Kundenrezension

43 von 53 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Das Hintergrundleuchten Alt-Europas, 26. November 2011
Rezension bezieht sich auf: Das Rätsel der Donauzivilisation: Die Entdeckung der ältesten Hochkultur Europas (Gebundene Ausgabe)
In der langen Reihe seiner Veröffentlichungen hatte sich der renommierte Sprachforschers Dr. phil. habil. Harald Haarmann bereits zweimal schwerpunktmäßig mit der alt-europäischen Donauzivilisation befasst: "Geschichte der Sintflut: Auf den Spuren der frühen Zivilisationen und "Einführung in die Donauschrift. Nunmehr legt Haarmann das vollständiges Puzzle einer 7 Jahrtausende alten Zivilisation vor...

Gleich zu Beginn des Buches überrascht der Autor seine Leser mit einer Dokumentation des Kulturniveaus der Alteuropäer, das neben manchen Überraschungen auch etliche Rekorde im weltweiten Vergleich zu bieten hat. So entstanden die ältesten Großsiedlungen von Stadtgröße nicht in Mesopotamien, sondern in Alteuropa. Larissa und Varna sind mit ihren Siedlungsspuren als kontinuierlich bewohnte Orte doppelt so alt wie Athen oder Rom. Neben Einfamilienhäusern mit mehr als 100 qm Grundfläche erbauten die Alteuropäer die ersten zweigeschossigen Reihenhäuser der Welt . Das Töpferrad als Vorläufer der Töpferscheibe wurde in Alteuropa entwickelt und tritt erst später als technische Erneuerung in Mesopotamien auf. Neben den ersten verwendeten Rollsiegeln, wurden auch die ersten Brennöfen zur Herstellung hochwertiger Keramikprodukte zuerst in Alteuropa in Betrieb genommen. Im ausgehenden 6. Jahrtausend v. Chr. wurde die Technologie des Metallgusses erstmals in Alteuropa angewandt. Hier wurden auch die frühesten Systeme zur Notation von Zahlen und ein Schriftsystem entwickelt. Bereits Jahrtausende vor den Griechen der Antike wurde kelterten die Alteuropäer Wein und aßen Kirschen, Erbsen und Petersilie.

Beginnend bei den frühen Ackerbauern in Südosteuropa mit denen der Übergang zum Neolithikum einsetzte, beschreibt Haarmann die Entwicklung, Aufstieg, Errungenschaften, Niedergang und kulturelle Nachwirkungen der Donauzivilisation in elf Kapiteln. Durch Kontakte über die einstige Landbrücke am Bosporus, die durch "die Sintflut" um 6700 v. Chr. eingerissen werden sollte, begann die formative Periode Alteuropas, die schließlich einige Regionalkulturen entstehen ließ. (Eine Synopse zeigt die Kulturchronologie Südosteuropas im Neolithikum und Chalkolithikum). Im zweiten Kapitel begibt sich Haarmann auf die Spuren der (vor-indoeuropäischen) Alteuropäer, die diese im genetischen Fußabdruck und späteren Sprachen hinterlassen haben. Der Wirtschafts- und Lebensraum mit seinen Handelsgütern und -routen, Architektur und Siedlungen, sowie Kultstätten und Gräber ist das Thema von Kapitel der. Während sich Kapitel vier ausführlich mit Handel und Kunst beschäftigt, setzt sich das fünfte Kapitel mit Fragen zum Matriarchat oder Matrilinearität , Familien und Sippen in einem Modell einer egalitären Gesellschaft auseinander. Religion und Mythologie mit dem Weltbild von Wildbeutern und Ackerbauern, weiblichen Gottheiten, Stierkult und andere Ritualen sind Gegenstand des sechsten Kapitels. Nachdem im siebten und achten Kapitel das Zählen, Messen und Registrieren sowie die Erfindung der Schrift thematisiert werden, bietet das letzte einen Einblick in die politischen und kulturellen Umbrüche ab ca. 4500 v. Chr., die zum Niedergang der Donauzivilisation führen sollten. Durch den balkanisch-altägischen Kulturdrift konnte jedoch ein Netz von kulturellen Traditionen und Technologien in den ägäischen Raum gelangen. Neben handwerklichen Technologien, der Architektur und der Anlage von Siedlungen, Sprache,Kommunikation und Schriftsystemen ist hierbei vor allem an die große Göttin und ihre Töchter, aber auch das Geheimnis der minoischen Doppelaxt zu denken.

timediver® konnte sich bereits bei einem Besuch des Archäologischen Museums in Varna/Bulgarien (2006) - wo der älteste Goldschatz der Menschheit ausgestellt wird - und bei Besuchen der Archäologischen Museen von Iraklio/Kreta (1989/2002), Athen (1995) und Nicosia/Zypern (1992, 1994, 2011) vom "Hintergrundleuchten Alteuropas" (so Haarmann in seinem Epilog) überzeugen.

Der mit einem 15seitigen Literaturverzeichnis abschließende, reich illustrierte Band ist mit 5 Amazonsternen zu bewerten.
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Kommentare


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1-2 von 2 Diskussionsbeiträgen
Ersteintrag: 01.03.2012 11:23:39 GMT+01:00
M. Ablinger meint:
Also, dass die Alt-Europäer Kirchen aßen, glaube ich nun doch nicht, aber aufgrund dieser umfassenden Beschreibung werde ich mir das Buch wohl trotzdem besorgen. Klingt sehr spannend...

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 01.03.2012 13:29:47 GMT+01:00
Zuletzt vom Autor geändert am 01.03.2012 13:31:39 GMT+01:00
timediver® meint:
Liebe "Bücherfee",

Sie haben selbstverständlich Recht, denn dies wäre ein harscher Anachronismus, da es seinerzeit noch keine Kirchen gegeben hatte. Ich glaube auch nicht, dass sie heute schmecken würden. Meinen freud'schen Schreibfehler habe ich korrigiert. Vielen Dank für Ihr aufmerksames Lesen der Rezension.

Herzliche Grüsse,
timediver®
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Ort: Oberursel/Taunus, Europe

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