Kundenrezension

6 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen TripHop ist tot, Portishead leben, 13. Mai 2008
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Third (Audio CD)
1994 legten Portishead mit ihrem grandiosen Debüt "Dummy" die Blaupause eines neuartigen Stils vor. Ein bislang nie gehörter Mix aus alten Platten-Samples, schweren Beats und -dank Beth Gibbons' todtraurigem Gesang- durchzogen von einer tiefen Melancholie, wie sie der elektronische Bereich noch nie vorgebracht hat. Die Journalisten kreierten rasch die Schublade "Bristol-Sound" oder bekannter: "Trip Hop", wegen der Mischung aus HipHop-Beats und schwer hypnotischen Sounds.
Das Rezept wurde 1998 mit dem selbstbetitelten Nachfolger weiterbedient - mehr aber nicht. Das sollte nicht mehr passieren, befanden Gibbons, ihr Partner Geoff Barrow und der mittlerweile zum vollwertigen Bandmitglied gemachte Gitarrist Adrian Utley.

Und so dauerte es nach der Interims-liveveröffentlichung "Roseland NYC" halt ein paar Jahre, bis Portishead ein neues Album auf die Welt loslassen wollten. "Wir hatten zu Beginn vereinbart, dass wir uns auf die Suche nach einem neuen Vokabular begeben, an deren Ende ein Album stehen soll, das so keiner von uns erwarten würde. Es sollte ganz nach uns klingen, ohne auch nur im Sounddetail an etwas zu erinnern, was es schon von uns gab", so sagt Utley im VISIONS-Interview. Und dass das geglückt ist, davon kann man eigentlich auch schon aufgrund der Tatsache ausgehen, dass "Third" zehn Jahre nach seinem Vorgänger nun wirklich erschienen ist.

Der Erstkontakt war die wirklich kranke Single "Machine Gun": Ein verzerrtes E-Drum, Beths gewohnt klagender Gesang, nur ganz zum Schluss ein paar einzelne Synthie-Töne - mehr nicht. Ein unzugänglicher Brocken. "Third" in voller Länge macht dann dadurch aufgebaute Erwartungen erneut zunichte, indem es überraschend schön geworden ist. Obwohl es -gerade vom Sound her- immer noch denkbar weit draußen ist.
Die Songs hören mitunter abrupt auf, sind durch und durch angereichert mit schrägen Gitarrensounds an der Grenze zum reinen Geräusch, die Drums klingen kaputt und lo-fi, die Beats stolpern asynchron, die Songstrukturen sind reichlich unkonventionell. Die Elektronik-Schublade kann man gleich mal zumachen, das Album klingt dank der verwendeten Instrumente und Samples so zeitlos und analog wie nichts hippes Elektronisches klingen kann. Zudem geistern als Assoziationen bestenfalls noch experimentlastige Bands aus dem Indiesektor wie Sonic Youth (ja!!!!) oder dEUS durch den Kopf.
Und dann die Beats: "Third" knallt nicht und kommt oft sogar ohne Beat aus. Ihr Markenzeichen wurde rücksichtslos getötet. "Wenn einer befand, etwas klänge 'too triphop', wurde es unmittelbar gelöscht", so Utley. Also macht "Third" alles anders, kommt manchmal gar ungewohnt schnell daher.
Und das ist natürlich immer noch keine Sommermusik - dennoch muss man manche Songs als die zugänglichsten und optimistischsten bisher beschreiben. "Deep Water" etwa, nur zu einer Ukulele gesungen.
Und anders als bei den homogenen Vorgängerwerken hat jeder seinen ganz eigenen Charakter. Weil in jedem etwas Neues passiert, was nicht nur nichts mit dem bisherigen Bandschaffen zu tun hat, sondern auch auf dem Album einzigartig ist.
Der extreme Variantenreichtum macht "Third" zum besten Portishead-Album. Punkt.

Die Neuerfindung ist also geglückt. Portishead sind nicht nur wieder da, sie sind besser als je zuvor. Sie sperren sich gegen jede Schublade, sind immer dort, wo niemand anderes ist und berühren und begeistern. Toll, dass es so was gibt.
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1-1 von 1 Diskussionsbeiträgen
Ersteintrag: 15.05.2008 04:25:19 GMT+02:00
Belle meint:
DANKE für diese schöne, stimmige, bildreich-anschauliche (fast fühlbare), gelungene Rezension! KLASSE!! Hier hat jemand "Ahnung" / Freude an und Gespür für: MUSI, Klänge, Sounds, Strömungen, uswusf., und vermag uns dies auch noch gekonnt in Worten weiterzugeben - hmmm, was meine - rein emotionale Empfindung/Rezension obsolet macht - egaal!, denn sie wäre um keinen Deut hilfreicher, als diese. (...) Außer, daß Beths Voice auf mich nach wie vor einen geradezu magischen Sog ausübt .... ich also, egal, wobei sie mitwirkt, ich mir dies anschaffe ...
Ja, das mußte mal gesagt werden! :-)
hugh,
eure Belle
Grüße, Danke und
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