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Ein absoluter Karriere-Höhepunkt!,
8. April 2012
Rezension bezieht sich auf: Open Air Symphony (Audio CD)
Wenn im Laufe des Jahres 2012 das Live-Album zur aktuellen Tournee "Der ganz normale Wahnsinn" erscheint, wird dies das zwanzigste Live-Album (immer Doppel-LP/CD!) von Udo Jürgens sein und sein achtzigstes Album insgesamt!!!
Die knappe Hälfte davon sind reguläre Studio-Alben, die andere Hälfte summiert sich durch die erwähnten Live-Mitschnitte und Konzept-Alben (zahlreiche Alben mit Aufnahmen in anderen Sprachen, drei Weihnachts-, zwei Kinderlieder-, zwei Fußball-Alben, zwei Soundtrack-Alben, sowie acht Best of-Alben die auch exklusives neues Material enthielten). Was für ein Lebenswerk schon bis hier her!
Mit "Open Air Symphony" erschien vor zwanzig Jahren ein absoluter Höhepunkt in dieser voluminösen Diskographie. Ein bestes Album von Udo Jürgens gibt es nicht, ich vermag es jedenfalls nicht zu definieren, aber nach welchen Kriterien man es auch immer versucht herauszudestillieren, dieses Live-Album des Jahres 1992 gehört zu den zehn wichtigsten Alben des Ausnahme-Künstlers.
Neben das bewährte Orchester Pepe Lienhard trat bei diesen Zusatz- Open air -Konzerten im Anschluß an die "Geradeaus Tour'92" ein großes Sinfonie-Orchester und bei einigen Liedern auch noch ein Kinderchor, so dass punktuell 125 Menschen auf der Bühne mit Udo Jürgens musizierten - ein Feuerwerk!
Dem Anlaß angemessen wird die Setlist von großen Kompositionen und weniger von Pop-Songs dominiert. Nach kraftvoller Overture erklingt zum Auftakt das für Udo Jürgens Leben programmatische "Die Welt braucht Lieder". Die Studio-Aufnahme vom blauen Album ist schon großartig, aber hier erscheint das Lied in dem klanglichen Gewand den es braucht, um sich vollends zu entfalten.
Das schon im Ursprung mit den Berliner Philharmonikern eingespielte "Wort" folgt gleich darauf und nur allein dieses eine Lied, in einer an Intensität unmöglich noch steigerbaren Interpretation, macht dieses Album schon unverzichtbar.
Mit "Gehet hin und vermehret euch", "Flieg in die Sonne", "Wir", "Ich bin dafür", "5 Minuten vor 12", "Der gekaufte Drachen", dem eigens für diese Tournee geschriebenen "Carpe diem" und dem finalen "Ihr von morgen" reihen sich etliche der ganz großen Lieder bis dato von Udo Jürgens wie Perlen auf einer kostbaren Kette.
Doch auch die vom damals aktuellen Album integrierten und kompositorisch eigentlich nicht für großes Orchester konzipierten Lieder, wie das augenzwinkernde "Na und?!" oder der kraftvoll rockende Titelsong "Geradeaus", wirken im sinfonischen Klangbild. Wenn auch das große Orchester hier sicher nicht voll zur Geltung kommt und alle Möglichkeiten ausschöpft, fächern diese Lieder das Programm angenehm auf und sorgen für den für Udo Jürgens typischen Facetten-Reichtum.
Hervorgehoben werden muß noch die hier festgehaltene Version eines absoluten Klassikers, eines der ganz großen Hits, der hier erst seine wirkliche Tiefe entfaltet.
In wie vielen Bierzelten und bei sonst welchen Festivitäten schon zu "Griechischer Wein" getanzt, geschunkelt, lauthals mitgesungen oder schlimmeren falls bierselig mitgegrölt wurde, ist wohl nicht zu ermessen. Neben "Verdammp lang her" von BAP, (ein fiktives Gespräch über Scheitern und Versäumen, Sinn und Unsinn des Lebens mit seinem toten Vater) ist "Griechischer Wein" wohl das exemplarischste Beispiel für ein Lied das zum Hit wird und anfängt ein Eigenleben zu führen, dem Künstler völlig entgleitet und von Massen missverstanden und sinnverdreht wird.
Mit diesem nur hier zu findenden Arrangement fing Udo Jürgens seinen Klassiker wieder ein, entriß ihn den Partylöwen aus den Bierzelten und spielte ihn einzigartig neu, so dass selbst der Zuhörer mit dem schlichtesten Gemüt, mit der schwächsten Beleuchtung im Oberstübchen, instinktiv begreifen musste, "Griechischer Wein" ist kein simples Partylied, bestenfalls der Rest Lebensfreude der Verzweifelten, der Heimatlosen und Einsamen, dass nur im Refrain der Traurigkeit etwas Zuversicht und ein wenig Glück abtrotzt.
Hier gilt selbiges wie schon oben bei "Wort", ich zitiere mich selbst: allein dieses eine Lied, in einer an Intensität unmöglich noch steigerbaren Interpretation, macht dieses Album schon unverzichtbar.
Abschließend bleibt nur die Hoffnung zu äußern, dass dieses großartige Live-Dokument, was auch filmisch aufgezeichnet und 1992 parallel zur 2CD und 2LP auch als VHS-Video veröffentlicht wurde, irgendwann auch als DVD aufgelegt wird (und wenn möglich ungekürzt, denn die VHS-Ausgabe wurde auf 90 Minuten geschnitten, einige Lieder fehlten leider völlig).
Eine Udo Jürgens Platten-Sammlung ohne dieses Album, wäre nicht ernst zu nehmen!
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