Kundenrezension

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3.0 von 5 Sternen Oberflächenreize, 18. April 2012
Rezension bezieht sich auf: Ingrid Bergman. Ihre Filme, ihr Leben. (Broschiert)
In den frühen 1970er Jahren schrieben verschiedene Autoren in den USA über Filmstars einer langsam untergehenden Ära Hollywoods. Heraus kamen schmale Bändchen der Reihe "Pyramid Illustrated History of the Movies". Es handelt sich nicht um klassische Biographien, sondern eher um eine chronologische Würdigung der Filme, in die die biographischen Eckdaten kurz eingebunden werden. In den besseren Fällen hat man einen guten Überblick und darüber hinaus eine Verbindung der einzelnen Person zu Kultur, Arbeitsbedingungen und Rezeption/Publikumserwartungen in Hollywood. Viele dieser Bände wurden für die "Heyne Filmbibliothek" übersetzt, die zudem in ihren frühen Jahren das "Pyramid"-Design übernahm.

Für den Ingrid-Bergman-Band durfte Curtis F. Brown ran, dem ein ähnlich zwiespältiges Werk wie über Jean Harlow "gelungen" ist. Viele schöne Fotos (wenn auch nicht gerade in Hochglanzqualität), eigenständige, teils mutige und immer nachvollziehbare Bewertungen der Filme, Biographisch eher Abhakerei. Man kommt der Person Bergman nicht besonders nah (pardon, dass ich diesen Satz mehr oder minder von meiner Rezension des Harlow-Buches übernehme, aber ich empfinde es in beiden Fällen nun einmal so). Eine gewisse Oberflächlichkeit kennzeichnet letztlich auch den interessanteren "filmischen" Teil, in dem immer mal wieder Fehler auffallen. Wie schon bei Harlow hat man den Eindruck eines mit der heißen Nadel gestrickten und ohne wirkliches Herzblut geschriebenen Bändchens, bei dem eher der Gehaltsscheck als Liebe die Feder geführt hat. Die Inhaltsangabe von "Rage in Heaven" (S. 39) ist beispielsweise höchst ungenau, und zwar nicht in dem Sinne, dass sie bewusst spannende Fragen für den Leser offenlässt, sondern dass sie Handlungselemente suggeriert, die so nicht stattfinden. Anderes gelingt besser, z.B. die Schilderung, wie David O. Selznick seinen "Neuerwerb" in "Intermezzo" (1939) zu vermarkten trachtete und wie dieser Film schließlich entstand. Hier erscheint die Schilderung im Vergleich mit anderen Büchern authentisch und enthält interessante Einblicke in das, was Jeanine Basinger "The Star Machinery" nannte.

Beim Schwanken zwischen drei und vier Sternchen runde ich diesmal ab, was der lieblosen Aufmachung der deutschen Ausgabe geschuldet ist. Da gibt es beispielsweise gewisse Seltsamkeiten in der Übersetzung, die zu einer holprigen Sprache führen. "Intermezzo" sei ein fast "buchstäbliches Duplikat" des schwedischen Originalfilmes (S. 32). Was, bitte, ist ein "buchstäbliches", und vor allem, was wäre denn ein "nicht buchstäbliches" Duplikat? Ein Duplikat ist doch schon eine Eins-zu-eins-Kopie, und warum man beim Medium Film mit Buchstabenmetaphern arbeiten muss, statt beispielsweise von einer "nahezu identischen Neuverfilmung" zu reden, erschließt sich mir nicht. Etwas zu oft wählt der Übersetzer das im Deutschen ungewöhnliche Wort "sensitiv", welches ein bißchen was von denglischer Verlegenheitslösung hat. Dann gibt es Sätze wie (S. 27): "Am Anfang seiner Verbindung [privat???] mit Ingrid Bergman hatte Selznick Bedenken, die im Intermezzo-Remake einzusetzen." Ein Tippfehler oder eine sehr eigenwillige Vermischung von Personal- und Relativpronomen? Für Letzteres könnte ein auch in anderen älteren Heyne-Bänden sehr eigenwilliger Syntax sprechen ("Sagt Bette Davis: '...'"; es klingt wie ein Witz). Für Ersteres, dass es Heyne im Kleinen generell nicht so genau nimmt und sich wiederum (wie schon bei Harlow) Dinge wie falsche Jahreszahlen finden (z.B. Bildunterschriften S. 34 f.). Als deutscher Übersetzer wird immerhin noch jemand genannt: Alfred Dunkel. Hingegen wird nicht gesagt, dass irgendjemand die letzten Seiten des Buches für die deutsche Ausgabe neu geschrieben haben muss. Browns Buch erschien 1973, die deutsche Ausgabe fügt noch einen kurzen Text an, der die späteren Filme einbezieht. Er ist zwar nicht so ärgerlich wie das anonyme Stanwyck Bashing im entsprechenden Heyne-Band. Aber er ist auch nicht gut. Allzu knapp werden Filme abgehakt, die durchaus diskussionswürdig sind, "Mord im Orient-Express" und "Herbstsonate" eher in positiver, "A Matter of Time" eher in negativer Hinsicht. Und es gehört sich eigentlich, die Autorenschaft einmal klarzustellen.

Somit: Ganz nett, aber letztlich ein Schnellschuss. Wo ist der deutsche Bergman-Biograph, der mir schreibt, genauso habe er das auch empfunden und sich bemüht, Browns Unzulänglichkeiten zu vermeiden? Well, der Blitz schlägt nicht zwei Mal an gleicher Stelle ein;-)...
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Antwort auf einen früheren Beitrag vom 18.04.2012 19:10:09 GMT+02:00
christine meint:
Bei Heyne gibt es zwei Bücher zu "Casablanca", von Ulrich Hoppe (Heyne Filmbibliothek) und von Andreas Missler-Morell, fand ich beide sehr interessant.
Wenn es bei Heyne etwas von Mason gegeben hätte, hätte ich diesen Band schon längst auffindig gemacht, bei Sanders muss ich passen, glaube ich aber nicht.
LG, C.
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