Kundenrezension

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4.0 von 5 Sternen Auf hohem Niveau, aber etwas glatt, 9. Januar 2005
Rezension bezieht sich auf: Scherzi/Impromptus (Audio CD)
Der mittlerweile 22jährige chinesische Pianist Yundi Li legt mit dieser CD seine dritte Einspielung für DG vor, auf der er er sich erneut einigen zentralen Werken von Frédéric Chopin widmet. Seit seinem Gewinn des Chopin-Wettbewerbs im Jahr 2000 ist Li sowohl auf Tonträger wie im Konzert nahezu ausnahmslos mit Stücken des französisch-polnischen Romantikers oder seines Zeitgenossen Liszt in Erscheinung getreten. Dies sagt zwar nichts über die Qualität seines Spiels aus, jedoch erscheint der äußerst schmale Umfang seines Repertoires etwas bedenklich. - Mit den vier Scherzi sowie den drei ersten Impromptus (Li hat das vierte, wohl bekannteste, auf seiner ersten CD bei DG eingespielt) finden sich zwei Werkzyklen auf dieser Aufnahme, die von ihrem musikalischen Gestus her äußerst gegensätzlich daherkommen: Widerlegen die Scherzi mit ihren wilden, zerrissen-virtuosen Passagen das Bild Chopins als eines gefälligen, feminin-melancholischen Salon-Komponisten, so verlangen die Impromptus vor allem einen sensiblen Anschlag und den Willen zur musikalischen Feinzeichnung.
Bereits im h-moll-Scherzo zeigt Li, weshalb er vor gut vier Jahren die Juroren in Warschau beeindruckte: Sein Spiel wirkt ungemein natürlich und elegant, er vermag die musikalischen Einfälle Chopins nachzufühlen, ohne sie zu deformieren. Dieses immanente Stilgefühl unterscheidet ihn auch und nicht nur von seinem Kollegen Lang Lang, der mehr inszeniert als interpretiert. Durchaus kraftvoll ist sein Zugriff, Li dramatisiert genau dort, wo es erforderlich ist und erzeugt so eine Innenspannung, die gerade bei den Scherzi unerläßlich ist. Weiterhin trägt eine schöne, weiche Tongebung zum positiven Eindruck bei, welche vor allem in den ruhigen Passagen sehr gut zur Geltung kommt. Sein Ansatz ist zweifellos grundsätzlich verschieden von jener Manieriertheit, die sich Pogorelich (DG) leistet, und auch nicht von der Kühle eines Pollini (DG) oder der Farblosigkeit Stephen Houghs (Hyperion). Hinzu kommt eine niemals angestrengt wirkende Technik, die auch die schnellsten Läufe nicht im Pedalnebel versinken läßt; unverständlich ist allerdings, warum ein Patzer bei 8:45 im E-dur-Scherzo nicht korrigiert wurde. Trotz dieser unbestreitbaren Qualitäten, die keineswegs selbstverständlich sind, vermag Li nur stellenweise wirklich zu fesseln; gerade die Scherzi verlangen mitunter einen Interpreten, der sich emotional vollkommen investiert, bei dem man den Eindruck gewinnt, er durchlebe die spukartige Dramatik dieser Stücke geradezu selbst. Bei Li ist alles bis zur Vollkommenheit poliert, jedoch ist bei allem pianistischen Hochglanz eine gewisse Distanz spürbar. Mag der Grat auch schmal sein, auf dem ein Pianist zwischen Eigenständigkeit und Willkür gerade bei derartig oft eingespielten Werken wie den Scherzi wandelt, so wünscht man Li doch ein wenig mehr Nachdruck, Mut zum Risiko. Weniger noch bei den gelungenen ersten und vierten Scherzi, dafür jedoch in den Stücken in b-moll und cis-moll, wo Li bei Steigerungen manchmal recht früh die gestalterische Puste ausgeht. Welchen Spielraum es bei diesen Stücken noch gibt, zeigen beispielsweise Martha Argerich (DG) oder Nelson Freire (Teldec/Apex), oder auch die fabelhafte Gesamtaufnahme von Cyprien Katsaris (Teldec).
Die drei Impromptus kommen Lis Ansatz mehr entgegen, vermag er hier doch seine fabelhafte Anschlagskontrolle, sein singendes Legato und seine differenzierte Dynamik auch im pianissimo zur Geltung zu bringen. Tänzerisch-leicht geht er das erste Impromptu an, dunkel-verhangen das zweite mit seinem marschartigen Mittelteil, in dem man sich noch ein wenig mehr Flexibilität beim Rubato gewünscht hätte. Auch beim dritten verfällt er nicht der öfters zu beobachtenden Tendenz einiger Interpreten, es mit dem Tempo zu übertreiben, sondern läßt sich die Zeit, dessen Nuancen auszukosten.
Die Klangqualität der Aufnahme ist hervorragend, der exzellent intonierte Flügel ist nicht zu nah aufgenommen und insbesondere die Mehrkanal-Spur weist eine fantastische Räumlichkeit auf. Etwas enttäuschend ist die kurze Spielzeit (53 Minuten, wohlweislich von DG nicht angegeben) und das in Selbstbeweihräucherung verfallende Beiheft, welches so gut wie keine brauchbaren Informationen zu den Stücken selbst liefert.
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