Kundenrezension

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5.0 von 5 Sternen Gizza job, 20. August 2011
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Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Yossa Ep (Audio CD)
Mick Harris hat seit Stealth ein neues Zuhause gefunden, das Label Ohm Resistance, das sich vor allem der elektronischen Musik zwischen Avantgarde, Drum&Bass, Dub und Noise widmet.
Diese Verbundenheit äußert sich zum einen in der Danksagung: "with thanks to ... Kurt & Ohm Resistance".
Sie äußert sich darüber hinaus in der Cover-Gestaltung durch den Haus-Illustrator Karol Lasia, der bereits einige andere Platten-Cover auf Ohm Resistance gestaltet hat, zum Beispiel auch das von "Refuse; start fires".

Durch die Arbeiten von Karol Lasia entsteht so etwas wie ein einheitliches Erscheinungsbild des Labels.

Die Vorderseite von Yozza schmückt eine Art Foto-Montage einer fast menschenleeren, nächtlichen Geisterstadt, die durch den Kontrast von Hell (oben, künstlich beleuchteter Nachthimmel) und Dunkel (unten und Mitte, Gebäude, Straße) charakterisiert ist und fast wie eine ferne, zeitgenössische Variante der romantischen Landschaftsmalerei eines Caspar David Friedrich anmutet.

In der Mitte des Bildes sieht man ein Hochhaus und denkt natürlich gleich an das allerdings ganz andere Cover der Hednod Sessions auf Hidden Art.
Dieses Gebäude gleicht aber auch einem Menschen, denn auf dem Dach sitzt wie auf einem Mantelkragen ein Kopf, aus dem hell leuchtende Spiegelfragmente herausragen.

Klappt man die Innenseite des Covers von Yozza auf, so sieht man übrigens eine großflächige Illustration des Logos von Ohm Resistance (drei senkrechte Striche in eckigen Klammern).

Die Cover-Gestaltung des jungen niederländischen (?) Fotographen und Graphikers Karol Lasia (Khomatech.com) ist interessant und anspruchsvoll und verleiht Platten und CDs wie "Yozza" einen zusätzlichen Reiz.
Sie ist m. E. anspruchsvoll, weil das Dargestellte in der Regel nur angedeutet wird. Der Betrachter hat Spielraum für eigene Gedanken.

Als ich die neue CD in die Hand bekam, da wunderte ich mich zunächst über den Titel. Was soll Yozza bedeuten? Das klingt irgendwie seltsam für mein Schulenglisch.

Gibt man Yozza im Internet ein, so erhält man Informationen über Motorsport. Man bekommt zum Beispiel Videos, in denen getunte Autos vorgestellt werden, genauer gesagt, der Sound von Auspuffrohren.
Jawoll, dachte ich, das passt doch gut zur Scornschen Klangwelt, in der das Dröhnen der Bässe gepflegt wird.

Nun lese ich aber in der Beschreibung von Ohm Resistance etwas ganz anderes, von dem ich vorher genau so wenig wie von Yozzasport wusste.
Ohm Resistance stellt einen Bezug zu der englischen Fernsehserie "Boys from the black stuff" her, die Anfang der achtziger Jahre auf BBC2 ausgestrahlt wurde. In dieser Serie geht es um ein paar Bauarbeiter, die in der Umgebung von Liverpool auf Arbeitssuche sind und mit dem Problem der Arbeitslosigkeit zu kämpfen haben.

Diese Serie, über die es einen sehr informativen Artikel auf Wikipedia gibt, erfreute sich in England großer Beliebtheit. Auf der Website des British Film Institute wird die Serie beschrieben als "warm, humerous, but ultimately tragic look at the way economics affect ordinary people", ... "a lament to the end of a male, working class British culture".
Beliebt war vor allem auch einer der Hauptdarsteller, der im Film den Namen Yosser Hughes trägt und der in einer berühmten Szene den Spruch "Gizza job" (Give us a job) von sich gibt.

Daher also soll der Titel der neuen Scorn-Platte stammen. Das macht Sinn; denn das erste Stück dieser Platte, "Piper", kann sich dann ebenfalls auf eine Person dieser Serie beziehen. Es gibt da nämlich jemanden, der in einer Pub-Szene auf seinen drei Fingern pfeift.

Gibt es auch einen musikalischen Bezug zum Titel? Ja. Auf dem Stück "Piper" hört man im Hintergrund pfeifenähnliche Orgelklänge, bzw. genauer gesagt ebensolche Sampler-Geräusche.

Auch das dritte Stück auf Yozza, "Shake Hands", nimmt Bezug auf "Boys from the black stuff". In der besagten Pub-Szene, in der Piper auf seinen Fingern pfeift, erscheint ein ziemlich kräftiger, kahlköpfiger Mann im Parka, der mit Shake Hands auf die übrigen Gäste zugeht, um ihnen mit seinem Händedruck die Finger zu quetschen.
Bis dann Yosser Hughes in die Kneipe eintritt, seinem Händedruck standhält und ihn mit einem gezielten Kopfstoß auf die Nase zu Boden streckt. Leider reicht mein Schulenglisch nicht, um die Antwort des am Boden liegenden Shake Hands zu verstehen.

Stück Nummer zwei heißt "Turn ting up". Das klingt für mich nach fettem "Liverpudlian" oder "Mancunian dialect". So könnten auch britische Vorstadt-Rapper sprechen, vielleicht um zu sagen, dass etwas gezeigt oder aufgedeckt werden soll.

Auch der vierte Titel "Names not down not coming in" bleibt für mich ein umgangssprachliches Rätsel. Vielleicht könnte man ihn mit Der Name kommt hier nicht vor" übersetzen. Dann stellt sich natürlich gleich die Frage, welcher Name nicht vorkommt. Yosser Hughes? Boys from the black stuff ?

Yozza, die neuste Veröffentlichung von Scorn, erscheint als EP und als CD und enthält vier neue Stücke mit einer Spielzeit von ca. 18 Minuten.
In dem ersten Stück, "Piper", spielt wieder Ian Yan Treasey Schlagzeug, was durchaus eine Bereicherung darstellt.

Zusammen mit dem dritten Stück, "Shake Hands", handelt es sich um die schnelleren Momente der Platte, wohingegen Nummer 2 und 4 etwas langsamer daherkommen, insbesondere "Turn ting up" scheint ein wenig auf der Stelle zu treten, während "Names not down not coming in" trotz der stoischen Langsamkeit durchaus beeindrucken kann.

Yozza bietet wie gehabt eine Mischung aus Perkussion, Dub-Elementen und schräger, künstlicher Elektronik. Sowohl die Percussions als auch die elektronischen Samples klingen vertraut und nicht grundlegend anders als bisher.
Mick Harris bewegt sich auf bekannten Pfaden, wobei das Tempo stellenweise etwas höher und der Sound eine Spur aggressiver ist als auf der letzten Platte, wenn man einmal von "Take someone's eye out" absieht.

Yozza ist wie alles von Scorn seit Logghi Barogghi in hohem Maße Ansichtssache und gewöhnungsbedürftig. Ohm Resistance beschreibt die Platte als "bleak" und trifft damit den Nagel auf den Kopf. Die Klangwelt von Scorn ist nicht nur reiterativ, sondern nach Gyral und Anamnesis vor allem kalt und künstlich. Man erhält den Eindruck einer unfreundlichen Welt ohne Trost und Hoffnung.

Die Serie "Boys from the black stuff" hingegen scheint einen entscheidenden Unterschied zu Scorns Yozza aufzuweisen. Das British Film Institute beschreibt sie als "warm" und "humorous". Das kann man, wie ich glaube, von Yozza nicht sagen. Ich könnte mir aber vorstellen, dass diese menschliche Komponente der Wärme und des Humors Scorn durchaus bereichern würde. Man muss nicht immer extrem heavy drauf sein, um Interessantes zu schaffen.

Etwas Krautsalat bitte, Marke Cluster oder Harmonia! Auch eine frische Brise Biosphere käme mir gelegen.
Dennoch volle Punktzahl für diese EP, nicht zuletzt auch wegen der Wahl des sehr schönen Covers.
Nicht ohne uns zu wundern, nehmen wir jedoch zur Kenntnis, dass dieses kleine Werk unter zwei Titeln vertrieben wird, zum einen als Yozza, zum anderen als Yossa. Kann das in Ordnung sein?
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