Kundenrezension

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5.0 von 5 Sternen Der Weltuntergang 2012- Hier der Soundtrack zur Apokalypse, 9. November 2012
Rezension bezieht sich auf: 'allelujah! Don't Bend! Ascend! (Audio CD)
Viel Zeit für eine Kreativphase neben der Bühne hatten Godspeed You! Black Emperor ja bisher nicht. Da durch ist das was auf dem Album ist, größenteils das ausgefeilte Beste aus ihren Live-Auftritten ihrer neuen Ära. Hier in dieser neuen Ära haben Sie genau da angefangen, wo Sie vor etwa zehn Jahren aufgehört hatten. Bei der Fertigstellung von Titeln wie z. B. dem bisher unter Fans als "Albanian" geläufigen Track. Viele Bands versuchen sich stets neu zu erfinden. Hier kann man das mit Sicherheit nicht sagen. Doch das war ja ab Re-Union sowieso logisch und nicht wirklich überraschend. Der Post-Rock den Godspeed machen ist schließlich unverfälschlich Godspeed! und sie stellen schon fast ein komplettes Sub-Genre des Post-Rock dar. Da liegt nichts ferner, als unter dem alten Pseudonym andere Musik zu machen.

Hab mich also in die neue dann mal beschlossen reinzuhören... schließlich stand mein fünftes Godspeed!-Konzert vor der Tür und bei Godspeed You! ist das Kennen der Songs für mich besonders entscheidend für einen solchen Event. Blind und unvorbereitet auf so ein Konzert zu gehen ist schließlich gerade zu fahrlässig... diese ganze innere Geschichte, die einen da übermannt. Es ist oftmals wie ein Soundtrack zu einem inneren Film.
Los geht es auf "Allelujah! Don't bend! Ascend!" dann mit einem Sprach-Sample vom Opener "Mladic". Stimmlich sehr aufgeregt wird dort gesprochen, gewohnt bisschen Lo-Fi hört sich das an, wie durch ein Walkie Talkie von einem Polizisten. Die Stimmung macht einen unangenehm stutzig. Irgendwas steht bevor. Doch was? Ein Officer mag da wiederholt fragen "With his arms outstretched?" und sagt dies so als wenn er gerade nach nem Amoklauf auf der Suche nach dem Täter ist, den er unbewaffnet mit ausgebreiteten Händen hofft, vorzufinden. Meistens fangen diese Worte dann an, sich auf universelle Botschaften runterzurattern im einstimmen der Instrumente. Bis das Sample nur noch einem einzigen Gefühl entspricht: Verzweiflung.
Knapp 20 Minuten später fehlen einen die Worte und mit versteinertem Gesicht kommt man im nächsten Drone zur Ruhe. Doch was ist passiert? Man wartet förmlich 5 Minuten auf den richtigen Beginn, denn das Einstimmen ist ja wie das Vorwort in nem guten Buch, man kann nicht ohne. Doch die wahre Einleitung der Geschichte kommt dann mit einen dieser apokalytischen Signature-Licks des Efrim Menuck. Dieser, wenn man so will- Frontmann, kann einfach nicht anders, als musikalisch im Vordergrund zu stehen. Schließlich muss jemand die böse Gitarre mit übertriebenst angenehmster Sustain und Echo auffahren, da diese so doll mit diesen Violinparts verschmelzt, doch eben auch dank dieser Frequenzen am meisten ins Ohr geht. Sobald der Lick, das Motif da ist, wird alles gemacht um dieses dramaturgisch zu verstärken, ob mit Bass oder Celloparts, bis dann schließlich wieder alles kaputt gemacht wird mit Gitarrenstörgeräuschen oder Drones bloß um die Ruhe vorm nächsten Gefecht einzuleiten und tatsächlich auch einen zweiten und dritten Signature-Lick auf Reisen zu schicken.
Irgendwie sind die Botschaften, die auf das minimalste ausgelegt sind wiederum zu tiefst universell und pragmatisch: Während man seine Reise von apokalyptischen kolossalen Rhythmen zu in sich wieder gefassteren ruhigeren Drone-Momenten unternimmt, fällt einem diese Form von "auf- und ab" auf: Jedes Bewusstsein kommt irgendwann wieder zur Ruhe, oftmals nur um sich in der Ruhe auf den nächsten noch viel größeren Kampf vorzubereiten. Die Energie ist nicht verblichen, sondern im Bewusstsein eingespeichert und jederzeit abrufbar. So denke ich zumindest, wenn ich über den Sinn und Zweck dieser Musik nachdenke, die für mich eher sehr wenig mit Politik zu tun hat, vielmehr eben mit spiritueller Energieanhäufung, wenn man so will.

Zum Ende nehmen "Drift like worried Fire" und Mladic" dann an Fahrt auf durch diese enorme Rhythmusabteilung von Godspeed!. Kaum eine Band haut tatsächlich so fest auf das Fell ihrer Kicks und Toms. Dazu klingt das Schlagzeug stets so seperat, so perfekt im Mix. Wenn ein Fill-In über die Snare nebenher gespielt wird vor einem neuen Part, dann zieht der Song so doll an!

Tatsächlich! Ich finde die Band gut! Das Album auch! Zwar ist alles immer ziemlich langwierig, anfänglich fast gar schleppend. Aber gut Ding will schließlich Weile haben. Dieses Werk ist noch kein LYSFLATH oder F#A#Infinity, da es nicht präzise genug für mich ist in den Drone-Songs und der Opener, wenn auch das Beste auf diesem Album, nicht ganz an die größten Songs des Apokalytischen Orchesters heranreicht. Es reiht sich im Sound und Art nahtlos an die Slow Riot an.

Vielleicht ist es gar nicht so lange hin bis zum wiederum nächsten Album: Der Dreiviertelstünder "Behemoth" wird aktuell auf jedem Konzert gespielt und steht selbst unter Godspeed-Historie als Superlative in Sachen Songlänge und gibt Hoffnung das 2013 gleich ein nächstes Album veröffentlicht wird. Wie wird es dann wohl veröffentlicht? Vielleicht ja als "Easter-Egg" in Montreal- wer's findet darf es brennen und vervielfältigen. Das wäre doch mal eine Idee bei Godspeed's Anti-Musikwirtschaft-Attitüde. Gespannt darf man tatsächlich sein, denn trotz diesen fiktiven Weltuntergang, der mich in "Mladic" gegen Ende ereilt, ist die Apokalypse dann doch nicht so nah wie man nach ner Stunde Godspeed! hören zunächst denkt und das Album mehr als bloß lohnenswert- Zeitlos ;)
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