|
1 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Von
Rezension bezieht sich auf: Madame Hemingway: Roman (Gebundene Ausgabe)
McCain hat ein großartiges Buch abgeliefert, auch wenn ich es an manchen Stellen zu langatmig und ausschweifend empfunden habe.Mit folgendem sollte man sich allerdings vor diesem Buch befassen: 1.) Paris, ein Fest fürs Leben: A Moveable Feast. Die Urfassung von Ernest Hemingway 2.) Midnight in Paris - man taucht cineastisch in diese Zeit; auch wenn Hadley nicht vorkommt. Der Charakter von Ernest Hemingway ist großartig getroffen! 3.) Unbedingt (!) das Zusatzmaterial im Buch vorab lesen: 1.) McClain über Fiktion und Wahrheitsgehalt; 2.) Gespräch mit McClain; 3.) Bedeutende Ereignisse in Ernest Hemingways Leben Rezension: Hadley ist eine sehr unscheinbare, aber hübsche Frau von Ende Zwanzig, als ihr der 21jährige vom 1. Weltkrieg-traumatisierte Ernest Hemingway auf einer Party begegnet. Beide in ihrem Elternhaus, welches streng von den Müttern geführt wurde, eingesperrt. Sie schreiben sich 1000e Briefe, der Heiratsantrag folgt. Hadley begegnet einer Welt, die sie nicht kennt und als sie nach Paris gehen, ist sie zunächst todunglücklich. Hemingway selbst versucht als Schriftsteller Fuß zu fassen und trifft sie alle...die Großen jener Zeit: Stein, Joyce, Fitzgerald (beide), Pound usw. Endlose Parties folgen, der Alkohol fließt in Strömen; auch bei Hadley. Hemingway unternimmt einige Reisen, die Hadley nur schwer und äußerst depressiv verkraftet. Sie hat und sucht sich keine Aufgabe in ihrem Leben, sitzt nur gelangweilt herum, trinkt oder wartet auf Ernest. Den Rest des Tages geht sie spazieren; anstatt sich als Klavierlehrerin oder sonst irgendwie zu beschäftigen. Auf einer Reise schleppt sie ungebeten ALLE Werke Hemingway mit und lässt sie unbeaufsichtigt zurück im Zug. Es kommt wie es kommen muss: Die Tasche und somit 3 Jahre Arbeit sind unwiderbringlich verloren. Für den Leser und für Hemingway stellt sich die Frage, ist Hadley dumm, naiv oder war es wirklich nur ein einfaches Mißgeschick? Die Vorwürfe es absichtlich getan zu haben, stehen lange und unwiderruflich im Raum. Als Hadley dann noch (absichtlich?) schwanger wird, fängt sich Hemingway an wie ein Tiger im Käfig zu fühlen. Baby Jack, genannt Bumby, stellt ihn vor unlösbare Aufgaben, auch wenn er ihn abgöttisch liebt. Ab dem Kapitel 30 zieht sich das Buch jedoch dahin, denn ab diesem Zeitpunkt wird mit grausamer tödlicher Gewalt genauestens beschrieben wie die Hemingways die Stierkämpfe in Pamplona erleben. Hemingway der Zeit seines Lebens von Tiertötungen ganz fasziniert war, beginnt seinen Roman "Fiesta" zu schreiben. Als Hadley ihn liest, ist sie sich bewusst, dass die Ehe vor dem Aus steht. Sie kommt mit keiner Zeile darin vor; trotzdem steht sie nicht zu ihren Gefühlen. Die Ehe wird zur Farce. Als Pauline dazu kommt, beginnt eine Ménage à trois, die die beiden in den Abgrund führt. Fazit: McCain schreibt in einem schönen ausgeprägten Schreibstil eine Roman-Biografie, in der nicht alles wahr ist, dennoch sehr gut recherchiert wurde. Hadley Hemingway ist die typische Anti-Heldin in dieser Gesellschaft, die von Ruhm und Glanz geprägt ist und innere Werte kaum bis gar nicht zählen. Im Prinzip kann man sagen, dass beide zuviel zu schnell voneinander gewollt haben und auf der Überholspur das Gleichgewicht verloren haben. Auch wenn Hemingway Zeit seines Lebens mit keiner Frau mehr glücklich werden konnte, so hätte er es mit Hadley auch nicht sein können. Ein getriebenes Tier, immer auf Touren. Die langen, grauenhaften Beschreibungen zu den Stiertötungen hätte nicht sein müssen, denn diese Kapitel hätte man abkürzen können. Das kostet den Roman bei mir leider den 5. Stern. Absolute Leseempfehlung! Viel Spaß! Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen |
Details |