Kundenrezension

23 von 25 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Keine Erwartung gehabt... und die wurde bei weitem übertroffen..., 31. März 2009
Rezension bezieht sich auf: The Ballad of John Henry (Audio CD)
Seit mindestens drei Studioalben, also seit der Zusammenarbeit mit Kevin Shirley (von dem ein anderer Rezensent hier schon meinte "und wieder eine platte, die kevin shirley versaut hat"... lustig, wie Meinungen doch auseinander gehen können), hat es sich bei mir als Regel durchgesetzt, dass man einen neuen Bonamassa erst mal 7-10 Tage sacken lassen muss, bis man sich definitiv dazu äußern kann. Naja.. definitiv... was ist schon definitiv im Leben. Was ich sagen möchte: Kevin Shirleys Einfluss auf Joe liegt sicherlich darin, dass seither sein Repertoire noch mehr erweitert wurde, nicht mehr nur Bluesrock und Rock Stücke (aus 7 Jahrzehnten) wie auf den Alben zuvor covert, sondern darüber hinaus auch mal bei Leuten wie Tim Curry, Chris Whiteley oder wie auf dem jüngsten Album Tom Waits rumstöbert. Gut, auch früher hat er schon Yes interpretiert... das ist ja nu auch nicht unbedingt Blues pur... aber Kevin Shirley hat seine Bandbreite sicher noch mal erweitert. Und er hat zudem auch seinen Sound-Reichtum erweitert. Da hört man dann schon mal Streicher... oder wie auf diesem neuen Album Bläser... Kurz: man darf auf Überraschungen gespannt sein. Das führt nun sicher dazu, dass der ein oder andere alteingesessene Fan (siehe Kommentare wie: "Ich mochte Joe, als er noch "Cradle Rock" (Rory Gallagher) als Opener gespielt hat. Ob es da ein Omen ist, dass er ein äußerst müde interpretiertes "As the Crow Flies" (ebenfalls von Rory) als Outro gewählt hat?") ein wenig enttäuscht wird. Ich persönlich finde es toll, dass ein Künstler sich nicht auf dem ausruht, was er bislang erreicht hat, dass er versucht, sich weiter zu entwickeln. Dabei wird er mit Sicherheit Fans brüskieren... aber auch andere hinzugewinnen. Aber in jedem Fall besser, als sich immer selbst zu reproduzieren. Aber aus genau diesem Grund muss man die Alben sacken lassen. Die einzige Erwartung, mit der man herangehen sollte, ist die, dass man besser keine Erwartung haben sollte... und diese Nicht-Erwartung wird dann vielleicht übertroffen... wie beim jüngsten Album wieder geschehen, und zwar in noch überzeugender Manier im Vergleich zu den beiden Vorgängern. Ich war dieses Mal ziemlich skeptisch. Aber dieses Skepsis hat sich Gott sei Dank nicht bewahrheitet...

The Ballad of John Henry: Ein kraftvoller Opener, sowohl des letzten Konzerts als auch der CD. Die erste Viertelstunde des Konzerts hab ich als Wirbelsturm erlebt, der einem das Gehirn mal ordentlich durchpustet. Dieses Gefühl rettet Joe hier auf die CD...

Stop!: Schöne Ballade mit interessanten Arrangements und zum ersten Mal Joe mit Bläsern.

Last Kiss: Recht repetitive Songstruktur, die mir beim ersten Hören fast zu langweilig war... mittlerweile mag ich sie, ohne dass sie totale Begeisterung bei mir auslöst... aber die letzten 1,5 Minuten, wenn der Song langsam, schrittweise, Instrument für Instrument ausschleicht... wunderschön...

Jockey Full of Bourbon: DIE NAGELPROBE für mich. Als alter Tom-Waits-Fan, und als Marc-Ribot-Enthusiast. Marc Ribot spielte im Original von Tom die Gitarre, und ich konnte drei Monate nicht schlafen (nein, ist übertrieben), nachdem ich gelesen hatte, dass Joe nun dieses Meisterwerk von Tom covert. Wie sollte das wohl klingen? Nach 30 Sekunden Joe dachte ich: Ist es überhaupt dasselbe Stück? Nach 10 Tagen sage ich: Ein Meisterwerk auf Grundlage eines Meisterwerks. Joe hat den Song genommen und ihn sich zu eigen gemacht, hat etwas komplett Eigenes daraus gemacht. Ein Musterbeispiel für ein Cover, in dem man sich in einen rauchigen Westernsaloon versetzt fühlen darf, wenn man das schlecht gestimmte Klavier hört... Väter der Klamotten meets Power-Rock. Absolut vom Feinsten.

Story of a Quarryman: Ja, auch ich mag am liebsten die harten Riffs, wie so manch einer, der hier schon dem alten Rory-Gallagher-Joe nachweint... und insofern ist Story of a Quarryman in kürzester Zeit zu meinem Zuhör-Favoriten des Albums geworden. Was für eine Power in diesem Song steckt. Dieser über einen Steinbrucharbeiter und der Titelsong über den hämmernden Weichenleger John Henry, diese beiden Songs meinte Joe wohl in erster Linie, als er sagte, er habe mit diesem Album den Leuten ein Denkmal setzen wollen, für die das Leben harte Arbeit ist und die an harte Arbeit glauben....

Lonesome Road Blues: Hmm... vielleicht der Song, dem ich am skeptischsten gegenüber stehe. Klingt ein wenig von sich selbst eingenommen ("all I have is my guitar, I'm just 31 years old today" - wobei ich fairerweise dazu sagen muss, dass ich dem Text nicht in seiner Gänze zugehört hab, vielleicht tue ich ihm ja Unrecht...), aber das stelle ich in Rechnung bei einem Künstler, der immer nach neuen Wegen sucht, dass er auch mal einen nicht so gelungenen Song einstreut... Der ist mir tatsächlich ein wenig zu glatt, zu gerade heraus.

Happier Times: Eine der großen Überraschungen auf der CD. Auf mich macht der Song den Eindruck als würde er ewig dauern, jedenfalls länger als die 6'40'', die er effektiv dauert. Ein immer gleicher Rhythmus, in dem man sich verlieren kann... mit vielen wundervollen Solo-Einsprengseln... und einer Handvoll rhythmisch-dynamischer Explosionen, die die Gleichförmigkeit durchbrechen... um dann wieder zu ihr zurückzukehren... und um in einem Crescendo zu enden. Großartiges Songwriting, ein bleibendes Meisterwerk.

Feelin' Good: Eine gefällige Cover-Version. Eher ruhig, nett zu hören, aber jetzt nicht der Reißer wie die Tracks 2, 5, 7 oder 10....

Funkier Than a Mosquito's Tweeter: Tja, auch hier bleibe ich ein wenig mit offenem Mund stehen. Irgendwie wollten Joe und Kevin Shirley hier für meine Begriff zu viel auf einmal. Kernige Bläser, schön anzuhören, funkige Rhythmen, wie man sie von Joe noch nicht gehört hat... alles in allem ein wenig inhomogen. Aber dennoch, es hat was...

The Great Flood: Auch ein absoluter Höhepunkt, eine langsame, träge, recht depressive Ballade, mit sehr ausladenden Übergängen, die den trägen Charakter noch unterstreichen... aber all dies in sehr stimmiger Weise, mit herrlichen Zwiegesprächen zwischen Joes Gitarre und Saxophon, mit dunkel, warnend klingenden Glocken am Anfang und Ende... machen dieses Stück zu einem weiteren Meisterwerk.

From the Valley: Wunderschönes akustisches Solostück. Ein solches darf auf keinem Joe-Album fehlen, häufig enden sie so...

aber diesmal endet es fetziger mit:
As the Crow Flies: Nach Eric Sardinas schon der zweite Bluesgitarrist, der auf seinem jüngsten Album mit diesem Klassiker von Tony Joe White schließt (der sicher in der Version von Rory Gallagher bekannter ist). Die Klänge, die er der Gitarre dabei manchmal entreißt, gehen einfach unter die Haut...

Unter dem Strich stehen gleich mehrere Meisterwerke und auf jeden Fall deutlich mehr bleibende Stücke als beim Vorgänger Sloe Gin, der ja nun auch nicht von schlechten Eltern war. Ein wenig von sich selbst eingenommen klingt Joe ja schon, wenn er im Begleitheft schreibt "I really feel this is my strongest work to date". Aber eigentlich mus sich sagen: Er hat Recht... es ist sein vielseitigstes, reifstes Album bislang, und das Zitat spricht für ein gesundes Selbstbewusstsein. An einigen Punkten begeht er zwar auch kleinere Irrwege, aber wenn er dafür so großartige Songs liefert wie Happier Times und The Great Flood, wie das auch als Song-Doppel gut funkionierende Jockey Full of Bourbon/Story of a Quarryman dann darf er auch gerne noch mal den ein oder anderen Irrweg gehen... Joe ist der Größte.
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1-1 von 1 Diskussionsbeiträgen
Ersteintrag: 16.01.2010 23:49:34 GMT+01:00
musicpeterpan meint:
Gratulation,fantastische Rezension !! Kann aus vollem Herzen zustimmen. Danke !
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