Kundenrezension

4.0 von 5 Sternen Schöner Bildband mit guten Texten zu den unterschiedlichen Facetten dieser schönen, aber vielseitigen Region!, 25. April 2014
Von 
Rezension bezieht sich auf: Südfrankreich : Provence - Côte d'Azur - Languedoc - Roussillon. (Gebundene Ausgabe)
Der schon aus dem Jahr 1989 stammende Bildband war damals ein schönes Weihnachtsgeschenk an mich, bei dem nicht nur die zahlreichen Abbildungen von Südfrankreich in Farbe und z.T. s/w sehenswert sind, sondern auch die Texte der Autoren Martin Thomas, Thorsten Droste und Alfred Pletsch von großem - vor allem kunsthistorischen - Sachverstand zeugen, und in dieser Hinsicht lesenswert sind, weshalb sich dieser Bildband der herrlichen südfranzösischen Landschaft ("Le Midi") mit ihrer enormen Dichte an Kulturdenkmälern aus verschiedenen Epochen und Kulturen, sowie ihrer verschiedenen Klima- und Naturzonen noch immer als absolut würdig erweist.
Ich bin seit Ende der 80er Jahre öfter in Südfrankreich gewesen, und mich befallen wehmütige Erinnerungen beim Anschauen dieses Bildbandes, der auch den "Südfrankreich- Neuling" gut in Wesen, Kultur, Sehenswürdigkeiten und Mentalität Südfrankreichs einzuführen vermag (man sollte sich vor einer Reise - vor allem einer "Rundreise" - vorher gut über Südfrankreich informieren, da sonst dem Besucher viele der absoluten Sehenswürdigkeiten entgehen könnten, die nämlich oft versteckt im "Hinterland" sich befinden, fernab der großen Touristenzentren (wofür die Gegend ja heutzutage vor allem den Menschen hier ein Begriff ist).
Zu der Zeit der (Erst-) Veröffentlichung dieses Bildbandes war Südfrankreich Vielen hierzulande noch immer hinsichtlich seiner eindrucksvollen (auch landschaftlichen) Schönheit und kulturellen Einzigartigkeit/ Vielfalt unbekannt. - Die Kenntnis der Meisten beschränkte sich damals auf die Côte d'azur mit ihren High Society- Treffpunkten, sowie dem Massentourismus. - Dieser bestand damals zum größten Teil aus den Französen selbst - die Deutschen und anderen "Nordeuropäer" benutzten Frankreich meist nur als "Transitland", um weiter Richtung (billigeres (und wärmeres?)) Spanien zu fahren (tatsächlich war Frankreich damals sehr teuer). - Unwissend, was ihnen gerade an dem einzigartigen Südfrankreich entgehen würde!
Im genaueren Sinne beschränkt sich dieser Bildband auf das östliche Südfrankreich (siehe Untertitel!); doch finden hier auch oft die Pyrenäen Erwähnung; ansonsten werden der westlilche Teil Südfrankreichs (der ja auch sehr schön ist) - z.B. Aquitanien - hier nicht thematisiert.
Der Bildband ist KEIN REISEFÜHRER und ist definitiv nicht für den "Standard- Massentouristen" geeignet, der es sich vor allem am Strand der Côte d'azur gut gehen lassen will, die Zurschaustellung des Reichtums der dort oft vorhandenen Reichen bewundern will, aber wenig übrig für Kultur und die landschaftlichen Reize des "midi" hat! Stattdessen geht es hier vor allem um eine kunsthistorische Betachtung dieser Region, sowie die Charakterisierung derselben hinsichtlich Landschaftsbild, Geographie und Flora, sowie auch den literaturhistorischen Bereich (die Fauna (Tierwelt) spielt hier keine Rolle; relativ wenig auch die Wirtschaft; noch weniger die Politik (immerhin wird auf die Erfolge der rechtsextemen Parteien in Südfrankreich ("Front National") hingewiesen, wie auch auf die hohe Arbeitslosigkeit dort); ferner fließen in einigen Texten auch persönlichere Erfahrungen mit diesem vor allem für seine Schönheit geschätzten Land mit ein. Außerdem verzichten die Autoren hier auch nicht auf die Beschreibung und Bewertung auch modernerer Entwicklungen wie z.B. die Entwicklung der Côte d'azur hin zum heutigen Massentourismus, und sparen auch mit direkter Kritik über die "bauliche Verschandelung" und "Verkommerzialisierung" einiger dieser Gebiete nicht.
Die Autoren versuchen hierbei dem (deutschen) Leser möglichst gute Einblicke in dieses Land zu vermitteln, bei dem klar wird, dass es sich bei Südfrankreich um ein "Land der Extreme" handelt, mit seinen verschiedenen klimatischen und kulturellen Bedingungen. - Immerhin gehört z. B. zur Region "Provence - Alpes- Côte d'azur" auch ein großer Teil der Alpen; ferner spielen hier auch der Jura, die Cevennen und die Pyrenäen (?) eine Rolle. - Hierbei kann man sich vor Augen führen, dass in Südfrankreich beileibe nicht nur Sommerurlaub (am Mittelmeer) gemacht wird, sondern dass es auch in den Alpenregionen für seinen echten Wintersport bekannt ist.
Die Autoren gehen meist relativ nüchtern, aber mit großem Sachverstand und Kenntnisreichtum vor. Leider gibt das Buch über die Autoren selbst keine Informationen.

Das Buch beginnt in textlicher Hinsicht mit einem vielleicht etwas kurzen, aber guten Abriss über die Geschichte, Besiedlung, bzw. Eroberung des "Midi": natürlich fand hier schon in der Steinzeit starke Besiedlung statt, bis dann die Kelten hier erstmals in besonderem Maße der ganzen Region auch kulturell für lange Zeit ihren Stempel aufdrücken sollten, wobei die ersten richtigen Städte (z.B. "Massilia" (= Marseille)) an der französischen Mittelmeerküste schon sehr früh vor allem von den Griechen gegründet worden sind. Es sollte dann auch ncith besonders lange dauern, bis die Römer - auf dem Hintergrudn vor allem mit den Kriegen gegen die Karthager - den "Midi" als eine ihrer wichtigsten und frühesten Provinzen dauerhaft annektierten, dabei viel vorherige Kultur vernichteten und Zerstörung anrichteten, aber auch sehr viel aufbauten und die Gegend sehr erfolgreich "Romanisierten"; viele der heutigen Städte gehen auf ihre Gründungen zurück. Heute findet man in Südfrankreich ungefähr ebenso viele Römische Kulturzeugnisse wie in Italien selbst (!). Die Römer prägten auch die ältere Sprachen der Südranzosen, z.B. die "Langue d'oc". In der Völkerwanderung wurde Südfrankreich dann eine Zeit lang von den Westgoten beherrscht, die aber nicht so viele kulturelle Zeugnisse hinterließen. - Immerhin gehen auf sie auch einige der ältesten Kirchen und Klöster Europas zurück, von denen in dieser Region schon vorher die Römer einige erbaut hatten. Auf die Goten folgten die Franken. Im Mittelalter gab es dann eine Zeit lang selbstständige Königreiche, bis der "midi" dann endgültig von Frankreich annektiert wurde.
Ein sehr guter Text handelt dann von der Natur und Bodenbeschaffenheit, sowie (der sehr unterschiedlichen) Botanik Südfrankreichs.
Ein weiterer, aufschlussreicher Text widmet sich Südfrankreichs Entwicklung zu einem Land des modernen Massentourismus.
Ein Text, auf den man dann aber m.E. am ehesten noch verzichten könnte, ist derjenige mit Südfrankreich im Hinblick auf sein literarisches Erbe. Interessanter ist es da schon eher im Hinblick auf die vielen modernen Künstler (unterschiedlicher Nationalität), die sich seit dem 18. Jahrhundert dort niedergelassen hatten, und die meist auch die Gegend, in der sie gewirkt haben, nicht unmaßgeblich mitgeprägt haben (z.B. Cézanne, Van Gogh, Matisse, Picasso, ... - die Liste ließe sich lang fortsetzen).

Im Buch wird deutlich, dass Südfrankreich nicht nur in landschaftlicher Hinsicht außerordentlich schön (und vielseitig) ist, sondern noch sehr viele antike, oft kaum zu übersehene Zeugnisse (vor allem aus der Römerzeit) besitzt, sowie viele nachfolgende, dennoch oft sehr alte Bauwerke, Ruinen, Burgen, Schlösser, und vor allem Kirchen und Klöster. - Gerade auch aus romanischer Zeit noch. Südfrankreich hat so z.B. eine der größten Dichte an alten (oft wirklich faszinerenden) Klöstern.

Der Bildband lenkt den Blick des an Südfrankreich Interessierten auf viele sehens- und wissenswerte Aspekte dieser Region mit seiner so enormen Dichte an Reichtum in kultureller Hinsicht und an landschaftlicher Schönheit, die dem modernen "Massentouristen" viel zu oft verborgen bleiben.
Obwohl der BIldband kein "Reiseführer" (im klasssischen Sinne) ist, so gibt dieser dem Reisenden doch bemerkenswerte Einblicke in das Land, das man so noch mehr kennenlernen und lieben kann, und ist m.E. besser als die meisten "REiseführer", wie man sie z:B. von "Merian" oder "Geo" kennt.
ALlerdings beschäftigt sich der Bildband meist in einer "Umfassenderen", allgemeineren Art mit dem Land. - Von dem enormen kulturellen Reichtum des Landes und seiner landschaftlicher Schönheit kann der Bildband daher nur Ausschnitte geben! Der Bildband kann daher nur "unvollständig" sein, gerade auch, weil er versucht, verschiedene Facetten dieses Lands zu beleuchten. - Dieses ist ihm zwar weitgehend gelungen; jedoch muss schon aus "Platzgründen" hier Vieles unerwähnt bleiben.

Als BILDBAND verfügt dieses Buch über viele Abbildungen; praktisch sämtliche davon sind Fotos. - Von der Natur, sowie Kulturlandschaft und vor allem kulturellen Sehenswürdigkeiten, die das Ziel, die Schönheit und Attraktivität der Region nicht verfehlen. VIele der Fotos sind zudem in s/w, da ein Schwerpunkt dieses Bandes offenbar auch darin liegt, Einblicke über das "frühere Südfrankreich" zu vermitteln. - So findet man hier z.B. selbst (seltenere) Aufnahmen aus dem (Ende des) 19. Jahrhundert. - Doch können gerade auch diese Aufnahmen beeindrucken und Sichtweisen über Südfrankreich geben, die der heutige Tourist natürlich so "live" dort nicht mehr erleben kann. Eine Dimension also, die einen noch "tieferen" EInblick in das Wesen Südfrankreichs erlauben könnte. Viele Aufnahmen sollen auch nur den Alltag des Lebens (und der Arbeit) der Leute in den verschiedenen Gegenden Südfrankreichs hier wiedergeben. - Auch wenn das dann nicht so spektakulär ist wie z.B. einige beeindruckende Panorama- Aufnahmen oder gut fotografierte Kulturdenkmäler.

"Abzüge" gebe ich diesem Bildband dafür, dass er zwar viele beeindruckende Aufnahmen von den verschiedenen Gegenden Südfrankreichs (aus verschiedenen Perspektiven) gibt; jedoch sind einige (auch großformatige) Abbildungen hier sehr banal und können wirklich nicht beeindrucken. - Da hätte man besser unzählige andere Motive abbilden können, über traumhafte Naturansichten oder schöne Kulturaufnahmen.
Dass der Bildband an einem an Natur und Kultur so reichen Land wie Südfrankreich nur "Ausschnitte" geben kann, wurde schon erwähnt.
Der Bildband selbst ist aus dem Jahr 1989. Zwar ist er noch immer gut und das Meiste trifft auch heute noch zu; aber naturgemäß kann der Bildband natürlich nicht mehr die neuesten Entwicklungen in "Midi" wiedergeben; ist also nicht mehr ganz aktuell (es scheint mir allerdings, dass sich in den vergangenen 20 Jahren in "Midi" auch nicht so viel verändert hat; zumindest nicht im Hinblick auf die Themen der Autoren hier).
Eine - recth grobe - karte über die im Buch vorkommenden Gegenden/ Orte findet sich am Ende des Buches. - Es empfiehlt sich aber, zur besseren Verfolgung der Texte eine bessere, detailliertere Karte zur Hand zu nehmen.
Die Texte sind - wie schon gesagt - hier dafür - zumindest meistens - sehr gut und informativ, ohne langweilig zu sein.

FAZIT: Guter Bildband, mit guten Texten, der verschiedene Facetten Südfrankreichs wiedergibt, und gekonnt viele Einblicke in Wesen, Kultur, Natur und Mentalität (und auch Probleme) von "Midi" gibt. Ein Bildband, der kein klassischer "Reiseführer" ist udn sein will, der aber in seiner Qualität weit darüber hinaus geht, und dem es - trotz unterschiedlicher Qualität der Abbildungen - gelingt, dass der Leser der Faszination dieser einzigartigen Landschaft erliegt, und der dadurch Lust bekommt, eine (Kultur-) Reise in diese gleichsam schönen wie auch historischen Gegenden zu unternehmen. - Was er sicherlich auch nicht bereuen würde!
Der Bildband kann daher zu einer Intensivierung des "Erlebnisses Südfrankreich" beitragen (auch wenn er natürlich nicht das einzige Medium sein sollte, das man sich auf dem Hintergrund einer Südfrankreich- Reise beschaffen sollte!).
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