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15 von 23 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
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Rezension bezieht sich auf: Warum Denken traurig macht: Zehn (mögliche) Gründe (Gebundene Ausgabe)
"Letztlich führt dies jedoch nirgendwohin. Wie inspiriert dieses Denken des Seins, des Todes oder Gottes auch sein mag, es läuft auf mehr oder minder geistreiche, weitreichende oder bedeutungsvolle Bilder hinaus - man könnte gar von 'hohlem Gerede' sprechen."So, auch, bilanziert George Steiner zum Ende seines gattungsfraglichen Essays/Manifests/Traktats die zehnte Dimension jener angeblichen Traurigkeit/tristesse/tristitia des Denkens, die es im Titel trägt. - Dem weniger in philosophischer Auseinandersetzung mit dem Denken befangenen Leser (einem solchen findet sich ins Steiners Werken gewiss stets etwas Interessantes) oder einem, den die autobiographisch angehauchte Reflexion auf die zehnfache Verwurzelung des melancholischen Autorengeistes weniger anspricht, dem wird dieser Satz auf Seite 75 jedoch wie Hohn erscheinen, nachdem er immerhin auf der drittletzten Seite angekommen ist. Steiners Buch glänzt nämlich mit klugen und scharfsinnigen Formulierungen, doch hilft das wenig, wenn sein Gegenstand so im Unklaren verbleibt. Und welchen sachlichen Grund es für diese Auseinandersetzung mit dem Phänomen des Denkens auch immer geben mag - warum es mit dem melancholischen Temperament verbunden zu sein scheint, ist schließlich eine durchaus berechtigte Frage -, seine Verarbeitung in solch selbstgefälligem und schwatzhaftem Ton hat es darum gewiss nicht verdient. Bezeichnend sind jene Stellen, mehrere Dutzend an der Zahl, in denen Steiner genitivisch auf die Größen der westeuropäischen Geistesgeschichte verweist, auf Gedanken Kants, Meister Eckharts oder Einsteins, ohne das man recht weiß, was er eigentlich meint. Überaus artifiziell ruht dieses intellektuelle Kabinettsstückchen auf einem Zitat von Schelling, das es wenigstens zehnfach variiert, an- und bespielt, aufnimmt usw. Allzu artifiziell, wenn man spätestens zum Ende von Kapitel drei feststellt, dass die Zehnzahl bloßer Selbstzweck ist, schöner Schein, nichts weiter als - wie Steiner selbst sagen dürfte - "hohles Gerede". Grünbein schreibt in seinem Nachwort: "George Steiner gehört zu jenem altmodischen (in Wahrheit überzeitlichen) Typus Mensch, dem nicht die Künste samt Mathematik und Philosophie ein bloßer Vorwand fürs rein biologische Leben sind, sondern umgekehrt dessen einzige Rechtfertigung." So sehr er damit Recht hat, Grünbein gleichermaßen wie Steiner, so wenig erfährt der Leser, wozu es seiner im Rahmen dieses Steinerschen Rechtfertigungsversuches bedarf. Das Buch ist nicht schlecht, aber es führt "nirgendwohin" - notwendigerweise, wie es uns lehrt - und es zelebriert die Intellektualität seines Autors bis zum Unerträglichen: zwei Sterne. Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen Kommentare
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1-1 von 1 Diskussionsbeiträgen
Ersteintrag:
13.07.2008 18:07:37 GMT+02:00
Martin Reichel meint:
E.M. Cioran spricht einmal von "Ornament und Wortkram". C'est ca.
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