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Kundenrezension

8 von 11 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Das Kater - Album, 16. Juli 2010
Rezension bezieht sich auf: Let It Bleed (Audio CD)
"Let It Bleed" ist wie das böse Erwachen am nächsten Morgen: Der Kopf schmerzt, als würde ununterbrochen mit einem Hammer drauf geschlagen, wie man sich auch legen oder setzen mag, alles dreht sich, der Magen rebelliert, sobald man auch nur an Essen denkt oder versucht sich zu erinnern, wieviel von dem verfluchten Alkohol oder sonstigem man sich gestern zu Gemüte geführt hat. Ohnehin kann man sich an den Großteil der vergangenen Nacht nicht erinnern und versucht, das Geschehene anhand etwas verworrener Erinnerungsfetzen und Erzählungen zu rekonstruieren. Am Ende weiß man einige Dinge: Die Party war gut (oder besser), man hat sich wohl ein bisschen danebenbenommen und schwört sich, das nächste Mal vernünftiger zu sein. Bis das nächste Mal kommt. So ist "Let It Bleed".
Glaubt man den Schilderungen der Leute, die die 60er live miterlebt haben, und in deren Erinnerung sich diese Zeit mit zunehmendem Alter immer mehr verklärt, so waren die Sixties eine nicht enden wollende Party, in der man die Grenzen des engen gesellschaftlichen Korsetts sprengte, gegen den Krieg in Vietnam und ansonsten gegen alles und jeden, was den Ruch des Spießigen an sich hatte, demonstrierte und sich von überforderten Polizisten mit Wasserwerfern und Knüppeln traktieren ließ, sich einen Joint am anderen ansteckte, mittels psychedelischen Drogen auf Bewußtseinserweiterungsreise ging und die Freuden der plötzlich so frei gewordenen Liebe auskostete.
Das mag alles seine Richtigkeit haben, doch auch die Medaille hat eine Kehrseite: Der Krieg in Vietnam wollte einfach kein Ende nehmen (tatsächlich war der Spuk erst 1975 endlich zu Ende), einige der einst so friedlichen Hippies gründeten terroristische Vereinigungen, es gab Rassenunruhen, kurz vor der großen Woodstock - Party ermordeten fanatisierte Anhänger von Charles Mansons "Family" brutal reiche Leute in ihren Häusern (unter ihnen die Schauspielerin Sharon Tate), um den von Manson prophezeiten "Krieg der Rassen" auszulösen. Ende das Jahres 1969 gab es schließlich das "Woodstock der Westküste", ein vom Management der Rolling Stones sagenhaft schlecht organisiertes Festival auf dem dafür völlig ungeeigneten Altamont Speedway in Livemore, Kalifornien. Die als Ordner engagierten Hells Angels wussten sich der außer Kontrolle geratenen Zuschauermenge nur noch mit sinnloser Prügelei zu erwehren, schließlich wurde, während die Stones ihr Set spielten, der Zuschauer Meredith Hunter von einem Angel erstochen, weil er einen Revolver gezogen hatte. Der Hippietraum von einer friedlichen Welt unter dem Regenbogen ging mit einer Katastrophe zu Ende.
Zwar hatten die Stones selbst wenig Anteil an dem Desaster, obwohl von einigen verqueren Leuten die "diabolische Energie" ihrer Musik dafür verantwortlich gemacht wurde, so richtig passten sie aber nie zu den Idealen der Bewegung. Ihr einziger Versuch, im Strom mitzuschwimmen, war das Album "Their Satanic Majesties Request", das mit einigen recht seltsamen Experimenten und ein paar recht brauchbaren Songs daherkam und von der Kritik einhellig verrissen wurde. Die Stones besannen sich daraufhin wieder auf ihre Stärken und die Wurzeln im Blues, nahmen das hervorragende Album "Beggars Banquet" auf und entledigten sich auf nicht ganz feine Weise des immer mehr in Drogennebel und persönlichen Problemen versinkenden einstigen Bandleaders Brian Jones (auf "Let It Bleed" ist er nur noch bei zwei Songs vertreten). Jagger und Richards übernahmen endgültig das Ruder, mit Mick Taylor wurde ein neuer, ausgezeichneter Gitarrist ins Boot geholt, der die nächste Phase in der langen Bandgeschichte mitprägen sollte.
"Let It Bleed" beleuchtet nun die dunklen Seiten des Lebens, entstanden unter chaotischen Bedingungen, beeinflusst von den immer gewalttätiger werdenden Unruhen auf der ganzen Welt und den wilden Zuständen in der Band selbst, die sich nach Jones' Rausschmiss auf Selbstsuche befand und den Blues als Lebensader wiederentdeckte. Das ganze Album ist eine Bestandsaufnahme, das sich wie ein Gang über ein verwüstetes Schlachtfeld anhört, allerdings mit einem Lichtsreif am Horizont endet.
"Gimme Shelter" eröffnet den Ritt in die Dunkelheit, unheilvoll erhebt sich der Song über Sturm und Krieg, unterlegt mit dramatischen Drums und Piano - Donnern, angetrieben von Keiths Gitarre und Jaggers panischem Gesang, der von der Soulsängerin Merry Clayton noch exzessiver übernommen wird. Der Gänsehautmoment gleich zum Beginn des Albums und für nicht wenige der beste Song der Stones schlechthin.
Weiter geht es mit "Love in Vain", geborgt vom Blues - Übervater Robert Johnson. Ein deprimierter Lover begleitet sein Mädchen zum Bahnhof und sieht resigniert den Lichtern des sich entfernenden Zuges hinterher. Eins der besten Covers, das die Stones je gemacht haben, das das Interesse an dem sagenumwobenen Bluesmusiker aus den 20ern sprunghaft ansteigen ließ.
"Country Honk" ist eine verballhornte Version der Hitsingle "Honky Tonk Women", bei der die Stones nach einer heruntergekommenen Straßencombo klingen, was durch den eingespielten Verkehrslärm noch unterstrichen wird.
Nächster Höhepunkt ist der Titelsong. "Let It Bleed" ist ein dreckiger, sexuell aufgeladener R & B - Song mit allerdings tröstlicher Botschaft. "We all need someone we can lean on."
Einer der sanfteren Nummern auf "Let It Bleed" nach dem brutalen "Midnight Rambler" ist "You Got The Silver", der letzte Song, auf dem Brian Jones noch mitspielte. Weil Mick Jaggers Gesangsspur irrtümlich gelöscht wurde, durfte sich Keith Richards am Mikro versuchen und er machte seine Sache hervorragend. Obwohl er zu den zahlreichen Nicht - Sängern im Rockbusiness gehört, veredelt sein sanfter, zaghafter Gesang diesen schönen Song noch zusätzlich.
Das Album schließt mit "You Can't Always Get What You Want", einem exzessiven Kracher in Übergröße, der keusch und engelsgleich mit dem London Bach Choir anhebt und sich mit zunehmender Dauer immer weiter zu einem schrillen Finale steigert, dem es nichts mehr hinzuzufügen gibt.
"Let It Bleed" steht auch nach über 40 Jahren immer noch ganz weit oben, wenn es die besten Alben aller Zeiten aufzulisten gibt. Es markiert einen Umbruch sowohl im Zeitgeist als auch im musikalischen Stil der Band und gehört zu den Platten, denen der Zahn der Zeit nicht das Geringste anhaben kann.
You can't always get what you want
But if you try sometimes you might find
you get what you need
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