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Kundenrezension

8 von 9 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Der originale Barbier, 24. Februar 2007
Rezension bezieht sich auf: The Originals - Rossini (Der Barbier von Sevilla) (Audio CD)
Gioacchino Rossini war eine einmalige Erscheinung. Der "Schwan von Pesaro", wie man ihn auch nannte, war zunächst nicht weniger als ein musikalisches Wunderkind, das bereits mit zwölf Jahren virtuose Orchesterstücke komponierte und mit unglaublicher Leichtigkeit und Schnelligkeit unvergängliche Melodien schrieb. In seinen produktivesten Zeiten schuf er nicht weniger als vier Opern im Jahr (und bediente sich dabei auch gerne mal bei sich selbst), einmal brachte er es gar auf sechs, er war einer der berühmtesten und populärsten Komponisten seiner Zeit, seine Reisen durch ganz Europa glichen Triumphzügen, die Begeisterung, die ihm entgegenschlug, übertraf noch die Hysterie um die meisten der heutigen Stars bei weitem. Rossini war nicht mehr und nicht weniger als der erste globale Popstar, der durch seine Geschäftstüchtigkeit auch zu großem Wohlstand kam.

Das rief natürlich die Neider auf den Plan, der hochverehrungswürdige Beethoven nannte ihn einen "Sudler", Schumann schrieb ganze Traktate über den verhaßten "Kanarienvogel" und seine "seelenlose" Musik, trotzdem kam an dem omnipräsenten Maestro, ob man ihn nun mochte oder nicht, niemand vorbei.

Seltsamerweise hatten gerade seine heute bekanntesten und beliebstesten Opern "Il barbiere di Siviglia" und "La Cenerentola" zunächst einen schweren Stand. Im Falle des "Barbiere" war der Grund eine gleichnamige Oper des damals sehr berühmten Komponisten Giovanni Paisiello, weswegen Rossini sein Werk, das er innerhalb von zwei Wochen komponiert haben soll, am 26. Dezember 1816 vorsichtshalber unter dem Titel "Almaviva oder Die sinnlose Vorsicht" in Rom zu Uraufführung brachte. Am ersten Abend gab es ein Pfeifkonzert und die Oper galt als durchgefallen, doch bereits am nächsten Abend erntete die Oper einen umjubelten Erfolg und trat innerhalb kürzester Zeit einen Triumphzug um die Welt an.

Natürlich gibt es auch jede Menge Aufnahmen, die alle ihre Vor - und Nachteile haben, doch hier hier Besprochene übt auf mich nach wie vor einen ganz besonderen Reiz aus: Zum einen ist dies die erste Operneinspielung, die ich überhaupt besessen habe (die Original - LPs habe ich immer noch), zum anderen ist dies der gelungene Versuch Claudio Abbados, der Originalpartitur wieder zu ihrem Recht zu verhelfen. Schon zu Rossinis Lebzeiten hatten sich die Dirigenten und Sänger auf den "Barbier" gestürzt und fröhlich eigene Ideen (ob nun gut oder nicht, sei dahingestellt) in die Oper eingebracht, sodaß der Komponist beizeiten sein eigenes Werk nicht mehr erkannte (Zitat: "Wundervoll, von wem ist das?"). Abbado verbat den Sängern, sowie sich selbst, eigene Verzierungen und hielt sich strikt an das von Rossini komponierte Original, verkleinerte das Orchester auf das vorgeschriebene Maß, machte aus der zum Sopran umgewandelten Rosina wieder einen Mezzo und schuf so eine Mustereinspielung, die bis heute ihren Reiz nicht verloren hat, sondern, im Gegenteil, noch immer ein Beispiel für eine rundum gelungene Operneinspielung ist.

Bis auf eine Ausnahme ist das Gesangsensemble ausgezeichnet:

Diese Ausnahme heißt Luigi Alva, über lange Zeit der gefragteste Rossini - Tenor und ohne Zweifel ein meisterhafter Belcanto - Sänger, der zum Zeitpunkt der Aufnahme jedoch leider seine besten Zeiten schon länger hinter sich hatte. Sein Graf Almaviva wirkt nicht gerade wie ein junger, überschäumender Liebhaber, seine Stimme neigt zum "Tremolieren" (d. h. sie zittert manchmal regelrecht) und klingt zeitweise recht abgesungen, auch die zahlreichen Koloraturen (die auch ohne eigene Verzierungen schon kompliziert genug sind) bewältigt er nur mit Mühe. Alva ist leider der große Schwachpunkt dieser Einspielung, obwohl er darstellerisch zu überzeugen weiß, was nicht die Tugend jedes Sängers ist.

Enzo Dara dagegen macht als Bartolo eine brillante Figur. Auch diese Rolle wurde von Rossini mit sängerischen Schikanen gespickt, die Dara jedoch ausgezeichnet zu meistern versteht, man höre nur die komplizierte Arie "A un dottor della mia sorte". Auch darstellerisch macht Italiens berühmtester Baßbuffo einen weiten Bogen um jedes Klischee und bringt so nicht nur einen sehr komischen, sondern auch recht gefährlichen alten Doktor zu Gehör.

Teresa Berganza hatte die schwere Aufgabe, der Rosina ihre ursprügliche Gesangslinie wieder zu geben. Rossini hatte diese Partie für einen Mezzo geschrieben, was natürlich die Gesangsstars der Sopran - Szene auf den Plan rief, die die begehrte Partie entsprechend transponieren ließen. Berganza macht einen sehr guten Eindruck, singt und spielt ein selbsticheres, junges Mädchen, das gar nicht daran denkt, ihrem alten Vormund in die Ehe zu folgen. Gesanglich interläßt sie einen großartigen Eindruck, nur manchmal fehlt ihr das Neckische, das diese Partie benötigt,um vollends zu überzeugen.

Einmal mehr fulminant schlägt sich Hermann Prey in seiner Paraderolle Figaro. Heutzutage ist es modern, diesem Sänger seine damals ungeheure Popularität zum Vorwurf zu machen, ebenso seine Volksnähe, seine darstellerische Leistung wird des öfteren als "grobschlächtig" bezeichnet. Das mag durchaus seine Berechtigung haben, im Gegensatz zu seinem großen Konkurrenten Fischer - Dieskau, wirkt Prey immer ein wenig hemdsärmelig, was dem bauernschlauen Figaro allerdings viel besser zu Gesicht steht, als durchdachtes Taktieren. Prey war ein Sänger, der immer aus dem Bauch heraus agierte und seinen Theater - Instinkt sprechen ließ, was ihm vor allem als Figaro, sowie in seiner anderen Paraderolle Papageno zu Recht Weltruhm verschaffte. Gesanglich gibt es bei ihm nichts auszusetzen, Prey hatte in den 70ern (die Aufnahme stammt aus dem Jahr 1972) unbestritten seine Glanzzeiten. Für mich ist er noch immer der beste Rossini - Figaro.

Auch Paolo Montarsolo fügt sich ins rundum zufriedenstellende Bild dieser Aufnahme. Als Basilio balanciert er virtuos auf dem schmalen Grat zwischen Komik und Gefährlichkeit, auf dem man in dieser Partie so leicht in das eine oder andere Extrem abrutschen kann. Hervorragend singt er die berühmte "Verleumdungsarie".

Das positive Bild rundet Stefania Malagú in der Rolle der ältlichen Haushälterin Berta (bzw. Marcellina) ab. Sie darf endlich einmal die ihr zugedachte Arie singen und bereichtert damit diese Aufnahme weiter.

Einen kleinen, aber wichtigen Part hat der Ambrosian Opera Chorus, der seine Aufgabe einmal mehr überzeugend löst.

Insgesamt kann man auch nach über dreißig Jahren diese Aufnahme weiterhin jedem Opernliebhaber, und ganz besonders demjenigen, der sich gerade für die Oper zu interessieren begiint, ans Herz legen, ein klassischer Evergreen.
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