ARRAY(0xa7666720)
 
Kundenrezension

14 von 19 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Sängerisches Highlight in problematischer Inszenierung-wieviel Märchen braucht eine Märchenoper?, 13. Oktober 2012
Rezension bezieht sich auf: Humperdinck, Engelbert - Königskinder [2 DVDs] (DVD)
Braucht eine düstere Märchenoper zwingend eine kindlich märchenhafte Optik? Daran werden sich die Geister scheiden. Nach meiner Erfahrung erwarten Liebhaber von Märchenopern die traditionelle Optik noch um ein Vielfaches mehr im Vergleich zu anderen Opernliebhabern. Ihre Erwartungshaltung ist stets bildhaft auf Naturalismus fixiert, eine inszenatorisch assoziative Leistung im Bereich der Interpretationsmöglichkeiten wird nicht geduldet. Dem Anspruch auf eine naturalistische Bühnenoptik genügt diese optische Umsetzung von Jens-Daniel Herzog nicht einmal ansatzweise. Ein karg stilisiertes Bühnenambiente ist alles, was den Zuschauer erwartet. Insofern für jeden, der Naturalismus, den märchenhaften Aufputz erwartet, eine Aufführung, die nicht die Erwartungen erfüllt. Allein aus dieser Perspektive kann ich auch die Ablehnung dieser Inszenierung verstehen.
Dafür wird eine glänzend interaktionistisch singschauspielerische Leistung geboten, der Raum als psychisch lastende Düsternis, als ein Grundbefindlichkeitsstatus der Oper. Die Singschauspieler in jeder kleinen Gestik im Zentrum des Geschehens.

Sängerisch insgesamt große Klasse. Liliana Nikiteanu und Oliver Widmer können überzeugen. Glänzend Isabel Rey und ein sängerisches Statement der absoluten sängerischen Spitzenklasse, Jonas Kaufmann. Eine sehr farbstarke, sensible, strukturelle Auslotung der Rolle, mit souveräner sängerischer Leistung. Man könnte die Stimme für diese Rolle als zu heldisch erleben, aber das würde dann alternativ konsequent, die Besetzung mit einem sehr jungen, leichten Tenor bedeuten, dem aber in aller Regel die stimmliche Aura fehlt.

Ein absoluter Glanzpunkt die Leistung von Ingo Metzmacher als Dirigent, der die Musik zu einem emotional grundierenden Erlebnis gestaltet. Große Klasse.

Wer also auf ein naturalistisches Bühnenbild nicht verzichten kann, sollte von dieser Aufführung absehen. Aber er verpasst damit auch sängerische und orchestrale Leistungen der Spitzenklasse.
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen 
War diese Rezension für Sie hilfreich? Ja Nein

[Kommentar hinzufügen]
Kommentar posten
Verwenden Sie zum Einfügen eines Produktlinks dieses Format: [[ASIN:ASIN Produkt-Name]] (Was ist das?)
Amazon wird diesen Namen mit allen Ihren Beiträgen, einschließlich Rezensionen und Diskussion-Postings, anzeigen. (Weitere Informationen)
Name:
Badge:
Dieses Abzeichen wird Ihnen zugeordnet und erscheint zusammen mit Ihrem Namen.
There was an error. Please try again.
">Hier finden Sie die kompletten Richtlinien.

Offizieller Kommentar

Als Vertreter dieses Produkt können Sie einen offiziellen Kommentar zu dieser Rezension veröffentlichen. Er wird unmittelbar unterhalb der Rezension angezeigt, wo immer diese angezeigt wird.   Weitere Informationen
Der folgende Name und das Abzeichen werden mit diesem Kommentar angezeigt:
Nach dem Anklicken der Schaltfläche "Übermitteln" werden Sie aufgefordert, Ihren öffentlichen Namen zu erstellen, der mit allen Ihren Beiträgen angezeigt wird.

Ist dies Ihr Produkt?

Wenn Sie der Autor, Künstler, Hersteller oder ein offizieller Vertreter dieses Produktes sind, können Sie einen offiziellen Kommentar zu dieser Rezension veröffentlichen. Er wird unmittelbar unterhalb der Rezension angezeigt, wo immer diese angezeigt wird.  Weitere Informationen
Ansonsten können Sie immer noch einen regulären Kommentar zu dieser Rezension veröffentlichen.

Ist dies Ihr Produkt?

Wenn Sie der Autor, Künstler, Hersteller oder ein offizieller Vertreter dieses Produktes sind, können Sie einen offiziellen Kommentar zu dieser Rezension veröffentlichen. Er wird unmittelbar unterhalb der Rezension angezeigt, wo immer diese angezeigt wird.   Weitere Informationen
 
Timeout des Systems

Wir waren konnten nicht überprüfen, ob Sie ein Repräsentant des Produkts sind. Bitte versuchen Sie es später erneut, oder versuchen Sie es jetzt erneut. Ansonsten können Sie einen regulären Kommentar veröffentlichen.

Da Sie zuvor einen offiziellen Kommentar veröffentlicht haben, wird dieser Kommentar im nachstehenden Kommentarbereich angezeigt. Sie haben auch die Möglichkeit, Ihren offiziellen Kommentar zu bearbeiten.   Weitere Informationen
Die maximale Anzahl offizieller Kommentare wurde veröffentlicht. Dieser Kommentar wird im nachstehenden Kommentarbereich angezeigt.   Weitere Informationen
Eingabe des Log-ins
 

Kommentare


Sortieren: Ältester zuerst | Neuester zuerst
1-10 von 28 Diskussionsbeiträgen
Ersteintrag: 16.10.2012 17:21:03 GMT+02:00
Helma meint:
Aber das Bühnenbild ist doch sehr naturalistisch. Nur hat es leider nichts mit den Angaben der Librettistin zu tun:-(

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 16.10.2012 19:33:07 GMT+02:00
Zuletzt vom Autor geändert am 17.10.2012 11:34:56 GMT+02:00
Unter Naturalismus im Opernbereich bzw. in der Theatergeschichte, versteht man eher den historischen Naturalismus in der Mitte des 19. Jahrhunderts. Eine Inszenierung wie diese würde man im Gegensatz zum historischen Naturalismus mit - modern - klassifizieren. "Nicht im Naturalismus" ist hier also gleichbedeutend mit nicht vorhandener romantischer Märchenoptik traditioneller Inszenierungen. Der Regisseur verwendet zwar profane Objekte des Alltags, aber er benutzt diese als eine Art "pars pro toto" - Teile für das Ganze - Objekte, arbeitet Stimmungsbilder heraus, verwendet Symbolik. Ob man dem Librettisten nur in bildlich konkret optischer Weise entsprechen kann oder ob das auch assoziativ geht, in dem man Räume "psychisch" inszeniert mit Düsternis, Bedrückung etc., ist immer wieder das Streitobjekt unter Opernliebhabern. Allerdings ist das eine gängige Verfahrensweise in der Rezeptionsgeschichte von Opern, die aber viele nicht mögen. Wer diese assoziative Ebene des Inszenierenden nicht nachvollziehen kann oder will, wird seinem Einfall nichts abgewinnen können. Infolgessen kann man diese Inszenierung natürlich auch ablehnen, wie ich ja auch geschrieben habe. Mein Schwerpunkt bei der Bewertung war, wie in der Regel bei allen Rezensionen, der musikalisch sängerische. Unter den Blu Ray Rezensionen dieser DVD werden Sie eine finden, deren Autorin bekundet, daß sie zuerst irritiert war, sich dann aber in die Optik einarbeiten konnte. So jedenfalls ihre Darstellung. Menschen können eben die gleiche Optik wie auch Sänger extrem unterschiedlich erleben. Diesbezüglich lernt man immer wieder dazu. Liebhaber von Märchenopern möchten fast immer das konkrete, optisch zwingend romantische Märchenbild ihrer Kinderzeit, daß alles genau benennt und plastisch macht. Man kann ein Märchen aber auch mit dem Subtext, dem Hintergründigen verstehen und diesen inszenieren, hier die gesellschaftskritische Ebene von hoher und niederer sozialer Herkunft. Jedes Märchen hat ja eine vordergründige Seite und eine hintergründige. Die vordergründige ist allein auf Optik fixiert, die Hintergründige fragt weiter und anders nach Strukturen, die mit dem Märchen dargestellt werden. Etwa Über-oder Unterordnungsverhältnisse, Zwänge der gesellschaftlichen Verhältnisse derZeit und vieles mehr. Es gibt auch psychoanalytische Märchendeutung. Z.B. Eugen Drewermann hat diese Analyse in einem Buch - Märchen von Heilung und Hoffnung - vorgenommen. Es gibt aber auch jede Menge anderer Literatur, die die Funktion von Märchen aus verschiedenen Perspektiven beleuchten.
Freundliche Grüße

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 21.10.2012 18:59:05 GMT+02:00
Helma meint:
Oh, ich möchte nicht nur Märchenopern so sehen wie es im Libretto angegeben ist, sondern auch alle anderen Opern - und Schauspiele auch.

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 22.10.2012 11:59:43 GMT+02:00
Zuletzt vom Autor geändert am 22.10.2012 17:04:28 GMT+02:00
Das ist ja grundsätzlich nachzuvollziehen, aber mit einem entscheidenden Aspekt. Ein Libretto beinhaltet immer Text und Subtext, das "was zwischen den Zeilen steht" und das konnte zu Zeiten der Zensur, die ja Jahrhunderte bestand, nicht im konkreten Text verarbeitet werden. Nur in einem Rechtssystem, wie auch dem heutigen in Deutschland, gilt eben die Freiheit der Kunst. Der Subtext gibt Auskunft über das Hintergründige, das Beziehungsgeflecht zwischen Personen, oft als Ausfluß gesellschaftlicher Über-oder Unterordnungsgegebenheiten wie z.B, hierarchische Strukturen, Rollenverständnis zwischen Mann und Frau, die Rezeptionsgeschichte einer Oper usw.. Das ist vielen nicht bekannt, weil der Subtext näheres Wissen über die Entstehungsumstände eines Werkes in seiner Zeit und einiges mehr verlangt. Nicht traditionelle - romantisierende- Inszenierungen werden oft auch aus dem Subtext gestaltet. Diese Unkenntnis führt bei vielen Opernbesuchern zu Irrtümern, sie sprechen von Verfälschung. Jedes Libretto ist auch Ausdruck der gesellschaftspolitischen Gegebenheiten seiner Zeit. So ist z.B. auch Richard Wagner mit "niemand könne dichten ohne zu politisieren" zitiert. Es wäre hilfreich, wenn dieser Subtext kommuniziert würde, was leider in den meissten Beilagen zur DVD nicht erfolgt oder mangelhaft ist.
Die Vorstellung, daß ein Libretto "blank" wörtlich eine bestimmte Optik zwingend macht, entspricht nicht den faktischen Gegebenheiten der Operngeschichte. Genauso wie ein Maler "seine Welt" z.B. gegenständlich oder abstrakt, impressionistisch oder expressionistisch oder surreal darstellt, genauso setzt ein Regisseur seine Sicht auf ein Libretto mit Text und Subtext um. Auch die bühnenbildliche Umsetzung ist stetig im Wandel der Zeit, es gibt - da alles Interpretation ist - Optik, Musik als auch die spezielle, optisch romantische Umsetzung - kein falsch oder richtig.
Es ist auch nicht richtig, daß die Inszenierung aus dem Subtext ein "Kind der Neuzeit" ist, wie oft behauptet. Diese Inszenierungen gab es schon ab ca. 1920.
Natürlich ist es legitim, nur romantische oder historisierende Umsetzungen sehen zu wollen, aber das ist eben nur das "halbe" Leben in rein musealer und nicht gesellschaftlich ankoppelnder Umsetzung.
Persönlich können mich historisierende Umsetzungen genauso begeistern wie neuzeitliche, aus dem Subtext.
Freundliche Grüße

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 23.10.2012 09:26:41 GMT+02:00
Helma meint:
Freiheit der Kunst? Wenn dem wirklich so wäre, dann würde auf werktreuen Inszenierungen nicht derart rumgeknüppelt werden.

Was wir hier heute haben, das ist die Diktatur eines Selbstanspruchs des Regietheaters unter dem Deckmantel der Kunst. Und hören Sie bitte auf den Opernliebhabern, die dieser Zwangsbeglückung nichts abgewinnen können "Unkenntnis" vorzuwerfen.

Und was das "Museale" angeht: Allein diese Inszenierung hier ist verstaubt bis zum geht nicht mehr. So etwas habe ich schon vor 20 Jahren gesehen. Nein, Herr Seidel: Sie liegen falsch! Bühnenbidlliche Umsetzungen unterliegen wohl einem Wandel der Zeit, aber sie haben nie die Stücke derart gegen den Strich gebürstet, wie es heute zu 99 Prozent leider der Fall ist!

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 23.10.2012 10:11:45 GMT+02:00
Zuletzt vom Autor geändert am 23.10.2012 11:28:03 GMT+02:00
Sehr geehrte Dame,
ich kommentiere in aller Regel keine Rezensionen, sondern reagiere lediglich darauf, wie auch bei Ihnen. Ich unterstelle auch nichts, sondern argumentiere an Fakten, die jederzeit selbst recherchiert werden könnten, weil sie wissenschaftlicher Fundus sind.
Ich habe auch nicht den positiven Ausnahmestatus dieser Inszenierung propagiert, sondern aus der musikalischen Qualität gewertet.
Was die Unkenntnis vieler Opernbesucher betrifft, so ist die ein Fakt, die man aus den entsprechenden Einlassungen auch in vielen Foren problemlos ablesen kann. Eine Inszenierung kann zwar nicht gefallen, aber die Fundamentalterminologie wie Verfälschung, Verhunzung, Vergewaltigung ist immer die gleiche. Man kann zwar nicht von jedem Hintergrundkenntnis verlangen, aber Kunst läßt sich nunmal nicht auf den kleinsten gemeinsamen Nenner reduzieren.
Man kann natürlich auch behaupten, die Erde sei der Mittelpunkt des Universums, auch das wird dann zur subjektiven Wahrheit, objektiv natürlich nicht. Auf diesen Ebenen bewegen sich bestimmte Vertreter der alleinigen Wahrheit.

Ich will niemanden bekehren, aber Sie müssen sich schon Fakten anhören, die wissenschaftlich belegt sind, wenn Sie initiativ kommentieren. Wenn Sie lediglich emotional agieren wollen, steht Ihnen das natürlich frei. Diese Art der emotionalen Selektion von Realitäten ist mir bekannt, dagegen kann man nicht argumentieren, deren Vertreter sind Gläubige, die faktenresistent sind. Sie glauben an ihr Bauchgefühl, das steht jedem frei, hat nur mit Fakten nichts zu tun.
Wenn Sie von Zwangsbeglückung sprechen, müssen sie schon aus Ihrem rein emotionalen Dunstkreis treten. Die Kunst ist bei uns glücklicherweise frei. Sie müßten dann schon die staatlichen Stellen benennen, die konkret eine Inszenierung verhindert haben, weil sie traditionalistisch ist. Wenn der Zeitgeist nunmal andere Inszenierungen bringt, die mir beileibe auch nicht alle gefallen, wie Sie an meinen Rezensionen unschwer ablesen könnten, dann muß man damit leben. Erst jüngst habe ich eine brillante, traditionalistische Meistersinger Inszenierung von Mc Vicar gesehen, ebenso seine Adriana Lecouvrour, sein Troubadur und viele andere mehr.
Sie meinen nicht Regietheater, das gab es notwendigerweise immer, sondern interpretatorisches Theater, das aus dem Subtext inszeniert. In diese Diskussion will ich nicht einsteigen, denn ich kenne die Verfechter der angeblichen Werktreue aus vielen Foren. Die sind gesegnet mit fanatischem Fundamentalismus, viel Unwissen, keine rationale Betrachtung zulassend.
Kein Komponist hat jemals festgelegt, daß für sein Werk nur eine Optik möglich ist. Wagner hat geradezu das Gegenteil bekundet, er wollte sich ja gerade von der musealen Oper absetzen, die lediglich aus unterhaltendem Beglückungpotential für den Bildungsbürger bestand, wie er es sah.

Jeder neue Optik auf der Bühne, wie jede neue Musik war zu ihrer Zeit jeweils von den damaligen Museumsverwaltern abgelehnt, genau jene Mentalität, die heute zu Felde zieht gegen bestimmte Inszenierungen.
Die Rezeptionsgeschichte von Opern ist eine lange Geschichte permanenter Veränderungen, in der es stets auch die Gralshüter der einzig wahren Kunst und Wahrheit gab, die alles Neue mit denunzierender Attacke überzogen. Wenn Sie heute eine Presse beklagen, die alles Traditionelle als verstaubt deklariert, so ist das zwar nicht meine Meinung, aber eben der Pressefreiheit geschuldet.
Auch ich kritisiere eine bestimmte Richtung, die nur das Neue um des Neuen willens propagiert.

99 % gegen den Strich gebürstet? Sorry, aber ich habe ca. 370 unterschiedliche Operninszenierungen in den letzen Jahren gesehen, davon waren bestimmt nicht einmal 10% "gegen den Strich gebürstet", sondern durchaus traditionell von der Kernsubstanz.
Ich möchte hier allerdings generell nicht in einen Schlagabtausch eintreten, denn mir ist aus meiner wissenschaftlich orientierten Herangehensweise klar, daß eine bestimmte Haltung zum Musiktheater eben nicht rational belastbar ist.
Selbst die Rede des geschätzten Schriftstellers Kehlmann zum sogenannten Regietheater war rein emotional und als solche auch verständlich, aber mit Fakten hat das eben nichts zu tun.
Die Gegner von Veränderung konstruieren sich ihre Welt individuell im Kopf und so wird ihre individuelle Gewißheit zur Seinsgewißheit, die sie fanatisch verfolgen.

Freundliche Grüße

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 23.10.2012 14:34:26 GMT+02:00
Zuletzt vom Autor geändert am 23.10.2012 15:59:17 GMT+02:00
Helma meint:
Sie verdrehen ja schon wieder alles: Die "Museumsverwalter" sind heute die lieben Regietheaterfritzen, die uns immer wieder denselben Mist vorsetzen und die alle anderen Inszenierungsideen "fanatisch verfolgen". So ist es nun mal. Leider! Das Ausmerzen aller alten Inszenierungen an allen Theatern - entgegen der erklärten Bitten des Publikums - hat schon etwas sehr Totalitäres. Und: Ja, es ist leider Fakt, dass es Intendanten gibt, die Regisseure hindern traditionell zu inszenieren. Und nochmal: Ja, es gibt leider auch Medien, die ihre Rezensenten verpflichten ausschließlich positiv über das Regietheater zu berichten. Beides wird nach außen hin stets geleugnet - genauso wie das Verscherbeln oder Verschenken von Eintrittskarten um ein volles Haus vorzugaukeln -, doch ich versichere Ihnen: Es ist traurige Realität!

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 24.10.2012 11:17:06 GMT+02:00
Zuletzt vom Autor geändert am 24.10.2012 11:54:36 GMT+02:00
Sie haben schon eine bemerkenswerte selektive Wahrnehmung. Lesen in Texte das hinein, was Sie wahrnehmen wollen, nicht was der Inhalt ist.
Was treibt Sie dazu Regisseure als "Fritzen", Arbeiten als Mist zu bezeichnen, nur weil sie Ihnen nicht gefallen. Mit der gleichen Wortwahl k ö n n t e n die zurückschlagen, daß man nicht auf jeden Rücksicht nehmen kann, dessen Wahrnehnumgshorizont nicht ausreicht, um Konzepte zu verstehen.
Sie reden von totalitär, von Pressedruck usw. , man merkt, daß Ihnen hierzu jegliches staatsbürgerliche Grundwissen fehlt. Das sind doch reine Stimmungsmache-Phrasen.
Ihre Darstellung ist schon tendenziell eine Art verschwörungstheoretische Anklage.

Die Pressefreiheit garantiert, daß man jede Inszenierung heftig kritisieren kann, egal welcher Art. Es gibt auch nie gleichlautende Pressemeinungen, fast immer sind sie ein Sammelsurium an Meinungen.
Auch Ihre abwertenden Äußerungen über Regisseure sind von der Pressefreiheit gedeckt.

Die Freiheit der Kunst beinhaltet, die Freiheit von staatlicher Zensur, die Jahrhunderte das Musikleben bestimmte. Natürlich kann jeder Intendant im Rahmen seiner künstlerischen Grundgestaltungsfreiheit den Grundrahmen vorgeben, wie er sein Haus führen möchte, genauso wie sich Regisseure auf dem Markt behaupten müssen.
Sie dürfen Ihre Wahrnehmung nicht mit "Wahrheit" gleichsetzen. Wahrnehmungen sind stets individuell und natürlich unterschiedlich. Aber Ihre ist eben affektiv und nicht an Fachwissen orientiert.

Ausmerzen und ähnliche Ausdrücke erinnern mich nachdrücklich an die Nazi-Terminologie.

Mit welcher Kompetenz erklären Sie hier eigentlich Fachleuten zu "Fritzen"? Wenn man Ihre Ausführungen liest, kommt man leider nur zu dem Ergebnis, daß Sie genau zu der Sorte Opernfreunde gehören, die zwar affektiv gerne zubeissen, aber peinlicherweise von der Materie nachweislich so gut wie keine Ahnung haben.
Ein Künstler versteht sich nicht primär als Erfüllungsgehilfe für ein Publikum, das Oper ausschließlich genüsslich seicht konsumieren will.
Wenn sie Unterhaltung lieben, was ja legitim ist, dann sind Sie doch bei Musical und Operette bestens bedient.
Wissensdefizite kann man nicht durch starke Worte kompensieren, das wirkt eher peinlich.

Das, was Sie beklagen, ist schlicht das freie Spiel der Kräfte im Wandel der Zeiten. Nicht neu, nur werden die Karten mit wechselnden Schwerpunkten immer wieder neu gemischt.
Aber letztlich müssen Sie sich schon ein Mindestmaß an Fachwissen aneignen und nicht nur affektiv schwadronieren.
Werktreue ist nicht allein Optik der Romantik, des bürgerlichen Realismus usw. , sondern die bezieht sich auf Beziehungsgeflechte im weitesten Sinne.
Nichtwissen ist keine Schande, nichts dazulernen zu wollen, ist Dummheit, zu glauben, nichts dazulernen zu müssen, ist das Privileg der Einfalt, die diese ewigen Wahrer der angeblich einzigen Bühnenwahrheit auszeichnet.

Freundliche Grüße

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 24.10.2012 11:49:27 GMT+02:00
Helma meint:
Ihre Entscheidung. Dann glauben Sie eben nicht den Fachleuten, die Einblick haben in den heutigen Theaterbetrieb. Wähnen Sie sich frei und erfreuen Sie sich am Spiel des Feuilletons. Alles Gute für Sie!

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 24.10.2012 11:59:36 GMT+02:00
Zuletzt vom Autor geändert am 24.10.2012 12:24:06 GMT+02:00
Dann nennen Sie doch die Fachleute, die den Durchblick in Ihrem Sinne haben. Mir sind die heutigen Regisseure im deutschen Raum recht gut bekannt, ich kenne ihre Konzepte in ihren Grundvorstellungen. Also von welchen Fachleuten reden Sie denn? Auch der ausländische Inszenierungsmarkt ist mir geläufig. Das Feuilleton ist ein Spiegel gesellschaftlicher Prozesse, aber nicht der einzige. Vieles sehe ich auch anders als bestimmte Kritiker, aber damit lebt man . Sie haben aber meine Kernaussage überhaupt nicht verstanden. Sie werden von mir keine Negativ-Rezenion lesen,nur weil sie historisch, traditionell usw. ist. Das Gegenteil ist der Fall. Ich akzeptiere historisierende Aufführungen jederzeit, wenn sie von der Personenführung brillant sind. Genauso wie ich Inszenierungen, die man fälschlicherweise als Regietheater bezeichnet, schlecht bewertet habe, dies aber begründe und immer akzeptiere, wenn die jemand hervorragend fand, weil es eben nicht die einzig richtige Wahrnehmung gibt, schon die an Fakten orientierte.
Freundliche Grüße
‹ Zurück 1 2 3 Weiter ›

Details

Artikel

4.0 von 5 Sternen (6 Kundenrezensionen)
5 Sterne:
 (3)
4 Sterne:
 (2)
3 Sterne:    (0)
2 Sterne:    (0)
1 Sterne:
 (1)
 
 
 
EUR 36,99 EUR 27,99
In den Einkaufswagen Auf meinen Wunschzettel
Rezensentin / Rezensent


Ort: Düsseldorf

Top-Rezensenten Rang: 502