Kundenrezension

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4.0 von 5 Sternen Hand auf's Herz...., 26. Juni 2013
Von 
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Unfinished Business (Audio CD)
....wär das ne völlig neue und unbekannte Band....würden wenige Hähne danach krähen! Das ist Blues-Rock der gediegenen englischen 70er Sorte, die damals zu Punk-Zeiten leider keine Chance mehr hatte - so in etwa Post-Fleetwood Mac der Peter Green und Jeremy Spencer Prägung. Schließlich waren sie ja....aber das ist eine andere Geschichte.

So, und was spielen sie nun anno 2011, weißhaarig und ohne jede Koffein-Therapie für die Haarwurzeln? Altes Zeug und ganz altes Zeug. Auch das ist okay, denn schließlich waren sie 33 Jahre raus aus dem Geschäft, da kam nix Neues dazu. Altes Zeug heißt, dass sie das spielen, was sie als Stretch anno 1976 auch schon gespielt haben, wie Why Did You Do It? oder Showbiz Blues. Doch jetzt greifen sie noch weiter zurück und adaptieren gleich den "gesamten" Willie Dixon Katalog, Hoochie Coochie Man bis Down In The Bottom. Warum auch nicht, sind ja schließlich Standards. Aber wo sind die eigenen Songs geblieben? Wie gut sie die konnten, beweisen sie ja mit Why Did You? Denn wenn schon altes Zeug, dann hätte ihnen ihr eigenes, wie der Stramm-Rocker Tomorrow's Another Day oder eine Schmelz-Ballade wie Slip Away, auch gut gestanden?!

Immerhin geht das soweit ziemlich unaufgeregt, ja abgeklärt, über die Bühne. Passt schon. Bei all dem Altbekannten gibt es aber zwei spezielle Aspekte, die tatsächlich überaschen - positiv und negativ. Fangen wir mit dem negativen an: kurz und knapp - die Produktion taugt nix! Völlig altmodisch und dabei punktuell...nun, sagen wir unsicher in den Stilmitteln. Das beginnt mit 'nem Drummer, der vollfett die Mitte und den Vordergrund behämmert. Kein Mensch, genauer kein begabter 17-Jähriger, würde heute so spielen, auch, und schon gar nicht, als Blueser. Muss man I've Got My Mojo Working denn so 7oer mäßig restauriert wegzappeln?! Und warum muss ausgerechnet der Mac-Klassiker Need You Love So Bad völlig unpassend mit Shoobeedoooahhh und Hawaii-Gitarrenklang unterfüttert werden?! Danny Kirwan klang in diesem Song definitiv anders! All das verhundst tatsächlich die Produktion - und die stammt von Gantry&Kirby.

Dem steht geradezu kompensierend der zweite - positive - Aspekt gegenüber: wieso ist die Stimme Elmer Gantry's nicht um ein Jahr gealtert??! Die tönt noch exakt so voll und voller Power wie eben 1976. Das shoutet! Gleiches gilt übrigens für die E-Gitarre Kirby's, außer dass er hier 2011 ein bisschen viel agiert, ein wenig sehr in Richtung Kraftrock-Sound und Kraftrock-Solo tendiert. Die Stretch der 70er waren die Band der kurzen, knochentrockenen Riffs, welcher ihrer Songs war schon länger als 3.30?! Doch ich will ja nicht mäkelig sein, bin ja schon froh, dass sie es überhaupt noch mal stemmen und war ja schon mit dem nur einen negativen Aspekt durch...

Distanziert betrachtet, unter Berücksichtigung der genannten Einschränkungen, ist das einzig was für die Fans der alten Stretch Aufnahmen - also pure Nostalgie. Denk ich jedoch an die völlig desolaten Reunion-Versuche und die daraus resultierenden Aufnahmen der annähernden Geistesverwandten Juicy Lucy oder Spooky Tooth - dann ist das hier allererste Sahne. Kompromissige 4 Sterne.
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1-3 von 3 Diskussionsbeiträgen
Ersteintrag: 01.07.2014 18:20:34 GMT+02:00
Julian H. meint:
Also ich kann die Kritik an der Produktion kaum bis gar nicht nachvollziehen. Wie oft hat man "I've Got my Mojo Workin'" als reinen Blues gehört? Wieso dürfen Stretch das nicht ein bisschen umarrangieren? Das war doch auch früher schon ihre Stärke - man denke nur an "Can't Judge a Book", kaum wiederzuerkennen. Auch "Need Your Love So Bad" finde ich hier gelungen, da gibt es viel schlimmere Versionen (B.B. King & Sheryl Crow; auch Gary Moore überzeugt mich weniger, obwohl ich großer fan seines Werks bin). Das Stück stammt auch nicht im Original von FM - die FM-Version ist auch ein Cover, sondern von Little Willie John. Die "Hawaii-Gitarre" gefällt mir mehr als die schluchzenden Geigen...

Summa summarum: Ich finde Unfinished Business ist eine der besten modernen Bluesrockplatten der letzten Jahre. Das es hier außer Showbiz, Why Did You Do It und Flames kein eigenes Material gibt, liegt daran, dass die Band erst einmal wieder in Form kommen wollte. Eigentlich sollte ein komplett neues Album darauf folgen, ist aber bis jetzt nichts gekommen...

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 02.07.2014 17:41:51 GMT+02:00
Zuletzt vom Autor geändert am 02.07.2014 17:52:14 GMT+02:00
catero meint:
Sorry, dass mir der weit weniger bekannte Little Willie durchgegangen ist und ich den Song tatsächlich immer Peter Green zugeschrieben habe, sowas....das darf selbstverständlich nicht passieren - auch wenn es damit natürlich immer noch der "Mac-Klassiker" bleibt. Hätte ich doch vor 46 Jahren mal besser nachgelesen....

Wie ich die Stretch-Aufnahme höre, ist wohl meinen alten Ohren geschuldet, die immer noch an den Sound der Altaufnahmen von FM als auch Stretch gebunden scheinen...

....wers also so mag - bitteschön! Es soll ja auch Hörer geben die Gary Moore oder Sheryl Crow Coverversionen oder "Hawaii-Gitarre" in Blues Songs mögen....

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 22.07.2014 19:16:25 GMT+02:00
Zuletzt vom Autor geändert am 22.07.2014 19:36:23 GMT+02:00
Julian H. meint:
Klar geht man mit bestimmten Erfahrungswerten an CDs ran. In meinem Fall war es sogar so, dass die BB King/Sheryl Crow Version die erste war, die ich je gehört habe, und dagegen war Stretch eine positive Überraschung. Ich hab nichts gegen B.B. (hey, das ist vielleicht der beste lebende Bluesgitarrist!) aber dieses Duett ist halt sehr schmalzig. Mir fällt grade noch ein, dass ich auch noch irgendwo eine Version von Buddy Guy hab. Muss ich mal wieder hören. Aber ist ja eh alles Geschmackssache :)

PS: "Down in the Bottom" wird im Booklet fälschlicherweise Willie Dixon zugeschrieben. Soviel ich weiß, ist Howlin' Wolf der offizielle Autor. Andererseits ist das Stück nur ein Derivat von "Rollin' and Tumblin'".
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