Kundenrezension

7 von 8 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Mehr als ein Silberstreif, 19. Juni 2009
Rezension bezieht sich auf: Black Clouds & Silver Linings (Special Edition) (Audio CD)
Die erste und einzige Enttäuschung erlebt man beim Auspacken der 3-CD-Edition. Die einzelnen Silbelinge purzeln einem in Papphüllen entgegen. Entfernt man diese und das gelungene Booklet aus der Schachtel, fühlt es sich an, als hätte man eine dürftig zusammengeklebte Billigpappe in der Hand. Zwar geht der Preis für die gebotene Ausstattung in Ordnung, aber ich für meinen Teil hätte lieber ein paar Euro mehr bezahlt, anstatt mich mit einer dermaßen schäbigen Verpackung abspeisen zu lassen.
Glücklicherweise lässt die Aufmachung des Albums keine Rückschlüsse auf seine musikalische Qualität zu.
Die Mitbegründer, Innovatoren, Vorreiter und Legenden des Prog-Metal-Genres spielen auch im 24. Jahr ihres Bestehens progressiven Metal der Extraklasse. Die in der jüngeren Vergangenheit nicht immer gelungene Integration neuer Elemente wirkt nicht mehr aufgesetzt oder dreist kopiert, sondern fügt sich endlich harmonisch in den ohnehin umfangreichen Soundkosmos des Traumtheaters ein. Die Single "A rite of passage" hat ja bereits deutlich gemacht, dass Portnoy & Co. nicht gewillt sind, auf Growls und düstere Härte zu verzichten, deutet doch schon das im Vergleich zu "Systematic chaos" (2007) nicht ganz so großartige Cover-Artwork an, dass Dream Theater heuer keinen Blümchen-Prog-Metal spielen.
"A nightmare to remember" startet sogleich mit einem monumentalen Intro durch, bevor der Song aggressiv über die restliche Distanz gepeitscht wird, wobei ruhige Parts zwischendurch immer wieder angenehm das Tempo rausnehmen und für Abwechslung sorgen. Während ich ihn beim ersten Hördurchgang gar nicht richtig wahrnahm, wurde meine Aufmerksamkeit beim zweiten Mal auf den tollen Refrain gelenkt. "A nightmare to remember" ist bereits mehr ein Song, als es die meisten Stücke auf "Systematic chaos" waren - und gibt damit die Devise für das ganze Album vor.
Die angesprochene Single hatte mich schon im Vorfeld überzeugt. Daran hat sich nichts geändert. Im Gegenteil: "A rite of passage" halte ich von allen eingängigen Songs, die Dream Theater in den letzten Jahren geschrieben haben, für den besten. Umso mehr, als die vergleichsweise dezenten Thrash-Elemente eben nicht mehr nach einer 1:1-Kopie von Metallica, sondern zu jeder Sekunde eindeutig nach Dream Theater klingen.
Mit "Wither" folgt im Anschluss die im Vergleich zu "Forsaken" deutlich geschmackvollere Ballade, was insbesondere dem Verzicht auf einen ähnlich nervtötenden Refrain zu verdanken ist. Hier zeigt sich einmal mehr, dass LaBrie mitnichten ein schlechter Sänger ist, sondern dass Musik und Gesang einfach gut aufeinander abgestimmt sein müssen. Das war in den letzten Jahren nicht immer der Fall, gelingt auf diesem Album aber durchgehend hervorragend.
"The shattered fortress" ist im Grunde keine neue Komposition, sondern eine Aneinanderreihung bekannter Dream Theater - Riffs -und Melodien. Das ist zwar so gewollt, da dies der Abschluss von Mike Portnoys privater "Alkohol macht Birne hohl" - Saga ist, ändert aber nichts daran, dass es dem Titel dadurch an Eigenständigkeit mangelt, weshalb er meiner Meinung nach mit dem restlichen Album nicht ganz mithalten kann.
Die absoluten Höhepunkte haben sich Dream Theater mal wieder für den Showdown aufgehoben.
"The best of times" stellt die melodische Seite der Band in den Vordergrund. Hier beweisen Dream Theater, dass sie auch Longtracks ohne Instrumentalexzesse spielen können. Da zudem der Härtegrad sehr marginal ausfällt, handelt es sich bei "The best of times" im Grunde um eine epische Halbballade.
Den Vogel schießen Dream Theater mit dem finalen "The count of Tuscany" ab. 19 Minuten progressiver Metal vom Feinsten. Mir hat es vor Allem die enorm sphärische Passage im letzten Drittel des Tracks angetan. Diese mündet nach einigen Minuten in chillige Gitarrenklänge, über die sich LaBries warmer Gesang legt. Wenn dann auch noch anmutiges Keyboardspiel einsetzt und eine tief gestimmte Gitarre für Unterfütterung sorgt, ist klar: "The count of Tuscany" ist das Genialste, was Dream Theater seit "Scenes from a memory" (1999) fabriziert haben. Ein Song zum Staunen. Große progressive Kunst!
Insgesamt wirkt "Black clouds & silver linings" kompakter und geschlossener als "Systematic chaos". Klare Strukturen und Kompositionen mit Wiedererkennungswert zeichnen das Album aus und dürften (nicht nur bei mir) für deutlich mehr Rotierungen im Player sorgen als bei dem keineswegs schlechten (nur völlig anderen) "Systematic chaos".
Mit "A nightmare to remember", "A rite of passage", "The best of times" und dem Überhammer "The count of tuscany" sind gleich vier Reservierungen für das nächste Best-Of dabei. Da sich der nicht Best-of-verdächtige Rest lediglich aus der angenehmen Ballade "Wither" und dem mangels Neuigkeiten nicht völlig geglückten "The shattered fortress" zusammensetzt, halte ich die Bezeichnung Ausnahmealbum für mehr als gerechtfertigt.

Neben dem Hauptwerk liegt der hier besprochenen Fassung noch eine CD mit dem Instrumental-Mix des Albums sowie eine weitere Bonusdisk mit sechs Coversongs von Rainbow (Stargazer), Queen (Tenement funster / Flick of the wrist / Lily of the valley), The Dixie Dregs (Odyssey), Zebra (Take your fingers from my hair), King Crimson (Larks tongues in aspic part 2) und Iron Maiden (To tame a land) bei. Diese können, wie das bei Coversongs eben meistens der Fall ist, nicht mit den Originalen mithalten. Eine lohnenswerte Ergänzung stellen sie dennoch dar.
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1-4 von 4 Diskussionsbeiträgen
Ersteintrag: 25.06.2009 07:28:34 GMT+02:00
"Entfernt man diese und das gelungene Booklet aus der Schachtel..."

Bei mir ist das Booklet ins DigiPack hineingeklebt und läßt sich nicht entfernen. Ist das nicht bei allen so?

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 25.06.2009 12:16:04 GMT+02:00
Andre Schuder meint:
Das sollte eigentlich nicht so sein. Wäre ja auch völliger Unsinn. Also da muss bei deinem Exemplar irgendwas schiefgelaufen sein...

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 03.07.2009 08:10:00 GMT+02:00
Ja, wie es scheint, ist das dann doch ein Unterschied zwischem dem einzelnen Digi-Pack und dem in der Deluxe Box, dort gibt es keine "Tasche" für das Booklet, sondern ist reingeklebt. Vielleicht, weil man dort alternativ auch die Rückseite der LP-Hüllen für den Text heranziehen könnte? Schade ist es trotzdem...

Veröffentlicht am 09.08.2009 10:37:06 GMT+02:00
Hi Andre, leider kann ich dich hier nicht persönlich kontaktieren, deswegen entschuldige bitte diese öffentliche Methode. Mir gefallen deine Reviews und dein Engagement. Wir suchen als Metal-Webzine immer gute und motivierte Schreiber, und vielleicht hättest du ja Lust und genügend Freizeit, uns zu verstärken? Bei Interesse kontaktier mich doch einfach mal unverbindlich:

http://www.bleeding4metal.de/?show=impressum#KONTAKT

(als Empfänger bitte Opa Steve auswählen)

Gruß,
Stefan
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