Kundenrezension

5.0 von 5 Sternen Von brennendem Verlangen..., 4. März 2014
Rezension bezieht sich auf: Konstantin der Große: Kaiser zwischen Machtpolitik und Religion (Gebundene Ausgabe)
Was wissen wir eigentlich von ihm – diesem Konstantin mit dem Beinamen „der Große“ (272/273 – 337 n. Chr.)? Schlagwörter und Begriffe wie „Konstantinische Wende“ und „Konstantinische Schenkung“ sind geläufig und stets - auch unter Historikern – in ihrer Bedeutung umstritten. Bekannt auch die Schlacht an der Milvischen Brücke, in der Konstantin I., Sohn einer Stallmagd, am 28. Oktober 312 seinen Rivalen Maxentius besiegte, und das berühmte „In hoc signo vinces“, dieses „Unter diesem Zeichen wirst du siegen“, über dessen Wortlaut man sich ebenso streiten kann wie darüber, ob dieser Satz Auslöser dafür war, dass das Christentum zur Staatsreligion geworden.

Viele Fragezeichen und eine unübersichtliche und teilweise dünne Quellenlage, aber auch viele Werke, Biografien und Deutungen. Aus allen geht auf jeden Fall eines hervor, dass die Konstantinische Zeit und ihr oberster Repräsentant von grundlegender Bedeutung für den weiteren geschichtlichen Verlauf und die Entwicklung der abendländischen Welt gewesen sind. Dies wird auch in dem großartigen Werk des Historikers Klaus Rosen, bis zu seiner Emeritierung Professor für Alte Geschichte an der Universität Bonn, deutlich, dessen Biographie „Konstantin der Große. Kaiser zwischen Machtpolitik und Religion“ vorerst als ultimativ gelten dürfte.

Rosen stellt seine Biographie Konstantins des Großen mit ihrer umfangreichen Darstellung in den Kontext der Zeit, er zeigt die Strukturen des römischen Reiches im 4. Jahrhundert auf. Vor allem aber werden die Zusammenhänge zwischen Machtpolitik und den religiösen Erscheinungen der Zeit, sprich: der Christengott in Konkurrenz zu den paganen Göttern, ausführlich dokumentiert und interpretiert. Dabei bezieht sich Klaus Rosen auf die griechische und römische Überlieferung und immer wieder auf die Panegyriker, die auf ihre Weise das Zeitgeschehen sozusagen als „Chronisten“ gesehen und beschrieben haben.

Im Mittelpunkt aber Konstantin, der „schon als Kind … von brennendem Verlangen nach Herrschaft“ getrieben war. Ihn, dem man auch gern zuschrieb, „zum Wohle des Staates geboren“ zu sein, und den man zu seiner Zeit als „größten Sieger und Triumphator“ und als „frommen, glücklichen und unbesiegten Augustus“ preisen sollte, zeigt uns Klaus Rosen in beeindruckender Weise.

Konstantin, diese außergewöhnliche Person, in die Zeit der Tetrarchen hinein geboren, in der sich vor allem der Kaiser Diokletian als Christenverfolger höchst unrühmlich hervorgetan hat, musste seinen eigenen politischen Weg finden. Vorrangig durch Feldzüge. Nach dem erfolgreichen Britannienfeldzug (305) erfolgt seine Erhebung zum Kaiser (306). Er wird Caesar in Gallien, Britannien und Spanien. 307 unterwirft Konstantin die Franken und 308 die Bructerer, er baut die Rheinbrücke Köln-Deutz und sichert 309 die Rheingrenze. Durch kluge Hochzeitpolitik versteht er es zudem, seine Machtansprüche durchzusetzen. Und es sollte nicht mehr lange dauern, bis er alle Konkurrenten „ausgeschaltet“ hat und seine Machtansprüche in der Vereinigung von Westrom mit dem Ostreich erfüllt sieht. Und immer versuchte er eine Balance zu finden zwischen seinem persönlichen Ehrgeiz, seinen machtpolitischen Ambitionen und den Religionen zu finden. Ein seit der Antike sehr umstrittener Anspruch.

Einer der interessantesten Aspekte dieser Biographie ist Konstantins Hinwendung zum Christentum – er selbst bekannte sich bereits 321 zum ersten Mal zum christlichen Glauben und Ende noch einmal 324 öffentlich zu dieser Religion, publizierte 325 in einem Brief neugewonnenen Provinzen die Vision eines christlichen Reiches und ließ sich 336 taufen. Er fühlte sich, wie Rosen im Vorwort zu diesem Buch schreibt, vom „Gott der Christen... dazu berufen, ‚das Menschengeschlecht’ zu seiner Religion zu bekehren. So wurde er zum ersten Christen auf einem Kaiserthron. Er praktizierte seine „Frömmigkeit“ in Toleranzedikten, in der Einflussnahme auf bedeutende Konzilien – so 325 in Nicaea, wo er sich selbst in theologische Fragen einmischte.

In seine „Amtszeit“ gehören nicht nur die Gründung der Stadt Konstantinopel, sondern auch viele Kirchenstiftungen und nicht zuletzt der Baubeginn von St. Peter im Vatikan
All das hinderte den „frommen“ Konstantin nicht, recht unchristlich seinen ältesten Sohn hinrichten zu lassen und seine Frau Fausta, die Kaiserin und Mutter seiner drei nachgeborenen Söhne, im Bad zu ersticken.

Konstantin der Große – eine faszinierende Gestalt, die durch Klaus Rosen zumindest ein wenig ein neues Profil erhalten hat. So wird sein Buch, - gleichzeitig eine Geschichte des Römischen Reiches -, das denen einen und anderen Historiker im Einzelfällen zum Widerspruch reizen mag; den interessierten Leser jedenfalls begeistern: nicht nur wegen der Fülle des Materials, dass der Autor kritisch gesichtet hat, um daraus seine eigene Darstellung zu finden, sondern wegen der spannenden Schilderung und nicht zuletzt - bei aller wissenschaftlicher Akribie - wegen der guten Lesbarkeit.
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