Kundenrezension

4 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Nicht für die Masse aber dennoch großes "Kino", 15. Februar 2013
Rezension bezieht sich auf: Music for the Masses (Audio CD)
VORWORT:

Mit Black Celebration hatten Depeche Mode ihre "Industrial-Trilogie" abgeschlossen. Drei Alben, die vorallem durch metallische Sounds und dem großzügigen Einsatz des Sampling lebten. Es waren die Jahre, in denen sich die blassen Buben von einst ("Speak & Spell", "A Broken Frame") in die, in Leder gekleideten Männer verwandelt hatten. 1986 war ebenfalls das letzte Jahr in den Berliner Hansa-Studios, wo die Band einiges zum Album beisteuerte. Neben dem "Ziehvater" Daniel Miller (Mute-Chef) und Produzent Gareth Jones, wurde auch Alan Wilder, seit 1982 in der Band, immer mehr in die Studioarbeit integriert.

MUSIC FOR THE MASSES:

Depeche Mode nahmen ihr folgendes Album in Paris auf und mischten es in den dänischen PUK-Studios ab. Weit abgelegen auf dem Land, entstanden einige ihrer bis heute größten Hymnen. Unterstützt von Produzent Dave Bascombe (Tears For Fears), wurde 1987 mehr Wert auf Minimalismus gelegt, wenngleich auch auf ihrem sechsten Studioalbum noch immer diverse Scheppersounds zu hören waren.

In den 80ern war der reine Gitarrenklang bei DM noch sehr verpöhnt: so jagte man Gores Gitarrenparts durch diverse Effektgeräte und hatte schließlich das berühmte Intro zu "Never Let Me Down Again". Ein Song, der wohl wie kaum ein anderer die Stärken der Band bündelt. Inspiriert wurde der Drumsound übrigens von Led Zeppelins "When The Levee Breakes". Nach dem großen Finale des Openers folgt eine traurige Ballade. "The Things You Said" bringt einen wieder auf den Boden zurück, während Martin Gores zerbrechliche Stimme einen Gefangen nimmt. Für mich, einer seiner schönsten Songs. "Strangelove" ist ein richtiger Tanzsong, dabei aufregend und kühl zugleich. Eigens für das Album wurde der Song allerdings noch überarbeitet, da die Band mit der schwachen Platzierung der Vorabsingle unzufrieden war.

"Little 15" ist zusammen mit "Behind The Wheel" und "Nothing" ein gutes Beispiel für die Veränderung der Band. Diese Songs haben eine geradezu starre Monotonie. Alles klingt sehr mechanisch, fast schon steril und auf den Punkt genau. Sänger Dave Gahan wirkt auf diesem Album stimmlich reifer und singt hypnotisch seine Strophen, während starre Beats und kühle Kraftwerk-Ästhetik den Rahmen bilden. Daneben reihen sich reizende Melodien ("Sacred"), unheimliche Klänge ("I Want You Now", "To Have And To Hold") und zu guter letzt ein rein Instrumentales Klanggewitter ("Pimpf"). Gerade dieser Abschluß überzeugt mich nach wie vor mit seinem schaurigen Chor und den, ebenfalls am Synthie entstandenen Orchesterklängen - DM goes Wagner!

F A Z I T:

Mit "Music For The Masses" waren DM endgültig erwachsen geworden und verzauberten mit einem Mix aus Schwermut, Minimalistik und Eingängigkeit. Zusammen mit dem Nachfolger lieferte die Band mit diesem Werk ebenso den Soundtrack einer aufkommenden DJ-Generation, vorallem in den USA. Das, was DM immer etwas von den übrigen Synthiepoppern der 80er unterschied, waren zum einen die Texte von Martin Gore sowie der düstere Grundton ihrer Songs. So etwas wie The Cure im Bereich: elektronische Musik.

Warum nur vier Sterne? Naja, das "Masses" seine Qualitäten hat ist nicht von der Hand zuweisen. Dennoch ist es für meine Begriffe eher so eine Art Übergangsalbum. Wo der Vorgänger all das perfektionierte, was mit "Construction Time Again" und "Some Great Reward" begonnen hatte, so war es wiederum "Violator" (1990) welches den neuen Weg, der mit "Masses" beschritten wurde, konsequent abschloss. Die große Kunst dieser Band war es ab Mitte der 80er, das sie mit ihren Werken eine Spannung erzeugte. Ich höre Depeche Mode-Alben gerade wegen des Ganzen und nicht wegen einzelner Hits. Diese Spannung wird zwar auch auf "Masses" erzeugt, doch hin und wieder vermisse ich das "warme" auf dieser Platte. Selbst ihr düsterstes Werk "Black Celebration" hat mit seinen bittersüßen Mollharmonien und den nahtlosen Übergängen mehr Wärme und Geschlossenheit als der Nachfolger. "Masses" steht dagegen für Bombast, Veränderung und einen gewissen Dance-Appeal (was für ein Wort :) Alle Songs sind hörenswert, doch wo einerseits große Hymnen und bezaubernde Ausreißer ("Never Let Me Down Again", "Little 15") stehen, so mangelt es anderen Songs ("Strangelove", "Sacred", "Nothing") ein wenig an Seele. Dennoch, für Einsteiger in den DM-Backkatalog ist Music For The Masses ein Pflichtkauf.
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