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Kundenrezension

33 von 37 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Das Drama Schizophrenie, 2. Juli 2013
Von 
Rezension bezieht sich auf: Schizophrenie ist scheiße, Mama!: Vom Leben mit meiner psychisch erkrankten Tochter (Taschenbuch)
Janine Berg-Peer, 2013, Schizophrenie ist scheiße, Mama! Vom Leben mit meiner psychisch erkrankten Tochter,

Der Titel trifft die Erfahrung der Angehörigen und Betroffenen mit dieser Krankheit punktgenau. Die Autorin rekonstruiert aus ihrer Sicht, detailliert, aber nicht ermüdend den bisherigen 20jährigen Verlauf der Krankheit, die bei der Tochter mit 16 Jahren diagnostiziert wurde. Sie lernt in dieser Zeit 4 Berliner Kliniken und 6 Stationen kennen.
Die Schilderung beginnt mit dem ungläubigen Erkennen der Auffälligkeiten im Verhalten der Tochter Lena, die die Mutter noch nicht einordnen und benennen kann. Ihre Ahnungslosigkeit, ihre Suche nach verständlichen Erklärungen, nach Verhaltensweisen für den Umgang mit der Kranken und nicht zuletzt nach etwas Empathie sind nachvollziehbar.
Sie trifft auf alle möglichen Ärzte, sachliche, überforderte, desinteressierte und engagierte, auf Pflegepersonal, das ebenso alle Spektren der Befähigung abbildet. Sie schildert die Atmosphäre in geschlossenen Stationen. In manchen von ihnen werden Besucher als Störungen im Arbeitsablauf der Pfleger empfunden, ebenso wie Wünsche der Patienten. Aber es gibt auch herausragende Gegenbeispiele von Stationen, die z.B. einen ,Therapiehund` halten oder ein Patientencafé organisieren, bei denen das Miteinander von Respekt gegenüber den Patienten getragen wird.
Die erschreckenden Nebenwirkung der Medikamente: 30 kg Zunahme in 2 Monaten, vermehrter Speichelfluss, eckige Bewegungen, Herumgezappel, Rauchen, verändertes Essverhalten (Schlingen") führen bei ihrer Tochter immer wieder zur Absetzung der Medikamente mit den bekannten Folgen der Eskalation, des fehlenden Tag-Nacht-Rhythmus, Störungen der Nachbarn und schließlich Einweisung in eine Psychiatrie. Sie lernt die ,blutige Entlassung kennen. Kranke werden zu früh entlassen und zu Hause nicht weiter betreut. Keiner fühlt sich zuständig, wenn die Kranken nicht von sich aus Betreuung anfordern, bzw. Angebote nicht wahrnehmen. Wenn sie Termine versäumen, wird nicht telefonisch nachgefragt, wie in vielen anderen Praxen längst üblich, aber nichts dergleichen geschieht bei Psychisch Erkrankten, die durch ihre Krankheit blockiert sind, Hilfen zu erkennen und anzunehmen. Das Recht auf Krankheit wird hochgehalten. Aber die Krankheit verhindert die Krankheitseinsicht und lässt die Symptome so eskalieren, dass meistens eine Zwangseinweisung mit ihrer traumatisierenden Wirkung erfolgen muss. Das erzeugt letztlich die berüchtigte `Drehtür-Psychiatrie`. Die Autorin fordert mit Recht mehr aufsuchende Hilfeleistungen, die vielen Patienten die Zwangseinweisung ersparen könnte.
Als Mutter erlebt sie auch die ausgrenzende Wirkung psychischer Krankheit auf die Angehörigen. Sie vermisst Anteilnahme von Freunden, kleine Zeichen, die bei jeder anderen schweren Erkrankung selbstverständlich sind. Eher erhält sie Erklärungen, wo die Ursachen der Krankheit zu finden seien: in ihrer Berufstätigkeit, in ihren Fehlern, die sie bereitwillig eingesteht, aber die allein nicht zum Ausbruch der Krankheit führen. Vor allem aber möchte sie ihre Tochter vor unberechtigter Kritik schützen. Lena ist krank, nicht ungezogen, selbst wenn ihr Verhalten sehr auffällig und für die Umgebung äußerst störend werden kann.
Interessant ist die Wirkung der verschiedenen Diagnosen auf die Tochter, die sie in den 20 J. der Krankheit erhalten hat: von Schizophrenie über Psychose bis zu bipolarer Störung. Alle bilden Facetten der Schizophrenie ab, aber die letztere ist die in der Öffentlichkeit am wenigsten belastete. Sie löst nicht die Kaskade negativer Assoziationen und Bilder aus wie ,Schizophrenie. Daher fällt es Lena leichter, diese Diagnose für sich zu akzeptieren und wenn nötig zu veröffentlichen.
Wieder einmal wird deutlich, wie sinnvoll Selbsthilfegruppen sind. Erst dort fand die Autorin die Unterstützung, die sie sich von den Fachleuten in den Kliniken erhofft hatte.
Es ist wohltuend, so offen und ungeschminkt den Krankheitsverlauf geschildert zu sehen/lesen. Frau Berg-Peer ist eine engagierte, bis zur Erschöpfung hilfsbereite Mutter. Sie informiert sich, sie versucht alles richtig zu machen, die richtige Nähe und Distanz zu finden, sich zu behaupten und der kranken Tochter gerecht zu werden. Es ist ein langer Lernprozess von vielen Höhen und Tiefen durchsetzt.
Es ist aber auch die Erfolgsgeschichte einer Kranken, die es trotz aller Rückschläge schafft, ihre mittlere Reife abzulegen, eine kaufmännische Lehre abzuschließen und sich mit Anfang 30 vornimmt, ihr Abitur nachzuholen.
Das Buch ist allen zu empfehlen, die mit der Krankheit zu tun haben, Angehörigen, aber auch den professionellen Helfern, für die es möglicherweise hilfreich ist, ihre Wirkung gespiegelt zu sehen. Die Autorin sagt von sich, dass sie gerne schreibt und das wird in dem Buch deutlich. Es ist gut geschrieben, verständlich und alle Phasen nachvollziehbar. Im Anhang sind nützliche Adressen und weiterführende Literatur aufgeführt.
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1-1 von 1 Diskussionsbeiträgen
Ersteintrag: 30.01.2016 10:41:13 GMT+01:00
T. Gebhardt meint:
Angehörigengruppen können Beistand leisten, die Psychiatrie aber muss fachlichen Rat geben. Sie betrachtet in ihrer eigenen Ratlosigkeit schizophrene Störungen aber immer noch als "Krankheitsschicksal" und hat ihre wahren Ursachen nicht erkannt (s. meine Rezension zum Buch "Mutter betreut schizophrene Tochter: Sozialtherapie oder Kunstfehler?" und mein Roman "Schizo 2.0" Schizo 2.0
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