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5.0 von 5 Sternen Nevermores Erste - einer DER Metal-Klassiker der 90er Jahre, 18. August 2007
Rezension bezieht sich auf: Nevermore (Audio CD)
Nevermores erstes Album hat 1995 eingeschlagen wie eine Bombe. Nicht jedes Jahr gibt es einen Newcomer, der die Welt des Heavy Metal derart aufmischt - bei gerade einmal knapp 43 Minuten Spielzeit! Die haben es aber ganz schön in sich. Nevermore sind außergewöhnlich, kopieren nichts und niemanden und lassen sich stilistisch kaum festnageln. Sie spielen auf jeden Fall einen düsteren Powermetal. Der legendäre Opener WHAT TOMORROW KNOWS ist der Brachiosaurus unter den Heavy-Metal-Riffs, jäh durchbrochen von großen Breaks, die wie tiefe Abgründe zwischen der unaufhaltsamen, dampfwalzenartig rollenden Gitarren-Hookline klaffen. Auch C.B.F., GODMONEY und der herausragende Ohrwurm GARDEN OF GREY sind äußerst druckvolle Schwermetall-Konstruktionen. In mittlerem und hohem Tempo, mit ebenso vielen Thrash-Anteilen wie gepflegten Frickeleinlagen sind die Songs derart vielschichtig, dass man gut und gerne von einer Note Progmetal sprechen kann. Und mit dem super-eingängigen Mitsinger THE SANITY ASSASSIN und dem zwischenzeitlich immer wieder an Queensrÿche erinnernden THE HURTING WORDS sind sogar zwei Powerballaden mit am Start, die auch überraschend ruhige Töne beinhalten. Aber Nevermore wären nicht Nevermore ohne Sänger Warrel Dane, dessen Stimme eine der unverwechselbarsten im ganzen Metalbereich ist. Er hat Technik und er hat eine sagenhafte Power. Und was er daraus macht, klingt wie die stimmgewordene schizophrene Persönlichkeitsstörung. Von einer Sekunde zur nächsten wechselt er von elegischem Kopfstimmengesang zu misanthropisch anmutenden, düsteren Shouts, ohne dass der Gesang gleich nach Deathmetal klingt. Unglaublich, was Warrel Dane mit seiner Stimme alles in die Musik hinein interpretiert - ein einziger Psychotrip! Das passt ebenso wie alle spannungsgeladenen düsteren Moll-Harmonien des Albums zu den Lyrics von beklemmenden Geisteszuständen. Es geht immer wieder um erdrückende Gefühle, Todessehnsucht, Schmerz, Leere. Ein Album voller edler Dunkelheit. Nun könnte man argumentieren, Nevermore habe es schon längst gegeben - in Form der legitimen Vorgängerband Sanctuary, die sich seitens des Plattenlabels nicht zum Grunge-Sound drängen ließ und sich nach dem Klassiker "Into The Mirror Black" von 1990 stattdessen kurzerhand auflöste. Warrel Dane, Bassist Jim Sheppard und Gitarrist Jeff Loomis waren Sanctuary und wurden Nevermore. Dennoch hat in den fünf Jahren bis zu Nevermores Erstlingswerk einiges an musikalischer und klanglicher Evolution stattgefunden. Der satte, glasklare Sound klingt nun gar nicht mehr nach 80er-Jahre-Metal; und der Gesang steht weitaus mehr im Vordergrund, ist zudem wesentlich facettenreicher geworden und kreiert schon für sich allein ganze schaurige Atmosphären. Und das Songwriting ist progressiver und komplexer. Definitiv ein Neuanfang - und zwar einer der ganz großen.
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