Kundenrezension

71 von 81 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen It grows on you!, 19. Februar 2007
Rezension bezieht sich auf: Iron Maiden (Audio CD)
Meine erstes Iron Maiden Album war das 83er "Piece of Mind". Von der ersten Minute dieses Albums an war ich ein absoluter Maiden Fan und kaufte fortan jedes neu erscheinende Album. Und um als echter Fan eine komplette Sammlung zu besitzen, legte ich mir auch nach und nach die Vorgängeralben zu - wenn es das Taschengeld eben hergab. Vom Debüt Album "Iron Maiden", welches ich als holländische "Nice Price" Pressung für 9,99 DM erwarb, war ich jedoch richtig geschockt. DAS sollten meine geliebten eisernen Jungfrauen sein? Was ist das für ein jämmerlicher Sound? Wie abartig schlecht ist der Sänger im Vergleich zu "The Bruce"! Und überhaupt - die Songs! Kein Vergleich zu den späteren Hammer Alben!

Die Jahre zogen ins Land - in den 90ern waren Maiden dann künstlerisch am Ende. Adrian Smith stieg aus und ich folgte ihm, nachdem ich mich über das wirklich sauschlechte "No Prayer for the Dying" geärgert hatte. Ich kehrte dem Metal den Rücken und wendete mich Grunge, Punk und Alternative zu. Irgendwann waren mir die Maiden Alben in der Plattensammlung sogar richtig peinlich. Diese Spandexhosen! Die Haare! Der operettenhaft-affektierte Gesang! Die peinlichen Monster Plattencover! Iron Maiden waren für mich gestorben.

Mitte 2003 schenkte mir dann meine Frau einen iPod zum Geburtstag.

Wie ein Irrer begann ich meine CDs zu rippen - schließlich wollen 40 GB gefüllt sein ;-) Was ich nicht als CD hatte "besorgte" ich mir im Internet. Schließlich hatte ich die Platten ja erworben. Beim Stöbern stieß ich zufällig auf eine komplette Maiden Discographie im MP3 Format. Ich zögerte kurz - und saugte mit "um der alten Zeiten willen" die Datei. Kurz darauf bescherte mir die "shuffle" Funktion meines iPod ein Wiedersehen mit "The Trooper". Ein kleiner Funke spang über... Natürlich war die Musik aufgeblasen, pathetisch, überkandidelt und .... gut .... erstaunlich gut.

Seit Anfang des Jahrtausend hatte ich mich so an die "Musik" Verbrechen in den Charts gewöhnt, dass ich gar nicht mehr wußte wie gute, handgemachte Rockmusik klingen kann. Mein Interesse war geweckt. Was machten eigentlich meine Helden von damals? Gab es die Band überhaupt noch?

Es stelle sich heraus: Iron Maiden waren aktiv wie schon Jahre nicht mehr und feierten ein echtes Revival. Sie galten jetzt als Kult Band, weil sie sich all die Jahre nicht an modischen Strömungen orientiert hatten, sondern immer sich selbst treu geblieben waren. Und ich war nicht der einzige alte Fan, der Maiden wiederentdeckte. Im Internet traf ich Dutzende Andere, welche ähnliches wie ich erlebt hatten. Endgültig sprachlos war ich dann, als mich meine 15-jährige Tochter fragte, ob ich ihr nich nicht eine Iron Maiden CD kaufen könnte, die seien nämlich richtig "cool".

Zufällig entdeckte ich wenig später auf dem Grabbeltisch eines Media-Markt die "Early Days" DVD. Ich kaufte mir das Ding und ein paar Tage später nahm ich mir die Zeit die Dokumentation anzuschauen. Und das stellte für mich die Initialzündung dar, mir das erste Album noch einmal genau vorzuknöpfen. Auf der "Early Days" sind einige Konzertmitschnitte mit Paul DiAnno als Sänger dokumentiert. Man kommt nicht umhin dem Mann ein gewaltiges Charisma zuzugestehen. DiAnno zappelt nicht auf der Bühne rum oder schwenkt den Union Jack und brüllt "Scream for me xxx" wie das Dickinson seit Jahren in jedem Gig macht. Seine Vocals sind rauh und direkt, die Lederjacke schwarz und schwer und wenn er "Wrathchild" intoniert, nimmt man ihm das wirklich ab. Ich war begeistert und kramte umgehend das erste Album raus. Seitdem ist für mich dieser Erstling ein ganz besonderes Juwel in der Maiden Discographie. Mag sein, dass der Sound nicht der Beste ist (Steve Harris hasst deshalb das Album) das Songmaterial und die Performance der Band, und besonders von Di Anno, sind fantastisch. Phantom of the Opera, Charlotte the Harlot, Sanctuary, Running Free und natürlich Iron Maiden sind zu zeitlosen Klassikern geworden welche bis heute auf fast jedem Maiden Gig gespielt werden. Das Album verdeutlicht auch in welche Richtung sich Maiden hätten entwickeln können, wenn DiAnno nicht wegen seiner Sauferei gefeuert worden wäre. Der erdige Sound und das Underdog Image hatten durchaus Potential. Ich glaube Steve Harris hat sich deshalb später sehr bewußt für Blaze Bayley als Sänger entschieden, nachdem Dickinson die Band verlassen hatte, um vom gekünstelten, operettenhaften Sound mit Songtiteln/Texten die aus SciFi Büchern/Filmen geklaut sind wieder "back to the roots" zu gehen. Die Texte von den beiden unter Mitwirkung von Bayley entstandenen Alben spiegeln dies zum Teil auch wieder (z.B. 2.A.M. auf X-Factor).

Als Fazit möchte ich anmerken: Selbstverständlich ist Dickinson ein großartiger Sänger, natürlich sind Meisterwerke wie "Piece of Mind", "Somewhere in Time" oder "Seventh Son.." unerreicht. Aber Maiden waren auch einmal eine echte Rockband - ohne Monsterfirlefanz, ausufernden Gitarrensolo Orgien und Texten auf dem Niveau von Gymnasiasten die zu viel "Herr der Ringe" gelesen haben. Eine richtig rotzige, dreckige Rockband. Und es macht Spaß dieser Band zuzuhören.
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Kommentare

Von 1 Kunden verfolgt

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1-9 von 9 Diskussionsbeiträgen
Ersteintrag: 07.11.2008 13:17:52 GMT+01:00
Amen :)

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 08.09.2009 00:05:51 GMT+02:00
Zuletzt vom Autor geändert am 08.09.2009 00:14:56 GMT+02:00
Naja... Als Ur-Maidener gefällt mir das Debütalbum nicht, DiAnno klingt wie der Rest des Aufnahmen noch schwer nach der frühen Punkphase - geht ja mal garnicht. Ab Killers wird es erst interessant, da klingt das Ganze schon nach Maiden wie man es gewohnt ist. Er hatte auf jeden Fall Potential, aber Dickinson war erst das, was Maiden ausmacht, sorry für den Hammer - ist aber so :)

Nach seinem Ausstieg war Maiden auch bei mir erstmal Geschichte. Die Zeit dazwischen... Schwamm drüber. Die beiden Alben habe ich bis heute nicht, keine Chance, klingen in meinen Ohren einfach nicht nach Maiden. Ist ein wenig wie bei Metallica, wo St. Anger ja den Tiefpunkt markierte. Erst ab Brave New World fing ich wieder an zuzuhören. Nun gut, es steigerte sich von Album zu Album wieder...

Wie auch immer, das Debütalbum ist meiner Meinung nach einer der schwächsten Alben in der Bandgeschichte. Ansichtssache, ich weiß, aber ein Brüller ist es definitiv nicht. Neulinge sollten eher mit Killers anfangen (DiAnno Ära) oder gleich mit dem Hammeralbum Number of the Beast (Dickinson Ära).

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 04.12.2009 23:17:16 GMT+01:00
lekrul meint:
"geht ja mal garnicht"; grad deswegen ist das album gut, es nicht sich nicht so bierernst wie die späteren, technisch viel ausgefeilteren. es ist grober, roher und ... es fetzt. mir ist der rest fast zu perfekt, obwohl mir das mal sehr gefallen hat.

Veröffentlicht am 10.01.2010 22:42:05 GMT+01:00
Harald S. meint:
Lorem, freut mich, daß Du doch noch den Weg zu diesem fantastischen Album gefunden hast. Für mich war dieses Album eine meiner ersten Heavy-Metal-Platten und meine erste Iron Maiden Platte. Killers und Piece of Mind haben mir auch sehr gut gefallen, doch das Debutalbum war für mich immer das beste Maiden-Album. Es hat einfach was - nämlich eine brachiale, schnörkellose Power, die Maiden später nie mehr erreicht hat. DiAnno war tierisch gut und ich habe es immer sehr bedauert, daß er die Band so früh verlassen hat.

Veröffentlicht am 31.07.2010 11:00:37 GMT+02:00
yankee meint:
Die Beste Rezension die ich bisher auf Amazon gelesen habe.
Und das waren sehr viele.

Veröffentlicht am 15.09.2010 02:58:01 GMT+02:00
Kalle meint:
Super Rezension! Ich hab mir das Werk eben deshalb auf den Wunschzettel gesetzt. Und bitte: Gruß an die Tochter. Ist die noch zu haben?

Veröffentlicht am 13.02.2011 09:53:32 GMT+01:00
Michael meint:
Eine sehr schöne Rezension, gut zu lesen und die ehrlich und offen rüber kommt.
(Besonders die letzten Sätze haben mir sehr gut gefallen :-)
War mein Einstieg und ist es -warum auch immer- dabei geblieben.
Diese Scheibe höre ich heute noch gerne

Veröffentlicht am 19.10.2011 12:38:18 GMT+02:00
schilba meint:
Hi,

you've been reading my mind.:-) Die ersten beiden iron maiden Scheiben waren nicht sie einzigen, sie mir einst peinlich wurden und die ich dann über den von Dir geschilderten weg wiedergefunden habe. Die spät 80er Punks, Alternative Rocker und Doomer haben sich genau hier ihre Inspirationen geholt.

Veröffentlicht am 07.06.2013 07:50:00 GMT+02:00
Ostbahn meint:
Eine wunderbare Rezension. schön zum Lesen und sich erinnern, dass es genauseo auch bei mir war
auch ich habe eine 16 jährige Tochter, die Iron Maiden geil findet.
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