Kundenrezension

117 von 170 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Enttäuschend - SPOILER-Warnung!, 1. Januar 2013
Rezension bezieht sich auf: Der Hobbit: Eine unerwartete Reise (DVD)
Trotz der Freiheiten, die Jackson & Co. sich beim Herrn der Ringe nahmen, fand ich dessen Verfilmung mitreißend und bewegend. Die Darsteller vermochten ihren Charakteren Tiefe und Glaubwürdigkeit zu verleihen, die Lokalitäten und Landschaften waren detailliert und atemberaubend. Von alldem ist im Hobbit leider nicht viel zu sehen.

Ich habe den Kleinen Hobbit seit meiner Jugendzeit viele Male gelesen, auf Deutsch und auf Englisch. Es ist eine charmante, zauberhafte Kindergeschichte. Leider hat Jackson daraus ein lautes, hektisches Spektakel gemacht, mit vielen unnötigen Action-Szenen, dummen Humoreinlagen und jeder Menge CGI-Slapstick.

Zu oft hatte ich das Gefühl, ich hätte die meisten der Kreaturen schon mal irgendwo gesehen. So erinnerte mich zum Beispiel der Anführer der Goblins an Jabba the Hutt, komplett mit kicherndem Handlanger-Wesen; Azog sah aus wie eine Kreuzung aus dem Schöpfertyp in Prometheus und dem hustenden Cyborggeneral in einem der Star Wars-Filme; die Trolle hätten die großen Brüder von Kreacher aus Harry Potter sein können - um nur einige zu nennen. Das gleiche gilt leider für Szenen wie die Untergrund-Goblinschlacht (die Minen von Moria kombiniert mit CGI-Flug durch Sarumans Eisengießerei) oder das Herbeirufen der Adler mittels einer Motte.

Kam schon im Herrn der Ringe das Reisegefühl ziemlich zu kurz, im Hobbit ist es komplett verloren gegangen: In einem Augenblick rennt Bilbo den Zwergen hinterher (warum, wird nicht so ganz klar), im nächsten läuft man vor den Wargs davon, und dann ist man schon bei Elrond zum Abendessen. Es wird mehr Zeit mit der obengenannten Goblinschlacht verbracht als mit dem Weg von Hobbiton nach Rivendell.

Zu den Charakteren ist zu sagen, dass mit Ausnahme der "alten Garde" (Bilbo der Ältere, Elrond, Frodo, Galadriel, Saruman) die Schauspieler ihre Rollen nicht recht ausfüllen - am offensichtlichsten gilt das für Bilbo den Jüngeren, der ziemlich unsicher zu sein scheint, wer er eigentlich ist. Ich konnte mich des Verdachtes nicht erwehren, dass der Schauspieler das Buch nicht gelesen hat.

Die Zwerge sind hauptsächlich rüpelhaft und haben schlechte Tischmanieren; einer sieht aus wie Pippi Langstrumpf, einer hat eine Frisur, die an ein Raumschiff erinnert, der nächste trägt eine lächerliche Wintermütze mit Ohrenklappen, Kili ist (entgegen der Buchvorlage und anders als sein Bruder Fili) nahezu bartlos, und ist das eine Axtklinge, die wieder ein anderer im Kopf hat? Musste das sein???

Der größte Affront kommt jedoch in Gestalt von Radagast daher. Vogelmist in Haar und Bart? Rauch aus Gandalfs Pfeife saugen als sei es ein Joint? Ein von Kaninchen gezogener Schlitten? Wettfahrt mit den Wargs? Warum denn nur???

Momente, bei denen ich mir das Augenrollen nicht verkneifen konnte: Wiederbelebungsversuche an einem computergenerierten Igel, der aus einem Disneyfilm zu stammen schien. Die Szene, in der der Anführer der Goblins einen laufenden Kommentar zu seinem Abschlachten abgab. Zu viele Szenen, in denen die Protagonisten schwere Verletzungen hätten davontragen müssen, jedoch wie Comic-Charaktere Schutt und Geröll abschüttelten und weiterliefen, ohne dass auch nur Staub auf den Kostümen zu sehen war; die Frotteefüße der Adler.

Die Rätselszene mit Gollum (der nicht nur die überzeugendste Computerfigur, sondern - mit Ausnahme von Ian McKellan als Gandalf - der begabteste Darsteller in dem ganzen Film war) in seiner erstaunlich gut beleuchteten Höhle ist recht gut gelungen, allerdings ist die Stimmung von bedrohlich zu quasi-komisch umgestaltet worden ("I wasn't talking to you, was I?").

Alles in allem überlädt der Film Bilbos Geschichte mit zuviel Hintergrundmaterial aus den Anhängen des Herrn der Ringe in seinem Versuch, es an den Herrn der Ringe anzubinden. Es scheint mir offensichtlich, dass Jackson und seine Mannschaft diesmal wirklich überzeugt sind, dass es für sie keine Rückkehr nach Mittelerde mehr geben wird, und so packen sie in den Hobbit hinein, was nur hineingehen mag - und dann noch ein bisschen mehr. Da man außerdem auch noch jede Menge Action-Sequenzen unterbringen muss, rollt das Endergebnis mit solcher Geschwindigkeit über die Leinwand, dass das Publikum nun gar keine Zeit mehr hat, die wunderbaren Landschaften zu genießen oder die Charaktere kennen zu lernen (wer das nachholen möchte, dem seien die "Making of"-Videos auf YouTube empfohlen).

Summa summarum: Dies ist nicht Der Hobbit, es ist Der Hollywobbit.
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Kommentare

Von 2 Kunden verfolgt

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1-10 von 23 Diskussionsbeiträgen
Ersteintrag: 02.01.2013 12:06:21 GMT+01:00
mogoduc meint:
"Summa summarum: Dies ist nicht Der Hobbit, es ist Der Hollywobbit."

Danke! Das trifft auch genau mein Empfinden!

Veröffentlicht am 04.01.2013 16:58:33 GMT+01:00
J. Krey meint:
Ihre Rezension trifft's fast. Ich habe mir (trotz der schlechten Rezensionen) den Film in der Doppelplus-Version (48 fps + 3D) angesehen, einfach weil ich mir einen vollständigen und eigenen Eindruck verschaffen wollte.
Ich kann mich anderen Rezensionen zur schlechten Animationsqualität nicht anschließen (ich fand die computergenertierten Figuren nicht besonderes schlecht sondern am Beispiel Gollums eher besonders gut gelungen), technisch bekommt der Film also 5 Sterne.
Einige Freiheiten von Jackson sind für mich als langjährigen Tolkien-Fan o.k. - so ist die Einleitung vom alten Bilbo eine gute Idee, auch das Gandalf ein paar Hinweise einstreut, warum er Bilbo gewählt hat. Auch die szenische Darstellung von Smaugs Einfall in Thal und im Zwergenreich im Erebor.

Aber:
Die Trollszene ist versemmelt - das Original von Tolkien hat viel mehr Witz.
Die Steinriesenszene - Unfug, was soll das?
Was soll das Zusammentreffen mit den Wargen und Orks vor Bruchtal? Bruchtal ist das letzte (oder erste) sichere Haus (wird im Film dann auch so gesagt) - also gehören vorher keine Orks!
Radagast - meinetwegen kann man ihn irgendwo einbinden (ich wüsste zwar nicht warum, aber bitteschön). Aber Radagast ist einfach kein bekiffter Zauberer auf Droge!!! Und was sollen diese völlig affigen "Kampfkaninchen"???
Auch die Szene auf den brennenden Kiefern - schade, das schildert Tolkien mit viel mehr Witz!

Warum muss der Kommerz derartig die Überhand über dieses fantasievolle Material gewinnen ... schade. Würde mir gerne eine shortened version kaufen ... ohne die Radagast-Szenen - gibt's die auch???
;-)

Veröffentlicht am 06.01.2013 01:45:07 GMT+01:00
Indiana Goof meint:
Auch wenn ich ganz und gar nicht Ihrer Meinung bin, so kann ich Ihre Kritik, in einigen Punkten zumindest, verstehen. Gut und sachlich argumentiert. So sollten negative Kritiken geschrieben sein.
"Hilfreich" - trotz völlig verschiedener Ansicht über den Film.

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 07.01.2013 16:27:06 GMT+01:00
Nico1908 meint:
Die Animationen waren zwar technisch okay, die Figuren überzeugten mich aber leider nicht. Die altbewährte Methode aus HdR, vorzugsweise Schauspieler oder Stuntleute in "prosthetics" einzusetzen und Computeranimation so sparsam wie möglich zu verwernden, hätte ich besser gefunden.

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 09.01.2013 14:41:20 GMT+01:00
Melia meint:
Geht mir auch so. Gollum war super, auch von der Animation her, aber Azag? Hätte man da nicht einfach einen sehr großen Schauspieler nehmen und den entsprechend "verkleiden" können? Musste man den unbedingt animieren und noch dazu so, dass es einem direkt ins Auge springt? In Summe fand ich den Film ja sehr gut, aber die Animationen haben mich z.T. überhaupt nicht überzeugt.

Veröffentlicht am 13.01.2013 01:24:59 GMT+01:00
ich muss sagen alle deine Einschätzungen teile ich ja nicht aber genau, wie ,,Indiana Goof'' bin ich der Meinung das sich deine negative Rezension klar von dem Schrott der Anderen abhebt, die so oft unsachlich wurden und ein Blödsinn geschrieben haben, dass man da doch nur mit den Ohren schlackern konnte.

Veröffentlicht am 15.01.2013 21:28:32 GMT+01:00
Es ist immer schwer, das Buch bei einer Literaturverfilmung loszulassen, und dem Film seine eigenständige Existenzberechtigung zu gewähren. Ich kenne den Ärger und die Enttäuschung! Mir geht es in einem anderen Genre genau so. Ich teile zu 90 % Ihre Meinung, was den Film "Hobbit" angeht. Aber den Stab, den Sie über die Schauspieler brechen, teile ich nicht. Gerade die Protagonisten machen ihren Job richtig gut, wenn man akzeptiert, dass sie „anders“ aufgebaut sind, als im Buch. Was den Humor angeht - der ist wirklich etwas zu „klamaukig“. Besonders haben sich mir die Fußnägel im Bruchtal eingerollt. Der Schmalz, der von Galadriel ausging, war echt hart …Ihre Rezi ist wirklich sehr hilfreich und umfassend.

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 18.01.2013 01:21:06 GMT+01:00
Alesius meint:
-- Das Buch beschreibt die Trollszene erheblich besser, das habe ich auch vermist.
-- Radagast fand ich auch übertrieben dargestellt - vor allem der Vogeldreck am Bart war für mich einfach nur sinnfrei...
-- Die Steinriesen waren für mich eine echte Überraschung - aber keine Positive. Was sollte das nur?

Die guten Szenen haben aber dann doch überwiegt:
+ Bilbo erzählt die Geschichte - nette Idee:)
++ Die Zwerge kommen an und bedienen sich bei Bilbo - lustig und sympathisch dargestellt, top! Die Zeit verging hier wie im Fluge!
++ Auch die Zwischenerzählungen über die Zwerge (Smaugs Ankunft, Moria) haben mir gut gefallen.
++ Die Gollum-Szenen sind sehr gut gelungen. Schade, dass wir ihn nicht mehr sehen werden... (evtl. aber doch im 3. Teil, der auch einen Übergang zu den Ringkriegen darstellen soll).
++ Die Landschaftsaufnahmen waren auch wieder gut bis grandios!:)

Die Effekte sind sehr hochwertig! Allerdings empfand ich die Trolle doch als sehr künstlich, besonders ist mir das auch bei dem großen fetten Ork-König aufgefallen. Saruman sah aus als ob er 2-3mal zu oft durch einen Photoshop-Filter gejagd worden wäre. Die Darstellung vom "Bleichen Ork" und vor allem Gollum fand ich da erheblich besser gelungen.

Im Ganzen bot der Hobbit keine durchweg grandiose Unterhaltung, aber er hatte doch sehr starke Momente. Schade dass er sich ein paar Patzer erlaubt hat, aber das macht den Film keineswegs zu einen 2-Sterne-Film. Mir hat's jedenfalls (meistens) Spass gemacht:)

Ich bin jedenfalls gespannt wie es weitergeht! Schade, dass wir noch gut 2 Jahre warten müssen um ein endgültiges Urteil fällen zu können.

Veröffentlicht am 21.01.2013 16:33:08 GMT+01:00
B. Kroell meint:
Sorry, aber DER HOBBIT war nie eine ausschließliche Kindergeschichte, sollte es lt. Tolkien auch gar nicht werden.

Aber in anderen Dingen kann ich Ihnen vollkommen Recht geben, beispielsweise darin, dass die Reise- oder besser das Abenteuergefühl hier nicht wirklich rüberkommt.
Es stimmt auch, dass hier vieles eingebaut wurde, was in Der Her der Ringe fehlte oder als Anhang mitgegeben wurde. Ich bin zwar froh, dass das nun hier aufgegriffen wurde, jedoch mag man über die Art und Weise der Darbietung streiten, ich finde, dass es bessere Lösungen gegeben haben wird.

Der Vergelich mit der Herr der Ringe, einem der besten Fiolme aller Zeiten, wie ich finde, zu dem Buch hinkt, da hier der Film zwar bei Weitem nciht an das Buch herankommt, jedoch ebenfalls sehr vieles erzählt, das ist bei Der Hobbit bislang anders....

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 22.01.2013 19:59:35 GMT+01:00
Zuletzt vom Autor geändert am 22.01.2013 19:59:58 GMT+01:00
Nico1908 meint:
Wenn ich mich recht erinnere, gibt der Sohn des Verlegers in seinem Interview auf der "Extended DVD" von "The Fellowship of the Ring" die Alterszielgruppe für den Hobbit als 5 bis 9 Jahre an. Man darf das Buch somit wohl getrost als Kinderbuch einstufen.
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