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Kundenrezension

26 von 31 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Eine tragische Liebesgeschichte aus den sechziger Jahren des 20. Jahrhunderts, die sich liest wie ein Thriller, 20. Juli 2007
Rezension bezieht sich auf: Am Strand (Gebundene Ausgabe)
Zwei Jahre haben wir nun mit großer Spannung auf das neueste Buch von Ian McEwan gewartet. Nach dem sensationellen Erfolg von "Abbitte" 2002 und der ungewollten Prophezeiung der Londoner Attentate 2005, die er mit seinem kurz vorher erschienenen Roman "Saturday" tat, legt er nun einen kleinen, aber feinen Roman vor, der uns weit in die Vergangenheit zurückführt. Der Roman spielt im Juli 1962 in England, einer Zeit, an deren Kultur und Gesellschaftsnormen sich nur die älteren Leser aus eigener Anschauung erinnern. Für alle nach dieser Zeit Geborenen ist die Lektüre dieser tragischen Liebesgeschichte eine interessantes, aber auch erschütterndes Panaroma einer Zeit, in der die Liebe noch Konventionen unterworfen war, die sich heute niemand mehr gefallen lassen würde.

Edward und Florence haben geheiratet und sitzen nun in ihrer Flitterwochensuite in einem Hotel am Strand von Chesil Beach in Südengland. Sie haben sich ihr Dinner aufs Zimmer bringen lassen. Die Szene könnte romantisch sein, doch das Zimmer knistert regelrecht vor Spannung, was auch den servierenden Kellnern nicht entgeht, die sich deswegen so schnell es die Form zulässt, zurückziehen und die beiden allein lassen.

Beide, Florence und Edward, sind innerlich auf höchste angespannt, denn in den nächsten Stunden wird etwas geschehen, was beide seit langer Zeit erwartet haben: mit großer Erregung und banger Vorfreude der aufgeregte Edward, mit großem inneren Widerstand bis hin zu regelrechten Ekelattacken und Verspannungen im ganzen Körper die vor Angst zugebackene Florence. Es ist ihre Hochzeitsnacht und nach alter Sitte werden sie bald zum ersten Mal miteinander schlafen.

Für Florence ist die Vorstellung, ihren Mann, den sie sehr liebt, nackt vor sich zu sehen, ihn in sich eindringen zu spüren, ein wahrer Alptraum. Lange Zeit hatte sie es verdrängt, doch nun gibt es für sie kein Entrinnen mehr. Edward ist ein sensibler Mann, der sehr wohl die innere Anspannung seiner Frau spürt. Schon all die Monate vorher, wenn er sie küßte, spürte er, wie sich ihre Zunge zurückzog und sie ihren ganzen Körper verspannte. Dennoch, er ist ihr Mann und er hofft, daß sie, wenn er denn einmal vollzogen wird, den ehelichen Beischlaf auch zu genießen lernen wird.

Und so sitzen die beiden vor ihrem mehrgängigen Hochzeitsessen, bekommen kaum etwas davon hinunter und versuchen sich in belanglosem Smalltalk. Dabei, und das macht den großen Hauptteil des Romans, erinnern sich beide in ihren Gedanken, in die sie während der langen Schweigephasen versunken sind, an ihre jeweiligen Elternhäuser, ihre Kindheit und Jugend und daran wie sie sich kennen gelernt haben.

In der Schilderung dieser Szenen kommt die wahre Meisterschaft McEwans zum Vorschein, die auch schon andere Romane von ihm ausgezeichnet hat: er kombiniert die persönliche Lebensgeschichte von Menschen mit den politischen Vorgängen der jeweils geschilderten Zeit. Und so erfahren wir viel über die britische Innen- und Außenpolitik Anfang der sechziger Jahre, die ersten, von England ausgehenden Protestbewegungen gegen die Atomrüstung (Aldermastonmarsch), bei denen sich unser Liebespaar auch kennen gelernt hat.

Florence und Edward sind beide in nicht ganz problemlosen Familien ausgewachsen. Während Florence Mutter oft genervt ist von der Musik ihrer Tochter, die sie leidenschaftlich immer wieder übt und übt, weil sie den Ehrgeiz hat, es zu einer gewissen Meisterschaft zu bringen, ist Edwards Mutter gar nicht richtig anwesend, und etwa ab seinem vierzehnten Lebensjahr wird ihm und seinen Schwestern richtig bewusst, daß seine geliebte, aber immer seltsam abwesende Mutter geistesgestört ist.

Doch all dies ist nicht die eigentliche Ursache für ihre sexuellen Probleme, jedenfalls legt es der Autor dieses Romans nicht nahe. Das Hochzeitsdinner nimmt seinen weiteren Verlauf, die beiden überlegen noch, ob sie nicht noch einmal an den nahe gelegenen Strand gehen sollten, als Florence die Flucht nach vorne antritt, und vorschlägt, sich auf das Bett zu setzen. Edward beginnt, sie zu streicheln, sie lässt sich verkrampft darauf ein, hebt auch ihr Hinterteil, als er ihr Höschen ausziehen will und bald darauf sind sie beide ganz nackt. Florence nimmt all ihren Mut zusammen und will, so wie sie es in einem ihrer Ratgeber für die junge Ehefrau gelesen hat ( es ist ja nicht so, dass sie sich nicht ausführlich mit dem auseinandergesetzt hätte, wovor sie sich so fürchtet und ekelt), ihrem geliebten Mann helfen, und führt mit ihrer Hand seinen Penis dorthin, wo er hin soll. In Sekundenschnelle ist für Edward der erste Beischlaf beendet und er versinkt in großer Scham. Florence zieht sich in aller Eile an, den trocken werden Samen Edwards noch auf ihrem jungfräulichen Bauch, und flüchtet an den Strand.

Dort findet sie Edward schlussendlich, als er ihr nachgeht und ihr die heftigsten Vorwürfe macht:
"'Du hast nicht die leiseste Ahnung davon, was es heißt, mit einem Mann zusammenzusein, Sonst wäre das nie passiert. Du hast mich auch nie rangelassen. Keinen blassen Dunst hast du von dem Ganzen, stimmt`s ? Du führst dich auf, als schrieben wir das Jahr 1862. Du weißt ja noch nicht einmal, wie man richtig küsst.'"

Florence setzt sich zur Wehr, wirft nun ihm vor, versagt zu haben, womit sie ja auch nicht ganz Unrecht hat. Der Streit eskaliert, sie trennen sich, Edward sagt die angebotene Stelle bei Florence` Vater ab und wird sich fortan nie mehr binden. Aber er wird Florence nie vergessen:
"Endlich ( als er über sechzig ist) konnte er sich eingestehen, daß er nie wieder jemanden kennengelernt hatte, den er so liebte wie sie, daß er nie wieder jemand getroffen hatte, Man oder Frau, der es an Ernsthaftigkeit mit ihr aufnehmen konnte. Wäre er mit ihr zusammengeblieben, hätte er sein Leben vielleicht aufmerksamer und zielstrebiger gelebt, hätte vielleicht sogar die Geschichtsbücher geschrieben."

Er weiß, dass Florence immer noch in dem von ihr gegründeten Quartett erfolgreich öffentliche Auftritte absolviert, aber es kommt nie mehr zu einer Begegnung der beiden.

Ein so gesehen trauriger Roman über zwei intelligente Menschen, die sich sehr viel zu sagen haben, deren Körper aber nicht die Zeit hatten, die ihnen gemäße Sprache zu lernen, und die aber auch nichts dafür tun, dass sich dieser bedauernswerte Zustand änderte und sich so immer weiter gegenseitige Verletzungen zufügen und durch konsequentes Nichtstun den Lauf ihres ganzen Lebens verändern. Ein Roman, der sensible Einblicke vermittelt in die Gesellschaft Großbritanniens in den sechziger Jahren des letzten Jahrhunderts, ein Werk, das wie auch die letzten Romane McEwans ein sprachliches Erlebnis ist.
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