Kundenrezension

4 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Die weiße Schlange 2008, 3. Mai 2008
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Good to Be Bad (Audio CD)
David Coverdale hat mal gesagt, dass die besten Rocksongs schon alle geschrieben wurden. Jetzt könnte man den neuen Output unter genau diesen Gesichtspunkten mit der Zielsetzung untersuchen, ob Coverdale sich nun selbst widerlegt oder nicht. Grundsätzlich kann man eine Aussage vorwegnehmen - neue Übersongs à la Here I go again oder Still of the Night sind ihm nicht gelungen. Aber ich habe von Whitesnake noch nie eine Scheibe gehört, die mich durchgängig so überzeugt. In der Vergangenheit war es doch immer so, dass neben den absoluten Highlights immer zwei bis drei eher schwächere Songs zu finden waren, manchmal auch mehr. Nehmen wir beispielhaft das von vielen als Jahrhundertwerk betrachtete 1987. Damals habe ich Herrn Coverdale sehr übel genommen, dass man dort mit aller Macht Here I go again und Crying in the Rain ein zweites Mal verewigt hatte. Sicher weiß ich dass das für den amerikanischen Markt geschah, weil Saints and Sinners in Amiland nicht veröffentlicht wurden. Für den geneigten Fan hierzulande waren das aber alte Songs, die in meinen Augen damals nicht an die viel gefühlvolleren Originalversionen heranreichten. Entfernt doch gedanklich mal diese beiden Songs, da bleibt doch nur der Jahrhundertsong Still of the Night und der Rest ist gut, manchmal durchschnittlich. Auf dem neuen Album hatte ich insgeheim irgendwie was ähnliches befürchtet, z.B. Don't break my Heart again in dieser schlimmen Liveversion. Aber mit Good to be bad wurde ich dann doch sehr angenehm überrascht. Wirkliche 11 neue Songs, die allesamt auf einem sehr hohen Niveau daherkommen. Sicher, wie eingangs erwähnt, ein absoluter Übersong ist ihnen nicht gelungen, aber einige wenige, die doch stark in die Nähe eines solchen kommen. Best Years ist der Opener, im Gesamtgefüge der Platte eher durchschnittlich, ein stampfender Rocker mit typischem Whitesnakeriff. Der Folgesong Can you hear the Wind blow ist Hardrock in bester Whitesnaketradition. Schönes Riff, schöner Refrain, dieser Song hat so alles, was guten Hardrock ausmacht. Slide it in ist ein ähnlich konzipierter Song, allerdings ohne ihn zu zitieren. In anderen Songs findet man Selbstzitate von David Coverdale genug, aber niemals eine Songkopie. Call on me ist ein weitere Rocker, deutlich härter und schneller als Can you hear the Wind blow. All I want all I need ist die erste Ballade des Albums. Ich bin ja jemand, der Here I go again nicht für eine Ballade hält, aber das ist ja Geschmackssache. Coverdales Stimm ist in dieser neuen Ballade sehr rauh, was offenichtlich auch viele sehr schön finden. Ich hätte mir in ein bis zwei Passagen gewünscht, dass er auch seine sehr sonore klare Stimme mehr zum Ausdruck bringt. Aber sei's drum, der Song hat Hitpotential mit einem sehr einprägsamen Refrain, erfüllt aber nicht das Fankriterium des Übersongs. Dafür folgt darauf der Titelsong, typischer Whitesnakerythmus, der zugegebenermaßen aber auch von Led Zep hätte stammen können, mit Spitzengesang und einem fast hymnenhaften Refrain. Für mich einer der stärksten Songs auf dem Album. Da ich ja auch von Selbstzitaten sprach, die Grundidee könnte ganz entfernt Ready and Willing sein. All for Love erinnert mich schon deutlicher an Gimme all your Love, ist aber trotzdem ein guter Song. Mit Summer Rain folgt eine weitere Ballade, für mich deutlich stärker All I want all I need. Summer Rain hat durchaus das Potential für einen Spitzensong, der sich aber erst nach mehrmaligem Hören weiter erschließt. Ich könnte mir vorstellen, dass er sich live sehr zum Mitsingen eignet. Aber auch hier betont Coverdale den rauhen Gesang eine Spur zu stark. Nach dieser zweiten Ballade wird die Scheibe hörbar bluesiger. Die Nähe zum Blues kann man auch den übrigen Songs nicht absprechen, aber ab Lay down your Love wird's deutlicher. Auch in diesem Song wird mal wieder nicht mit Selbstzitaten gespart, die Grundstruktur des Songs ist Still of the Night. Aber es ist keine billige Kopie des Jahrhundertwerks. Lay down your Love ist weitaus bluesiger gespielt und kommt ein wenig gefühlvoller, nicht so brachial daher. A Fool in Love vereinigt so alles, was man von guten Whitesnakesongs in der Vor-1987-Ära so kennt, mit Ausnahme des Keyboards. Der Bluesrythmus dieses Songs nimmt Anleihe bei Crying in the Rain. Man könnte auch auf Fool for your Loving kommen, stimmt aber nur für den Groove. Trotzdem bleibt Fool in Love ein toller neuer Song. Got what you need ist nur vordergründig ein schneller Rocker, ist aber hart und schnell gespielter Blues. Wird live gut rüber kommen. Mit viel Phantasie und nur wenn man es weiß, findet man dezent ein Riff aus AC/DC - Let there be Rock. Aber es ist wirklich dezent, so dass man wohl keine Tantiemen zahlen muss. Den Abschlusssong halten viele für eine Ballade, das greift aber zu kurz. Ich würde es als einen schönen Akustikblues bezeichnen wollen, denn Mainstreampotential hat er so gar nicht für mich. Hier findet sich auch mal wieder ein bisschen Kashmir, da aber nur gehaucht akustisch, finde ich es in Ordnung. Judgement Day viel früher fand ich viel geklauter. Über die Jahre habe ich es immer als enttäuschend empfunden, dass die Keyboards nicht mehr den Stellenwert hatten wie zu Zeiten Jon Lords. Trauriger Höhepunkt war Don't break my Heart again in der Liveversion. Auch da macht das neue Album leider keine Ausnahme. Trotzdem stellt es eine Verbindung dar zwischen den Alben vor und nach 1987. 1987 war eine Explosion, brachial und gewaltig, aber ein Schock für alte Fans. Good to be Bad hat nicht diese Härte, der Sound kommt vielleicht Coverdale Page am nächsten, aber ohne, dass das Spiel der Gitarristen zu vergleichen wäre. Übrigens hat auf dieser Scheibe Coverdale schon mal so rauh gesungen. Die Limited Edition ist nicht so viel teurer als die normale Edition. Der Unterschied ist schon mehrfach beschrieben, ich erspare ein weiteres. Angemerkt sei nur, dass ich die Akustikversion von Summer Rain ganz toll finde, auch weil die Stimme leicht klarer kommt. Alles in allem eine äußerst gelungene Platte, mit der Coverdale sich aber nicht widerlegt hat. Und ich vermisse die Hammond von Jon Lord.
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1-1 von 1 Diskussionsbeiträgen
Ersteintrag: 10.05.2008 21:54:34 GMT+02:00
Kurz vorweg: Deine Rezesion ist wirklich gut geschrieben. Tip: Absätze sind manchmal gar nicht verkehrt.
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