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Kundenrezension

31 von 35 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Der Turm - ein langer aber kein großer Wenderoman, 24. Juni 2012
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Der Turm: Geschichte aus einem versunkenen Land. Roman (Gebundene Ausgabe)
Fast 1000 Seiten Wenderoman. Ich, geboren 1963 und bis zu deren Ende in der DDR gelebt, also 5 Jahre älter als der Autor, war richtig gespannt auf dieses Buch. Empfohlen von einem Literatur besessenen ehemaligen Klassenkameraden, der auf schwierige Längen" des Werkes hinwies, dem es grundsätzlich jedoch die Tiefe, das Detailwissen und Erinnerungsvermögen des Autors und die vielfältig vorhandene Parallelität zwischen der Hauptfigur Christian und seinem eigenen Leben angetan hatten. Dazu kamen noch ein Klappentext, der zum Inhalt des Romans meint, dass es wirklich so gewesen sei in der späten DDR, die Tatsache, dass der Stoff jetzt gar hochkarätig verfilmt wird und schließlich ein Vergleiche des Romans mit den Buddenbrooks" und anderen Klassikern weckten meine Vorfreude auf das Werk.

Meine Erwartungshaltung war also sehr hoch. Und sie wurde enttäuscht. Ich habe mich durch dieses Werk gekämpft und war froh, dass es zu Ende war. Zum einen liegt es tatsächlich an den Längen, an seitenlangen epischen Passagen. Diese fielen mir außerordentlich schwer, zumal sich dabei weder die Handlung entwickelte noch inhaltliche Vertiefungen erfolgten, die für das Handlungsverständnis notwendig gewesen wären. Dann spielt das Buch vorwiegende in einer intellektuellen, hochgeistigen Sphäre, also in einem sehr speziellen Milieu. Sicher werden dort die Achtziger so abgelaufen sein; ich habe sie anders erlebt. Und ich bin überzeugt, dass viele derer, die diese Zeit bewusst und aktiv erlebt haben, diese Milieuschilderung im "Turm" nicht nachvollziehen können, da sie diese anders erlebt haben und ihnen auch deswegen, da ihnen der Umgang mit bzw. Zugang zu dieser elitären Umgebung fehlte. Insofern halte ich das Werk für nicht repräsentativ, was vielleicht auch gar nicht möglich und nötig ist. In jedem Fall ist aber die Einschätzung von Jens Bisky falsch, dass, "wenn einer wissen will, wie es denn wirklich gewesen ist in der späten DDR, man ihm rasch und entschlossen diesen Roman von Uwe Tellkamp in die Hand drücken sollte".

Was im Buch als eine Ursache für die Wende viel zu kurz kam, war der Einfluss des "Neuen Denkens" der Sowjetunion unter Gorbatschow in breiten Teilen der Bevölkerung der DDR in seiner Wechselwirkung mit der brüsken Zurückweisung dieser Politik durch die SED-Führung. Die Perestroika und vor allem die Glasnost entfalteten eine für die DDR-Führung verheerende Wirkung in breiten Teilen der Bevölkerung. Die von Honecker so ironisch bezeichneten "neuen Freundchen der Sowjetunion" brachten mit den Glasnost-Inhalten die Verantwortlichen im Staat (und "der" Partei) mächtig in Schwierigkeiten. Reaktion der SED-Führung: Unkommentierte Glasnost kritische Leserbriefe aus der Prawda übernommen im Neuen Deutschland abgedruckt, unkommentierte Meldungen über steigende Kriminalität, Armut und schwere Produktionsunfälle in der Sowjetunion und schließlich - das auch im Buch kurz erwähnt - das Verbot diverser Publikationen der Sowjetunion in der DDR, am bekanntesten des "Sputnik". Dieses wiederum führte zu einer stillen Protestwelle in Form von Massenaustritten aus der DSF oder Eingaben an diese oder andere Massenorganisationen. Das alles findet bei Tellkamp nicht statt; ich habe es so schon erlebt.

Eine sehr schön beschriebene Episode, die das generell Neue Ende der späten achtziger darstellt, ist (im Kapitel 69 "Wetterleuchten") zu finden, als Pfarrer Magenstock den Aufruf einer Umweltgruppe im Schaukasten der Kirche anbringt. Der ABV legt ihm nahe, dieses wieder abzunehmen während weitere Passanten stehen bleiben. Eine Gruppe Uniformierter nähert sich, woraus ein Offizier "Auseinander!" befiehlt. Und nicht nur, dass die Menschen stehen blieben, andere Passanten gesellen sich dazu. Und bieten der Staatsmacht durch Ihre gemeinsames Auftreten die Stirn. Der Offizier schwieg." Und noch nie wurde ein ähnlich einsamer Mann gesehen wie" der ABV, der in der Mitte des freien Raumes zwischen beiden Gruppen stand.
Das (!) war es eigentlich, was ganz wesentlich und ursächlich die Situation der DDR zu Ende der achtziger widerspiegelt und die Basis für die friedliche Revolution darstellt. Leider findet man solche Episoden im Buch zu wenig.

Die Einzelschicksale, insbesondere von Christian und Richard, wie eindrucksvoll, detailliert und nachvollziehbar auch dargestellt, münden nicht logisch in die Notwendigkeit einer Wende. Sie verlaufen im Roman merkwürdig parallel zu den gesellschaftlichen und politischen Veränderungen Ende der achtziger Jahre.

Positiv, ohne Frage, die Detailkenntnisse vieler Bereiche, wie des Gesundheitswesens, EOS, NVA, die vieles auch bei mir in Erinnerung riefen, während einiges für mich auch neu war, so Strafkompanie Schwedt oder Einsatz der NVA-Soldaten in der Produktion.

Zusammenfassend ein Roman, den man gelesen haben sollte um das Verständnis für diesen historisch wichtigen Zeitabschnitt im Vorfeld der deutschen Wiedervereinigung zu vertiefen.
Ein Werk, das ich nicht als Schulliteratur empfehlen würde, da die Handlung die Breite und Tiefe dieser Zeit zu wenig repräsentiert und die Längen des Buches den Nachwuchs statt für Literatur zu öffnen und für Geschichte zu interessieren, diesen eher verstören werden.
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