Kundenrezension

2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen 20 Jahre Far Beyond Driven - die remastered Version zum Vergleich., 31. März 2014
Rezension bezieht sich auf: Far Beyond Driven (20th Anniversary Edition) (Audio CD)
20 Jahre nach Far Beyond Driven und 11 Jahre nach deren Auflösung sind Pantera weiterhin in aller Munde und aktuell präsent wie nie. Das Legacy Magazin hat sie auf dem Cover, es gibt kaum ein Interview mit Phil, Rex oder Vinnie Paul, in dem nicht auch kurz Pantera angesprochen würde.

Auch wenn die Gefolgschaft und Popularität der Band in der zweiten Hälfte der 90er schwand, muss heute ganz klar festgehalten werden, dass Pantera für die Entwicklung des (modernen) Metal eine ähnlich tragende Rolle gespielt haben, wie jeweils zu ihrer Zeit Black Sabbath, Metallica, Slayer oder Judas Priest.

Die größte Errungenschaft war es, den Metal überhaupt in die 90er zu retten, nachdem sie ihn vom Muff der 80er befreit hatten und alles über Bord geworfen haben, was "cheesy" war und in den "alternativen, grungy 90ies" als Kassengift galt. Auf der anderen Seite haben sie aber genau diesen Stilen eine klare Absage erteilt und haben immer das gemacht, was sie wollten. Heraus kam eine fast revolutionäre Standordbestimmung des Metals: ohne Haarspray, ohne Drachencover, einfach 4 Jungs in Shorts, die de facto die größte Schnittmenge aus Härte und Erfolg hatten.

Spätestens nach dem Vorgänger "Vulgar Display of Power" (1992) war für die Labels klar: entweder Grunge oder ihr klingt wie Pantera. Viele Bands (vor allem Thrash Bands waren da sehr labil) folgten dieser Ansage. Während die Combos, die etwas mehr Alternative in ihren Sound integrierten, teilweise mit passablen oder sogar exzellenten Scheiben daherkamen (z.B: Antrax - Sound of White Noise), war die Pantera Clone Fraktion von Anfang an zum Scheitern verurteilt. Denn der Stil (v.a. auch Phils Vocals) ist so eigen und hängt so sehr von den vier Bandmitgliedern ab, dass er nicht reproduzierbar ist, ohne dass man sofort als Klon gelten würde.

An der Gitarre vermischte Dimebag groovige, brutale teilweise chromatische Riffs mit unglaublichen Shredder Soli und integrierte nebenbei immer wieder Spuren von Sabbath, Blues und Van Halen. Er beherrschte harte Sounds ebenso wie gefühlvolle Aktusikpassagen und spielte mit einer Leichtigkeit, die nach wie vor unerreicht ist.

Mir würde auch spontan kein einziger (einzelner) Gitarrist einfallen, der im Stande wäre Dime's Spiel angemessen zu reproduzieren. Es wird ja immer mal Zakk Wylde ins Rennen geworfen, aber bitxx please, er hat zwar den Southern Twang, aber nicht die Härte und Tightness und schon gar nicht die Shredding-Qualitäten.

Die Rhythmusgruppe, Basser Rex Brown und Drummer Vince Abbott lieferte den groovigen Unterbau. Gerade Vince war auch extrem stilprägend für Metaldrumming - die harte Snare mit dem kurzen, gated Reverb, die supertighten Bassdrums (er hat mit Gaffa-Tape eine Münze auf die Drumheads geklebt, um diesen harten Punch zu bekommen) und natürlich der variable Stil, der gleichzeitig rockt aber nie "zu viel" ist. Daran beissen sich heute noch Viele die Zähne aus. Rex Brown doppelt entweder Dimebag's Riff mit seinem berüchtigten knurrigen Ton oder spielt während der Leads total losgelöst Walking-Bass Lines.

Und natürlich Phil Anselmo, hier auf dem Zenith seines Schaffens, hyperaktiv, beherrscht(e) die volle Palette von Rob Halford (zum letzten mal auf CFH zu hören), harte Metal Shouts, aber auch sehr gefühlvolle Balladen wie Hollow, Cemetary Gates oder auf diesem Album das unglaublich atmosphärische Planet Caravan Cover. Leider hat er in der Folgezeit Dinge getan, die seiner Stimme nachhaltig nicht gut getan haben und - wenn man ihn heute sprechen hört - irreversibel scheinen.

Die Platte gilt gegenüber den beiden Vorgängern CFH und VDOP als die härtere, eindimensionalere, was jedoch bei näherer Betrachtung nicht 100% richtig ist. Was man dem Album ankreiden kann ist, dass es im Gegensatz zu den anderen Alben nicht nur Top Titel am Start hat, sondern auch mal die eine oder andere Nummer zum skippen oder vergessen. Nicht weil sie schlecht wären, aber Songs wie Throes of Rejection oder Shedding Skin haben sich bis heute nicht so wirklich im Hirn festsetzen können.

Dafür aber das nervige Good Friends and a Bottle of Pills, das zwar einen geilen Bass / Bassdrum Groove von Vince und Rex hat, aber dafür auch sehr fieses Gitarrenfiepen und nur durchgeschriene Vocals.

Die Hits des Albums sind definitiv die ersten vier Tracks, sowie Use My Third Arm und das eben erwähnte Planet Caravan. Die übrigen Tracks sind gut, aber nicht sehr gut. Für die Leistung insgesamt und für die historische Bedeutung gebe ich auf einer Skala von 10 Punkten 8.5/10, was aufgerundet immer noch 5 Sterne gibt.

Zum Vergleich der alten und der Remastered Version habe ich beide Alben in TRAKTOR geladen, gleichzeitig gestartet und mit dem Cross-Fader hin- und hergehört. Das Ausgangsmaterial war wirklich schon sehr gut, so dass es eigentlich hier nichts zu tun gab, man aber natürlich (neben der Bonus CD mit einem Live-Konzert in gehobener Bootleg-Qualität) auch Anreize setzen musste, dieses Album nochmal zu kaufen. Denn abgesehen von einem schicken, etwas labilen Digipack ist die Aufmachung leider dem Anlass nicht angemessen. Das sechsseitige Booklet hat im Prinzip den gleichen Inhalt wie das alte (Lyrics in Handschrift), 1-2 Photos und immerhin das ursprünglich geplante Cover (der Bohrer steckt da in einem anderen Körperteil, hicks).

Das neue Mastering klingt insgesamt etwas "frischer", also etwas präsenter, während es im Keller nicht mehr so murmelt. Die Snare klingt etwas klarer und smoother. Insgesamt wurden die Frequenzen meinem Eindruck nach etwas "aufgeräumt" - eine dramatische Änderung hat der Klang der CD nicht erfahren. Daher dürfte man die Unterschiede auch nur bei konzentriertem Hören bemwerken - im Auto oder aufm MP3 Player in der UBahn merkt man es nicht.

Lohnt sich der Kauf der Remastered Version daher? Wenn man das Album bislang nicht besitzt: definitiv! Überzeugte Sammler sind eh in ihrer Entscheidungskraft beschränkt, die kaufen eh :-) und für große aber nicht willenlose Fans wie mich gilt: die neue Aufmachung und die Goodies (Remaster, Bonus CD) reichen mir, um das Album nochmal zu kaufen. Das mag aber im Einzelfall anders bewertet werden.
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1-2 von 2 Diskussionsbeiträgen
Ersteintrag: 02.04.2014 16:19:17 GMT+02:00
ageispolis meint:
Mahlzeit,

für mich eine perfekte Rezension, danke! Wo gibt es denn diese Zusatzinfos: "(er hat mit Gaffa-Tape eine Münze auf die Drumheads geklebt, um diesen harten Punch zu bekommen)..."? Hilfreich, setzen! ;-)

Gruß ag

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 02.04.2014 16:22:29 GMT+02:00
muffy666 meint:
Haha, vielen Dank!
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