Kundenrezension

28 von 32 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Electro-Rave Wundertüte nach dem eher ruhigen "Elysium", 12. Juli 2013
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Electric (Audio CD)
Das letzte Pet Shop Boys-Album "Elysium" ist noch nicht mal ein Jahr alt...

...und nun bringen Neil Tennant und Chris Lowe bereits das Nachfolge-Werk heraus. Sie haben bei EMI/Parliaphone "gekündigt" (Wie es heisst, in gegenseitigem guten Einvernehmen) und ein eigenes Label mit dem Namen x2 gegründet.

Vor einigen Monaten, als die Neuigkeit des Label-Wechsels und das baldige Erscheinen eines neuen Albums die Runde machte, wurde fast zeitgleich ein neuer Track namens "Axis" veröffentlicht – und DAS war ein Knaller! Eine neue Stilrichtung in der ungefähr siebenundzwanzigjährigen Karriere der Pet Shop Boys war erkennbar: kaum Gesang, nur ein paar Wortfetzen, die Stimme von Neil Tennant gerade noch so erkennbar, dafür viel instrumentales und verspieltes, härtere Techno-Kläne und Synthie-Flächen in einem Track, der bis zum Schluss spannend und abwechslungsreich bleibt: analog knallt mit digital zusammen, genial produziert von dem 35jährigen Stuart Price, mit dem Pet Shop Boys unter Anderem gegen Jahresende 2012 die Neubearbeitung des Liedes "Memory of the future" als Single herausgebracht hatten.

Es folgte ein knallbuntes, schnell geschnittenes Video mit vielen Laserstrahlen, Lichteffekten, schamanistisch wirkenden Tanz-Tieren und den Pet Shop Boys als Silhouetten mit grossen Hüten, was ein wenig an die "Very"-Zeit erinnert.

Gar nicht lange darauf wurde der nächste grossartige Song "Vocal" online gestellt: das Video hierzu ist wieder sehr schön geraten, zäumt das Pferd aber wieder von einer anderen Seite auf: anstatt moderner Technik ist hier Original-Footage aus der legendären Manchester-Disco "Hacienda" und deren Umfeld zu sehen: Super-8-Filme, zusammengeschnitten aus den späten Achtzigern und frühen neunzigern mit Leuten, die sorglos tanzen und die Anfangs-Phase von (Acid-)House, Techno und der neuen Variante von Clubkultur zelebrieren.

Nach diesen beiden fulminanten Auftakten blieb es natürlich spannend, wie das bereits länger angekündigte Album "Electric" sein würde. Hie und da gab es ein kleines Häppchen im Internet zu bestaunen: mal 30 Sekunden von einem neuen Track hier, mal eine halbe Minute dort.

Und nun ist es also endlich da: das neue Album "Electric": 9 Songs in 50 Minuten.

Der erste Eindruck: die Produktion ist herausragend. Es tut den Pet Shop Boys gut, Stuart Price als Produzenten zu haben.

Vom ersten Moment an ist die Scheibe spannend: der Opener "Axis" ist nun schon allgemein bekannt. Von dem Kaliber sind noch einige Songs enthalten. "Bolshy" wartet mit housigen Dance-Klängen auf, und "Love is a bourgeois construct"...wow...hier haben wir ihn: den grosse Hit vom Kaliber "It's a sin" oder "Rent": eine zündende Melodie, welche sich sofort im Ohr festkrallt, dazu Samples von einer Michael-Nyman-Melodie, welche wiederum auf Henry Purcell zurück geht - und vor allem ist großartig, wie Stuart Price mal wieder den Sound durch die Hintertür nach vorne in die Stube reinschiebt, wo er sich fett ausbreitet (ist bei "Axis" und "Vocal" auch schon in ähnlicher Weise zu hören).

Textlich ist bei diesem Dance-Album wenigstens teilweise nicht ganz so viel Tiefgang zu erwarten, auch sind die Lyrics meist kürzer geraten wie bei allen vorherigen Alben. Hiervon gibt es zwei Ausnahmen: das bereits erwähnte "Love is a bourgeois construct", welches mit einem durchtriebenen, lustigen, Tongue-in-cheeck-Text aufwartet, in dem auch Tony Blair kurz mal wieder sein Fett abbgekommt. Interessant ist die Frage, ob diese hymnische Nummer es als Single schaffen wird. In den letzten Jahren waren die Pet Shop Boys nicht sehr einschätzbar, manchmal wurden offensichtliche Hits dann doch nicht ausgekoppelt. Dazu kommt, das Chris Lowe in einem Interview vor einigen Jahren erwähnte, das Lieder mit sehr ironischen Texten nicht unbedingt die Favouriten von ihm und Neil zum Rausbringen als Single sind, da man sich an diesen oft relativ schnell "abgehört" hat.

Es bleibt keine Zeit zur "Erholung", denn mit "Fluorescent" und "Inside a dream" stehen gleich die zwei nächsten Highlights in den Startlöchern. Diese Lieder sind ebenfalls stark dance-orientiert, haben jedoch beide wieder einen komplett anderen Charakter als die ersten Lieder. "Fluorescent" erinnert in gewisser Weise an den 80er-Hit "Fade to grey" von Visage, ist etwas hart und düster, dabei nicht besonders schnell und fällt mal wieder durch diverse Sound-Spielereien auf. "You were living in a looking glass sea, since you were seventeen" und "Every scandal has it's price" singt Neil Tennant.

Auch "Inside a dream" ist stark auf die Instrumentierung bezogen. Flächige Synthies ohne Takt dominieren den Einstieg, es folgt eine quadratisch-kühl wirkende Klangfolge mit Sprachsamplen, bevor Neil Tennant loslegt: "Inside a dream...Living a world I`ve never seen..."

Die zweite Ausnahme Lied mit langem Text folgt: es handelt sich um eine Cover-Version von Bruce Springsteen: "The last to die". Etwas mysteriöser, vieldeutiger Text, super Refrain und ein schöner Chor bohren sich sogleich in die Gehörgänge. Die Machart des Liedes erinnert ein bisschen an "Viva la vida" von Coldplay, welches Pet Shop Boys vor wenigen Jahren für ihre "Pandemonium"-Tour und für die Weihnachts-Single "It doesn't often snow at Christmas" coverten.

Bei "Thursday" verbeugen Pet Shop Boys sich vor den Achtzigern - oder vor sich selbst. Denn das Lied - mit einer Rap-Einlage von Sänger Example - klingt schon recht deutlich nach "West End Girls", auch ein wenig wie "Love comes quickly" - und lässt die Achtziger mehr als deutlich auferstehen, wobei das Ganze - mal wieder durch die Produktion und das Zusammenbringen von oldschool-analogen und neuen Computer-Sounds - frisch und eigen klingt.

Bei "Electric" ist während jeder Sekunde zu hören, wie die Pet Shop Boys sich von altem Ballast entledigt und einen offensichtlichen Befreiungs-Schlag veröffentlicht haben, was auch an der veränderten Tour- und Veröffentlichungspolitik zu merken ist: die "Electric"-Tour war angekündigt, bevor irgend jemand eine Note vom Album kannte, und sie war gestartet, als die Fans lediglich "Axis" als einziges Lied wahrgenommen hatten. Physische Tonträger gibt es als Singles bisher nicht (diese sind aber in Arbeit, zum Beispiel "Axis" als Vinyl-Version mit dem Original und der Bearbeitung von Boyz Noise) und das Album wurde in der Mitte der laufenden Tour veröffentlicht.

Auf jeden Fall eine 5-Sterne-Veröffentlichung. Mit Auszeichnung. Aber locker...Ich freue mich schon sehr auf das Konzert beim Berlin-Festival. Jeden Tag juckt es mich in den Fingern, mir Footage von den bisher stattgefundenen Konzerten rund um den Erdball auf Youtube anzuschauen, aber ich lasse es, denn ich möchte noch einige Überraschungen erleben... :o)
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1-1 von 1 Diskussionsbeiträgen
Ersteintrag: 12.07.2013 15:27:59 GMT+02:00
razzmatazz meint:
..."Love is a bourgeois construct"...wow...hier haben wir ihn: den grosse Hit vom Kaliber "It's a sin" oder "Rent": eine zündende Melodie, welche sich sofort im Ohr festkrallt,...
Wo haben Sie denn da hingehört? Völlig unverständlicher Vergleich. Sorry!
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