Kundenrezension

28 von 29 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Roger Cicero: Ein Großer auf der Suche nach dem "Wohin", 1. April 2014
Rezension bezieht sich auf: Was immer auch kommt (Audio CD)
In weitreichendem Konsens mit den meisten Musikkennern dürfte ich mich mit der Aussage befinden, dass Roger Cicero nicht nur über eine exzellente Stimme, sondern auch über ein fein nuanciertes, stets stilsicheres musikalisches Gespür verfügt, mit fantastischen Entertainerqualitäten brillieren kann, kurzum: Einen Künstler darstellt, wie es ihn hinsichtlich seiner zweifellos vorhandenen Kompetenzen nur sehr wenige(!) im deutschsprachigen Raum gibt.
Dennoch stellt sein neues Album "Was immer auch kommt" für mich das bisher einzige dar, das mich etwas ratlos zurücklässt. Stimme, Phrasierung wie besagte Stilsicherheit befinden sich auf gewohnt hohem Niveau; die Produktion ist perfekt und ausgefeilt. Man spürt, dass viel Arbeit und noch mehr Feinschliff im vorliegenden Endergebnis stecken, dass der Sänger mit Herzblut bei der Sache ist - und dennoch: Dieses Album kann nicht voll befriedigen. Kann nicht vollends zufriedenstellen, da es den Wortwitz, mit dem Cicero seinerzeit fulminant reussierte, auf weiten Strecken vermissen lässt sowie kaum zündende Melodienbögen bereithält, kann nicht wirklich begeistern, da es partiell dem Versuch gleicht, die jüngst erlebten privaten Turbulenzen musikalisch zu bewältigen. Obwohl völlig legitim, geht dies zu Lasten der Spielfreude, dem Funken, der bislang von allen Vorgängeralben übersprang sowie der Leichtigkeit im niveauvoll Angesiedelten, das Roger zur Ausnahmeerscheinung (nicht nur für mich) geraten ließ.

Um Missverständnissen vorzubeugen: Jeder Künstler muss sich weiterentwickeln, sofern er nicht riskieren will, zu stagnieren und eine ehedem erfolgreiche Masche totzureiten. Dieser Gefahr wäre er gewiss mit einer 1 zu 1-Weiterführung des luftig-krachenden Big-Band-Stils nach "Artgerecht" erlegen, das prägende Elemente der beiden Erstlinge doch auf sehr ähnliche Weise weiterspann. Daher habe ich auch "In diesem Moment", mit dem erstmals auf leisere, jazzige Töne gesetzt wurde, freudig und angetan begrüßt - handelt es sich doch um ein in sich stimmiges Album, mal melancholisch-tiefsinnig, mal vor Lebenslust berstend und voller Wortwitz, doch stets stilvereinend, variabel melodiös, "rund".

Hartgesottene Cicero-Fans (und dessen bin ich mir bewusst) werden mich mit Verachtung sowie den entsprechenden "Klicks" strafen. Dennoch komme ich im Bewusstsein aller Subjektivität um folgendes Fazit nicht herum: "Was immer auch kommt" lässt ebendieses Einheitsgefühl, dieses "Runde" im Vielseitigen vermissen, für das Roger Cicero bisher wie kaum ein Anderer stand und gewiss auch weiterhin figurieren möchte. Zudem kann ich ich mich des Eindrucks, dass er nach einer neuen Ausrichtung seiner musikalischen Zukunft sucht, nicht erwehren. Für sich alleine gesehen kann die aktuelle Scheibe als gelungen bezeichnet werden. Im Kontext der Vorgänger jedoch schwächelt sie.

"Frag nicht wohin", so der Titel des letzten Songs, einer ungemein berührend-intimen, pianodominierten Ballade, mit der der stimmgewaltige Cicero - hier verhalten zurückgenommen - jedes empfindenkönnende menschliche Wesen mitten in die Seele zu treffen vermag - vielleicht der Wegweiser in die richtige Richtung?
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1-6 von 6 Diskussionsbeiträgen
Ersteintrag: 02.04.2014 13:11:15 GMT+02:00
DerMaus meint:
Der 2. Absatz: perfekt analysiert - aus meiner Sicht. Hätte ich genauso geschrieben, weil ich s genau so empfunden habe. Kaum noch Wortwitz, Thema Trennung zu oft (in 6 von 13 songs) und kein großer "Orchester-Swing" mehr. Hoffe auf s nächste Album!

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 02.04.2014 16:21:05 GMT+02:00
Zuletzt vom Autor geändert am 02.04.2014 16:25:04 GMT+02:00
Danke für diese gut geschriebene, aussagekräftige Rezension. Eigentlich sieht diese REZ mehr nach 4 als nach 3 Sternen aus.
Für mich ist diese CD - die überwiegend wirklich sehr anders ist - einfach eine weitere Variante und zeigt beispielhaft Ciceros Können und Vielseitigkeit. Fazit: So etwas kann er auch !
Ich denke zu diesem Zeitpunkt in Ciceros Leben, war das Album in Ausdruck und musikalischer Art einfach ein Bedürfnis.
Es gibt unzählige Beispiele von Künstlern (Grönemeyer, Eric Clapton, Reinhard Mey uva. ) die ihre privaten Befindlichkeiten thematisierten - so wie es auch Schriftsteller oder Maler machen.
Es gibt traurige, lustige und interessante Bücher, Bilder CDs...
Ich kann bei einer Cicero-CD auch gut mal auf Swing und andauerden Witz verzichten - so sehr ich auch diese mochte. Das, was ich hier auf seiner neuen CD bekomme, hat auch großen Wert für mich.

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 03.04.2014 22:34:39 GMT+02:00
Ulrich Groh meint:
Vielen Dank beiden Kommentatoren! Mit Zustimmung hatte ich kaum gerechnet, obwohl sich der qualitative Unterschied zu den Vorgängeralben - insbesondere bzgl. der Melodien - eigentlich nur sehr schwer, wie ich finde, überhören lässt.

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 05.04.2014 15:31:53 GMT+02:00
Zuletzt vom Autor geändert am 06.04.2014 00:26:58 GMT+02:00
Hi Ulrich, ich stimme nur zum Teil zu - obwohl ich deine Meinung akzeptiere - denn ein "Veriss" ist diese Rezension nun wirklich nicht!
Ein (großer textlicher und deshalb auch musikalischer) Unterschied ist zweifelsohne da -
aber was die gesammte Qualität dieser neuen CD betrifft, sehe ich keineswegs eine Verschlechterung gegenüber seiner Vorgängeralben. Bei den Texten sogar eine Verbesserung.
Kein Album von Cicero war bisher meiner Meinung nach schwach oder gar schlecht: Meine Favoriten sind ganz klar: "Männersachen" und "In diesem Moment".
Die neue CD muss ich erstmal über längeren Zeitraum erfahren. Aber was ich bis jetzt merke: je öfter ich sie höre, um so besser finde ich sie.

Veröffentlicht am 11.04.2014 14:10:02 GMT+02:00
Frank meint:
Ich bin froh, dass der Wortwitz von Frank Ramond nicht mehr dominiert. Diese "Großstadt-Single-Beziehungkisten-Texte" können gerne Barbara Schöneberger, Ina Müller und Annett Louisan weiterhin bedienen, ich brauche das bei Roger Cicero nicht.

Veröffentlicht am 28.06.2014 18:13:51 GMT+02:00
Ging mir auch so, gute Musik. Tolle Stimme. Manchmal durch die Texte etwas zu viel gewollt. Leider fehlt der Charme und Wortwitz der vorangegangenen Cd`s.
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Ulrich Groh
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Ort: Mittelhessen

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