Franz Liszt Höhepunkte meiner Konzerterfahrungen .
FGB

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 01.02.2013 18:50:10 GMT+01:00
Zuletzt vom Autor geändert am 01.02.2013 18:50:31 GMT+01:00
Andre Arnold meint:
Lieber Herr Bechyna,
Konzerterfahrungen habe ich mit Berman zwar nicht gemacht; doch ich kann die Intensität seiner Darbietungen bestätigen.
Ihnen alles Gute,
André Arnold

Veröffentlicht am 12.01.2014 12:10:11 GMT+01:00
A.C. meint:
... und "ziemlich unbekannt" ist Lazar Berman eigentlich auch nicht... ;-)
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